Sanktionen: Lachs auf Umwegen

Foto: Reuters

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Russische Fischereiproduzenten haben ein Schlupfloch gefunden, um das Embargo gegen Fischereiprodukte aus Norwegen zu umgehen: Sie reimportieren norwegischen Lachs aus Belarus. Das ist zulässig, solange der Fisch im Nachbarland verarbeitet wurde – doch das hat seinen Preis.

Russische Fischhändler haben einen Weg gefunden, das Importverbot für Fischereiprodukte aus Norwegen zu umgehen. Sie kaufen norwegischen Lachs auf dem Umweg über Belarus ein. Bevor der Fisch in russischen Supermarktregalen landet, wird er in Belarus verarbeitet. Dort wird er zerlegt und gesalzen, erklärt Alexander Starobinski, stellvertretender Generaldirektor des Sankt Petersburger Fischproduzenten RОK-1, einem der größten in Russland. Nach eigenen Angaben produziert das Unternehmen pro Jahr über 60 000 Tonnen Fischereiprodukte, darunter Edelfischsorten, Krabbenstäbchen und Kaviar. Die Produkte werden unter verschiedenen Markennamen vertrieben.

Auch andere Fischproduzenten haben Belarus für sich entdeckt. Konstantin Petrow, kaufmännischer Leiter von Baltic Coast, erklärt: „Als bekannt wurde, dass es Sanktionen geben wird, haben wir uns in Belarus umgesehen. Wir hatten ursprünglich vor, dort eigene Produktionsstätten zu erwerben, aber nun haben wir die Aufträge an belarussische Unternehmen vergeben." Bei Baltic Coast rechnet man laut Petrow damit, dass die Sanktionen in absehbarer Zeit wieder aufgehoben werden. Um welche belarussischen Unternehmen es sich handelt, dazu will sich Petrow nicht äußern: „Geschäftsgeheimnis", sagt er. Baltic Coast gehört landesweit zu den fünf größten Unternehmen für Fischereiprodukte. Über 150 verschiedene Produkte werden in Fabriken in Sankt Petersburg und in den Gebieten Leningrad und Murmansk hergestellt.

Seit Anfang August ist der Import von norwegischem Fisch nach Russland aufgrund von Sanktionen verboten. Ministerpräsident Dmitri Medwedjew hatte erklärt, dass das Einfuhrverbot für einen Zeitraum von einem Jahr gelten soll. Für Belarus und Kasachstan, die wie Russland Mitglieder der Eurasischen Zollunion sind, gelten keine Importbeschränkungen. Allerdings muss der norwegische Fisch dort verarbeitet und neu verpackt werden, um nicht mehr als norwegisches Produkt zu gelten. Dann kann er ungehindert die russische Grenze passieren.

Im vergangenen Jahr wurden in Russland 2,8 Millionen Tonnen Fisch konsumiert. Ein Drittel davon war importiert, 40 Prozent der Importe kam aus Norwegen. Russland hatte nach Angaben des Norwegian Seafood Council damit die weltweit höchste Importrate an norwegischem Fisch und Fischereiprodukten. Norwegen exportierte in 2013 zehn Prozent mehr Fisch in die Russische Föderation, das entspricht einer Steigerung von über 836 Millionen Euro.

 

Der Umweg über Belarus hat seinen Preis

Für die russischen Fischproduzenten bedeutet der Umweg über Belarus höhere Kosten, weil die belarussischen Unternehmen eine Provision erhalten. Fischproduzenten gaben gegenüber RBC Daily eine Kostensteigerung von 15 bis 20 Prozent an. Im September lag der Durchschnittspreis für norwegischen Lachs auf dem Weltmarkt laut

Norwegian Seafood Council bei etwa 4,8 Euro pro Kilo. Die russischen Importeure mussten nach Angaben von Custom Inform 7,26 Euro pro Kilo bezahlen. Der Endpreis setzt sich aus den Provisionen für die belarussischen Unternehmen, Kosten für die Verpackung und das Ausstellen von Zertifikaten zusammen. Die russischen Fischproduzenten schätzen die Kosten für eine Lkw-Lieferung von 16 Tonnen von Norwegen nach Belarus auf etwa 3 900 bis 4 700 Euro.

Die Aufsichts- und Inspektionsorganisation des russischen Landwirtschaftsministeriums Rosselchosnadsor kann die Warenlieferungen nicht verhindern, solange die Papiere in Ordnung sind. „Wir prüfen die veterinärmedizinischen Zertifikate und nehmen vereinzelt Proben", erklärt Alexej Alexejenko von Rosselchosnadsor. Die Zoll-Codes zu prüfen liege nicht in der Kompetenz seiner Behörde.

Sergej Gudkow, Chef des russischen Fischereiverbandes, betont, dass die Branche im Gegensatz zu anderen streng auf die Einhaltung der Sanktionen achte. Er schätzt, dass nach dem russischen Embargo etwa 80 Prozent des Rohlachses nun erst im Ausland verarbeitet werden.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RBC Daily.

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