Luxuslabels expandieren in Russland trotz Wirtschaftskrise

Luxuslabels werden in Russland noch stark nachgefragt. Foto: PhotoXPress

Luxuslabels werden in Russland noch stark nachgefragt. Foto: PhotoXPress

Internationale Luxuslabels scheint die Wirtschaftskrise in Russland nicht abzuschrecken, sie eröffnen eigene Ladengeschäfte, auch abseits der Metropolen. Ein erfolgversprechendes Konzept, finden Experten, denn gerade wegen der Krise investieren wohlhabende Russen in langlebige Luxusgüter.

Internationale Luxuslabels erobern den russischen Markt. Nachdem bereits Chanel, Louis Vuitton, Prada, Gucci oder Burberry eigene Ladengeschäfte in Russland eröffnet haben, folgt nun die italienische Nobelmarke Fendi. Das Unternehmen hat dafür eigens die Tochtergesellschaft Fendi Ru gegründet. Fendi gab es bereits vorher schon in Russland zu kaufen, über Handelsvertreter in Moskau und Sankt Petersburg. „Der Verkauf über Handelsvertreter war der übliche Weg in den neunziger Jahren für ausländische Marken, auf dem russischen Markt Fuß zu fassen. Doch immer mehr Unternehmen eröffnen inzwischen lieber eigene Ladengeschäfte", weiß Xenia Grewzowa, Leiterin des Geschäftsbereichs Retail von Magazin Magazinov, einer russischen Immobilienberatungsgesellschaft. Zunächst hätten die Handelsvertreter noch das Angebot ausgebaut, doch nun sei die Zeit für den selbstständigen Markteintritt gekommen.

Die Handelsmarken zeigten sich dabei sehr aktiv, wie Darja Jadernaja, Geschäftsführerin der Esper Group, sagt. „In den vergangenen Jahren eröffneten Geschäfte von Prada, Gucci und Cartier und nun kommt Fendi", berichtet sie. Trotz der Wirtschaftskrise in Russland würden die Unternehmen großes Marktpotenzial sehen, das sie für sich nutzen wollten. Dabei seien sie nicht mehr bereit, den Gewinn mit Handelsvertretern zu teilen, erklärt Jadernaja. „Zudem ist der russische Markt für sie transparenter geworden, sowohl in technischer als auch in organisatorischer Hinsicht", führt sie weiter aus.

Das lässt die Luxusmarken auch über die russischen Großstädte Moskau und Sankt Petersburg hinaus expandieren. Der Luxus soll in die russischen Regionen gebracht werden. Für Handelsvertreter sei jedoch gegenwärtig das Risiko zu groß, dort zu investieren, erklärt Jadernaja, wohingegen die Luxuskonzerne andere Finanzierungsmöglichkeiten hätten und daher eher bereit seien, Risiken einzugehen. Zu den Risiken gehört auch der Absatz von Restposten, dafür gibt es in Russland noch kein geordnetes System. In der Regel verkaufen Luxuslabels Restposten in Outlet-Centern, was dann noch übrig bleibt, wird verbrannt. In Russland ist der Markt übrigens klar geteilt: Es werden sehr hochpreisige oder sehr günstige Waren angeboten, ein mittleres Preissegment gibt es praktisch nicht.

 

Wachstum trotz Wirtschaftskrise

Neben Bekleidung setzen die Luxusmarken in Russland auf langlebigere Waren wie Schuhe, Accessoires, Uhren und Schmuck. Die Nachfrage ist auch in Krisenzeiten ungebrochen. Das internationale Consultingunternehmen Bain & Co hat zweistellige Wachstumsraten

in diesen Segmenten ermittelt. Die Nachfrage nach hochwertigen Accessoires ist demnach um 16 Prozent gestiegen, die nach Uhren um 14 Prozent und die nach Schmuck um 13 Prozent. Im Bereich Schmuck erweitern die meisten Anbieter ihr Angebot daher.

Darja Jadernaja hat eine Erklärung für die gestiegene Nachfrage nach diesen Produkten: „Bei Kleidung fällt der Qualitätsunterschied nicht so ins Auge, bei Accessoires, Schmuck und guten Schuhen ist das jedoch anders", findet sie. Daher würden viele Käufer diese Anschaffungen auch als Investition betrachten, vor allem in Krisenzeiten.

Und trotz der Wirtschaftskrise in Russland erwarten Experten Gewinnsteigerungen in der Luxusgüterbranche. Zwar sei ein Rückgang beim Absatz von Luxuswaren in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen, doch das seien keine Verluste, betont Darja Jadernaja. „Die Vertriebswege werden zu langsam ausgebaut", erläutert sie.

Da sich die Mittelschicht wegen der Wirtschaftskrise beim Kauf von Luxusgütern zurückzieht und der potenzielle Abnehmerkreis somit kleiner wird, wird das Image der Produkte nur noch elitärer. Nach Ansicht von Experten wird sich der Verlust dieser Verbrauchergruppe nicht auf die Absatzraten auswirken. Im Gegenteil, die Geschäfte vor Ort könnten sogar profitieren, da andere Käufergruppen wegen der Krise nicht mehr zum Shopping ins Ausland reisen oder online einkaufen, sondern die Angebote vor Ort nutzen. Die Nachfrage ist also gesichert – Rabattaktionen als Kaufanreiz wird es daher wohl kaum geben.

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