Wirtschaftsminister Uljukaew: „Entwicklung des Ölpreises ist ungewiss“

Der russische Wirtschaftsminister sieht kein Risiko für die Staatskasse. Foto: Olessja Kurpjajewa/Rossijskaja Gaseta

Der russische Wirtschaftsminister sieht kein Risiko für die Staatskasse. Foto: Olessja Kurpjajewa/Rossijskaja Gaseta

Der derzeit niedrige Ölpreis belaste den russischen Staatshaushalt nicht, behauptet der russische Wirtschaftsminister Aleksei Uljukaew. Für dieses Jahr würden die Einkünfte sogar über den Erwartungen liegen.

Der Minister für wirtschaftliche Entwicklung der Russischen Föderation, Alexej Uljukaew, sprach mit der Zeitung „Rossijskaja Gaseta" über die Entwicklung des Ölpreises und deren Folgen für die russische Wirtschaft. Der Minister schloss ein Abrutschen der Preise ins Bodenlose aus.

„Für den Staatshaushalt stellen die Kursschwankungen des Rubels gegenüber dem US-Dollar und deren Auswirkungen auf den Ölpreis kein großes Risiko dar. Der niedrigere Ölpreis wird durch den schwächeren Kurs wieder aufgehoben", erklärte der Minister und führte aus: „Wenn der Ölpreis sich einpendelt, zum Beispiel bei 83 US-Dollar pro Barrel, wird der Mittelwert für dieses Jahr bei etwa 99 US-Dollar liegen. Das bedeutet, dass in diesem Jahr zusätzliche Einkünfte in den Haushalt fließen, es wird viel mehr Überschuss geben, als wir vorhergesehen haben." (Der Haushalt für 2014 wurde auf der Basis eines Ölpreises von 93 US-Dollar pro Barrel berechnet. In den makroökonomischen Prognosen allerdings rechnete man mit 101 US-Dollar pro Barrel. – Anm. d. Red.)

Auf den ersten Blick sei es auch gar nicht schlecht, die unerwarteten Einnahmen zu genießen. Doch beim näheren Hinsehen berge das auch Risiken. Das Problem sei, dass die wirtschaftliche Entwicklung schwer vorhersehbar ist. „Wenn wir genau wüssten, dass die Ölpreise bis 2020 zum Beispiel auf 70 US-Dollar pro Barrel sinken würden und bis 2030 dann auf 50 US-Dollar, dann könnten wir uns darauf vorbereiten und die Zoll-, Steuer- und Tarifpolitik entsprechend ausrichten. Doch wir wissen nicht, was auf uns zukommt", analysierte Uljukaew. Eine ähnliche Situation wie heute habe es auch schon Anfang des Jahres 1990 gegeben, als die Ölpreise von 139 auf 47 US-Dollar pro Barrel gefallen seien.

 

Märkte Chinas und Indiens werden Ölpreis stark beeinflussen

Der Minister geht davon aus, dass es „so etwas wie einen Kompromisspreis" geben werde, der sowohl für die Lieferanten als auch für die Käufer akzeptabel ist. Fast zehn Jahre lang habe der Ölpreis bei über 100 US-Dollar gelegen. Nun sei es sehr wahrscheinlich, dass sich der neue Preis unter dieser Marke ansiedeln werde.

„Seitens der Lieferanten gibt es keinen Anlass zur Preissenkung, steigen die Selbstkosten der Förderung doch kontinuierlich", meinte Uljukaew. Die Förderung auf dem arktischen Schelf und Horizontalbohrungen seien teuer, würden jedoch immer mehr an Bedeutung gewinnen. Die alternativen regenerativen Energiequellen und Atomkraft erforderten noch größere finanzielle Mittel und noch mehr Zeit, so der Minister.

Dem Wirtschaftsminister zufolge wird die Wachstumsgeschwindigkeit der Märkte Chinas und Indiens von ausschlaggebender Bedeutung sein. „Das Bruttoinlandsprodukt Chinas ist noch vor kurzer Zeit um zehn Prozent pro Jahr gestiegen. 2014 wird das Wachstum zwischen 7,2 bis 7,3 Prozent betragen und 2015 wird es gar unter sieben Prozent liegen. Wenn das BIP

Chinas weiterhin, wenn auch langsamer, ansteigt, wird die Nachfrage relativ stabil bleiben", ist Uljukaew sicher und prognostizierte: „Nach einigen Schwankungen wird sich der Ölpreis im Bereich zwischen 90 und 100 US-Dollar pro Barrel einpendeln."

Den Rubel zu unterstützen, damit ein bestimmter Wechselkurs erhalten bleibt, ist laut Einschätzung des Ministers nicht nötig. Wichtig sei jedoch, die Kursschwankungen etwas auszugleichen, den Markt zu beruhigen und keine Panik aufkommen zu lassen. Es gehe vor allem darum, den Abfluss von Geldanlagen bei den Banken zu verhindern.

Die russische Zentralbank müsse, so forderte der Minister, auf dem Währungsmarkt präsent bleiben. Ansonsten werde es ein völliges Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage geben. „Man sollte keinesfalls zu so exotischen Methoden wie dem obligatorischen Verkauf von Deviseneinnahmen greifen", riet Uljukaew.

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