Russlands Goldfieber sorgt für sinkende Preise

Foto: Photoshot/Vostock Photo

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Russland will die Produktion hochfahren und fördert bereits jetzt mehr Gold als die USA. Zukäufe könnten für weiteres Wachstum sorgen.

Seit 2001 galt Gold aufgrund der ständigen Wertsteigerung als eine der besten Geldanlagen: Der Preis dieses Metalls stieg mehr oder weniger kontinuierlich bis zum Jahre 2013. Doch nun scheint die drastische Produktionssteigerung den Trend umgekehrt zu haben. Ende 2013 hatte Russland erstmals seit 25 Jahren die USA bei der Förderung des Edelmetalls überholt und belegte weltweit den dritten Platz. In den vergangenen Jahren hat die Goldförderung in Russland immer schneller zugenommen. Allein im ersten Halbjahr 2014 stieg die Produktion um 27 Prozent auf 116 Tonnen.

 

Mehr Gold, sinkende Preise

„Im Land gibt es eine Reihe Projekte, die die Goldförderer im Zeitraum von 2014 bis 2015 umsetzen werden. So wird die Goldproduktion in Russland in den nächsten vier bis fünf Jahren noch weiter steigen", sagt Nikolaj Selenskij, Generaldirektor von Nordgold.

Kürzlich erklärte der Gouverneur von Magadan, der goldreichsten Region Russlands im Fernen Osten, dass die Produktion von derzeit 24 auf 80 Tonnen steigen könnte. Im sibirischen Kemerowo will das südkoreanische Unternehmen Koeura 157 Millionen Euro in die Erschließung von drei Goldlagerstätten investieren.

 

Russische Goldproduktion nach Regionen

Klicken Sie das Bild an, um es zu vergrößern. Bild: Natalja Michajlenko

Die Vergrößerung der Fördermengen führte zu einem drastischen Sturz des Goldpreises. 2013 fiel dieser um 24 Prozent. Sollte der Preis unterhalb von 800 Euro pro Feinunze sinken, müssten Kapazitäten außer Betrieb genommen werden, erklärte Witalij Nesis, Chef des Unternehmens Polymetall im Juli 2014 in einem Interview mit der russischen Wirtschaftszeitung Kommersant. Neue Anlagen seien erst bei einem Goldpreis von mindestens 1.200 bis 1.300 Euro pro Feinunze rentabel. Am 13. Oktober 2014 kostete eine Feinunzer auf dem Edelmetallmarkt in London 969 Euro. Nach Angaben des Verbandes der Goldindustrie Russlands befinden sich die Produzenten erst ab einem Mindestpreis von ungefähr 950 Euro pro Feinunze des Edelmetalls in der Gewinnzone.

 

Dynamik der Metallpreise

Klicken Sie die ganze Grafik näher anzusehen. Grafik: Gaia Russo


Übernahmen erwartet

„Wir erwarten einen gemäßigten Rückgang des durchschnittlichen Goldpreises von drei bis fünf Prozent per anno für die nächsten zwei Jahre", sagt der Chef der Analyseabteilung von IK RussInvest, Dmitrij Bedenkow. Nach seinen Angaben lag der durchschnittliche Goldpreis zu Beginn dieses

Jahres 6,5 Prozent unter dem Stand vom Vorjahr.

Als mögliche Lösung für das Problem der Gold fördernden Unternehmen nennen Fachleute Fusionen und Übernahmen sowie die anschließende Liquidierung unrentabler Betriebe. „Es gibt derzeit einige Unternehmen mit guten Projekten, die sie allerdings aufgrund des Preissturzes und des damit verbundenen gesunkenen Marktwertes nicht realisieren können und deshalb solchen Deals gegenüber aufgeschlossen sein dürften", meint Nikolaj Selenskij von Nordgold.

„Auch die größten russischen Goldförderer, Poljus Gold und Polymetal, planen eine Erhöhung des Produktionsausstoßes, sind dabei aber an einem steigenden Goldpreis interessiert. Deshalb dürfte der Ausbau der Förderkapazitäten durch Neuerwerbungen erfolgen", erklärt der Direktor der analytischen Abteilung von United Traders, Michail Krylow.

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