Russische Airlines geraten ins Trudeln

Der schwache Rubel führt zu höheren Kosten bei den Fluggesellschaften. Foto: TASS

Der schwache Rubel führt zu höheren Kosten bei den Fluggesellschaften. Foto: TASS

Rückläufige Passagierzahlen und die Rubelschwäche machen den russischen Airlines Transaero und Utair zu schaffen, sodass sie nun den Staat um Finanzhilfen gebeten haben – mit guten Aussichten auf Erfolg: Die Flugbranche ist ein Lieblingskind der russischen Regierung.

Die Fluggesellschaften Transaero und Utair haben die russische Regierung um finanzielle Unterstützung gebeten. Transaero ist mit 12,5 Millionen Passagieren im Jahr 2013 die zweitgrößte Fluggesellschaft Russlands nach Aeroflot. Utair steht mit 8,1 Millionen Fluggästen im Jahr 2013 auf Platz drei. Der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge hat der russische Verkehrsminister Maksim Sokolow erklärt, dass beide Airlines Schwierigkeiten bei der Finanzierung von Krediten haben. Zudem gebe es Probleme bei der Umstrukturierung. Die Regierung hat laut Berichten die Einrichtung einer Kommission beschlossen, die Hilfsmaßnahmen für die gesamte Flugbranche ausarbeiten soll.

Nach Einschätzung russischer Finanzexperten ist vor allem der schwache Rubelkurs schuld an der finanziellen Misere der russischen Fluggesellschaften. Einnahmen aus dem Ticketverkauf bringen Rubel in die Kasse, doch Ausgaben, etwa für die Anschaffung neuer Maschinen, werden in Fremdwährungen bezahlt. „Die Verschuldung der Fluglinien war bisher eher gering. Kredite konnten bei einem stabilen Rubelkurs problemlos bedient werden", erklärt Dmitri Baranow von Finam Management. Doch der Rubel schwächle und verliere zunehmend an Wert, sodass die Kosten für die Fluggesellschaften immer weiter stiegen, so Baranow.

 

Die Branche schwächelt seit Anfang des Jahres

Die Krise begann nach Einschätzung von Anna Milostnowa von UFS IC Anfang des Jahres, als der Rubel gegenüber dem Euro in nicht einmal zwei Monaten um zehn Prozent verlor. Schon damals zeichneten sich ihrer Meinung nach mögliche negative Folgen für die russischen Fluggesellschaften ab, die internationale Flüge anbieten. Aeroflot reagierte darauf mit einer Preissenkung für Flüge, die in Euro ausgewiesen waren, und hatte dennoch 0,8 Prozent weniger Fluggäste in den ersten acht Monaten des Jahres, stellt Milostnowa fest. Insgesamt ist die Zahl der Touristen rückläufig, worunter neben den Fluggesellschaften auch die Reisebüros leiden, von denen bereits einige schließen mussten. Dabei entstehe eine Abwärtsspirale, erklärt die Analystin: Weniger Reisebüros bedeuteten noch weniger Reisende und damit auch weniger Fluggäste.

Oleg Panteleew, Leiter der Informationsagentur Aviaport, sieht die Situation ähnlich. Er spricht von einer Krise am Flugmarkt und allgemein in der Reisebranche, die durch bestimmte Faktoren ausgelöst worden sei. So spiegelten die Zahlen der Branche ein insgesamt langsames Wirtschaftswachstum in Russland wieder. Zudem verteure der schwache Rubelkurs die Anschaffung neuer Maschinen und die Wartungskosten. Die Rubelschwäche führe auch dazu, dass weniger Russen ins Ausland reisten. Dadurch sei die Zahl internationaler Flüge drastisch zurückgegangen, so Panteleew. Die Fluggesellschaften müssten zudem aufgrund des niedrigen

Einkommensniveaus der Bevölkerung die Ticketpreise senken, und durch sinkende Einnahmen bei höheren Ausgaben seien sie gezwungen, weitere, meist teurere, Kredite aufzunehmen, führt er weiter aus.

Deshalb setzen Russlands Fluggesellschaften nun auf staatliche Unterstützung. Die Aussichten dafür sind gut. „Die Regierung hat oft beteuert, dass ein Ausbau des Flugverkehrs auch auf regionaler Ebene für Russland essenziell sei", sagt Dmitri Baranow. Denn der Ausfall der wichtigsten Marktakteure könnte die russische Flugindustrie massiv schwächen und um Jahre zurückwerfen, erläutert der Analyst. Ein Aus für eine der russischen Fluggesellschaften hätte auch Auswirkungen auf die Einnahmen des russischen Staates, erklärt Baranow, denn in diesem Fall würden in vielen Regionen die Arbeitslosenzahlen steigen.

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