Neue Geldpolitik: Russische Zentralbank gibt den Rubel frei

Der Rubelkurs soll sich zukünftig frei am Markt bilden. Foto: Reuters

Der Rubelkurs soll sich zukünftig frei am Markt bilden. Foto: Reuters

Die russische Zentralbank hat den Rubel freigegeben und verzichtet in der Zukunft vorerst auf Interventionen. Die neue Strategie ist nicht ohne Risiko, die Inflationsrate könnte deutlich ansteigen, was die inländische Kaufkraft einschränken würde. Langfristig erwarten Experten jedoch positive Effekte und mehr Stabilität für das russische Finanzsystem.

Die russische Zentralbank hat den Kurs des Rubels freigegeben. Die neue Strategie sieht vor, dass bei Kursschwankungen nicht mehr mit Stützmaßnahmen, wie dem Verkauf von Devisen, insbesondere Dollarreserven, reagiert wird. Die Obergrenze für Verkäufe durch die Zentralbank liegt bei 350 Millionen US-Dollar pro Tag, ein Betrag, der sich nach Meinung von Analysten nicht auf die Währungskurse auswirken wird. Bisher intervenierte die Zentralbank um den Rubelkurs stabil zu halten.

Im Oktober hat die russische Zentralbank etwa 29,3 Milliarden US-Dollar aufgewendet, um den Rubel zu stützen. Seit Ende Oktober wurden in einem Zeitraum von neun Tagen jeweils mehr als zwei Milliarden US-Dollar wieder verkauft. Nach Angaben des Pressedienstes der russischen Zentralbank sollen durch diese Maßnahme Spekulationsgeschäfte mit dem Rubel verhindert werden. Nach Bekanntgabe der Pläne fiel der Rubel am 8. November gegenüber dem US-Dollar um fast zehn Prozent. Danach stieg er jedoch wieder, so dass die Verluste fast wieder ausgeglichen werden konnten.

 

Strategiewechsel hat langfristig positive Effekte

„Die Entscheidung der Zentralbank gehört zu den Maßnahmen der Inflationskontrolle, ein Bestandteil davon ist ein freier Kurs der Währung", erklärt Dmitri Bedenkow, Leiter der Analyseabteilung der Investment-Gesellschaft IK Russ-Invest. Gleichzeitig hat die Zentralbank weiterhin die Möglichkeit, die Verkaufsgrenze von 350 Millionen US-Dollar zu überschreiten, wenn die Währungsstabilität gefährdet sein sollte. Das Limit sei eingeführt worden, um den Druck auf die Goldreserven zu senken, sagt Bedenkow.

Den Fall des Rubelkurses, der daraufhin erfolgte, erklärt die Zentralbank unter anderem mit der Senkung des Ölpreises und dem eingeschränkte Zugang Russlands und russischer Unternehmen zum internationalen Kapitalmarkt. Bei der Zentralbank rechnet man damit, dass es in nächster Zeit durch diesen Strategiewechsel noch häufiger zu Kursschwankungen kommen wird. Ein Grund dafür sei auch, dass sich der US-Dollar vor dem Hintergrund des Wirtschaftswachstums in den USA auf Rekordniveau befinde. Das Britische Pfund ist hingegen auf ein Jahresminimum gefallen, während der Euro zurzeit auf dem niedrigsten Stand seit zwei Jahren ist. Der japanische Yen erreichte sogar den niedrigsten Wert seit sieben Jahren.

Eine unmittelbare Auswirkung der neuen Strategie der neuen russischen Geldpolitik war der Absturz des Rubels auf einen neuen Tiefstand, bemerkt

Anton Soroko, Analyst der Investment-Holding Finam. „Die vorangegangenen Interventionen der russischen Zentralbank haben stark zur Zurückhaltung der Verkäufer beigetragen", sagt er. Wenn der russische Rubel nun zu einer frei konvertierbaren Währung wird, bedeutet das, dass beim Rubelverkauf künftig nicht mehr der Weg über eine Reservewährung gegangen werden muss. „Wer zum Beispiel derzeit Rubel in Schweizer Franken oder Mexikanische Pesos tauschen möchte, der muss den Umweg über den US-Dollar gehen. Das ist eine zusätzliche Transaktion, die die Kosten für die Währungshändler und den Einfluss der Reservewährung steigen lässt", erklärt Soroko.

Soroko geht davon aus, dass sich die Freigabe des Rubelkurses langfristig positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung Russlands auswirken wird, zunächst rechnet er jedoch mit negativen Effekten: „Die freie Konvertierbarkeit bedeutet nur, dass die Zentralbank keinen Einfluss mehr auf die Kursentwicklung der russischen Währung nimmt, was letztendlich zur Erhöhung ihrer Volatilität führt." Seiner Meinung nach wird es auf lange Sicht schwieriger werden, die Risiken auf dem Währungsmarkt einzuschätzen, was sich negativ auf die Unternehmen auswirken wird, die aktiv mit ausländischen Partnern zusammen arbeiten. Für den einfachen Bürger bedeutet der Kurswechsel, dass bei einem weiteren Kursverfall des Rubels die Kaufkraft sinkt. Sollte der Rubelkurs jedoch über einen längeren Zeitraum fallen, hat die russische Zentralbank bereits angekündigt, wieder US-Dollar zu verkaufen.

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