Versorgt künftig Gazprom das Donezbecken?

Kiew will die Gasversorgung des Donezbeckens an Gazprom abschieben. Foto: PhotoXPress

Kiew will die Gasversorgung des Donezbeckens an Gazprom abschieben. Foto: PhotoXPress

Wird Russland die Gasversorgung der selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk übernehmen? Das jedenfalls wäre der Wille des Finanzministers der Ukraine. Eine Pipeline gibt es bereits, doch zunächst müssten juristische Fragen und die Finanzierung geklärt werden.

Die Ukraine hat Russland vorgeschlagen, die Gasversorgung der selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk zu übernehmen. Am Dienstag äußerte der ukrainische Finanzminister Alexandr Schlapak seinen Unmut darüber, dass die Führung der Volksrepubliken bisher nicht für Gaslieferungen durch das ukrainische Energieunternehmen Naftogas bezahlt hätten. Die Schulden dieser Gebiete an den Konzern belaufen sich bereits auf etwa 245 Millionen Euro.

Bisher sei es bei den Gasverhandlungen zumindest offiziell kein Thema gewesen, dass Russland die selbsternannten Volksrepubliken im Donezbecken mit Gas beliefern sollte, erklärt Jurij Koroltschuk vom ukrainischen Institut für Energiestrategien. „Nach meinen Informationen waren Fragen, die die Krim oder die Ereignisse im Donezbecken, betreffen, bisher nie Gegenstand der trilateralen Gespräche", so Koroltschuk. Insbesondere die EU hätte diese Fragen außen vor lassen wollen.

Die Führung der selbsternannten Volksrepublik Donezk hatte bereits angeregt, dass Russland anstelle der Ukraine die Gaslieferungen übernehmen solle. Die Aufständischen haben sogar damit begonnen, die zu Sowjetzeiten genutzte, seit 2009 aber außer Betrieb gesetzte Pipeline Taganrog-Mariupol wieder aufzubauen. Durch sie könnte Gas von Russland ins Donezbecken geliefert werden. Anfang September hatte die Führung der sogenannten Volksrepublik Donezk erklärt, entsprechende Gespräche mit Russland zu führen, was von der russischen Regierung jedoch nicht bestätigt wurde.

 

Leitungsnetz für den Gasexport aus Russland nach Europa

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Neues Energieunternehmen, neue Verträge

Nach einer Instandsetzung der Taganrog-Mariupol-Pipeline wäre es technisch ohne Weiteres möglich, die selbsternannten Volksrepubliken im Osten der Ukraine mit russischem Gas zu beliefern. Doch da die Volksrepubliken Staatsgebiet der Ukraine sind, wäre eine Belieferung mit russischem Gas ohne Zustimmung der Ukraine juristisch problematisch. Die Gaslieferungen zwischen Russland und der Ukraine werden durch einen Vertrag zwischen Naftogas und Gazprom aus dem Jahr 2009 geregelt.

Die Taganrog-Mariupol-Pipeline wurde in den 1950er-Jahren gebaut. Die russische Stadt Taganrog und das ukrainische Mariupol liegen etwa 119 Kilometer auseinander.

Die Pipeline verband mehrere Stränge, die unter anderem auch durch das Gebiet der heutigen selbsternannten Volksrepublik Donezk verliefen.

Zudem sei auch die Pipeline Taganrog-Mariupol Eigentum der Ukraine und „aller Wahrscheinlichkeit nach Eigentum von Naftogaz", gibt Sergej Pikin, Direktor der russischen Stiftung für Energieentwicklung, zu bedenken. Damit Russland losgelöst von den bestehenden Verträgen Gas ins Donezbecken liefern könnte, müsste die Ukraine erst die Unabhängigkeit der selbsternannten Volksrepubliken anerkennen und eigene Hoheitsrechte zubilligen. In diesem Falle könnte auch die Pipeline ins Eigentum eines in den selbsternannten Volksrepubliken neu zu schaffenden Energieunternehmens übergehen. Erst dann wäre es möglich, dass dieses Vertragspartner von Gazprom würde, erläutert Pikin.

Gaslieferungen ins Donezbecken könnten teuer werden. Nach Schätzung von Jurij Koroltschuk liegt der Bedarf von Bevölkerung und Industrie bei

etwa sechs Milliarden Kubikmetern. Dabei sei bereits berücksichtigt, dass viele Industriebetriebe stillgelegt worden sind. In den Gasspeichern der Region lagerten noch rund eine Milliarde Kubikmeter. Fünf Milliarden müssten also hinzugekauft werden. Ausgehend von einem Preis von 385 US-Dollar pro Kubikmeter müsste das Donezbecken für diese Menge 1,9 Milliarden US-Dollar (etwa 1,5 Milliarden Euro) aufbringen. Die Ukraine plant für den eigenen Bedarf in diesem Jahr Gaskäufe in Höhe von lediglich vier Milliarden Kubikmetern.

Die Regionen im Donezbecken stehen nach Angaben der ukrainischen Regierung bei Naftogas mit 1,2 Milliarden Euro in der Kreide. 245 Millionen Euro davon entfallen auf die Regionen Donezk und Lugansk.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Wsgljad.

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