In der Ukraine wird die Kohle knapp

Die Ukraine setzt zur Stromerzeugung schon seit einigen Jahren auf Kohle, statt auf Gas. Russland exportiert ein bis drei Prozent pro Jahr mehr Kohle in die Ukraine. Foto: TASS

Die Ukraine setzt zur Stromerzeugung schon seit einigen Jahren auf Kohle, statt auf Gas. Russland exportiert ein bis drei Prozent pro Jahr mehr Kohle in die Ukraine. Foto: TASS

In der Ukraine werden die Kohlenvorräte für den Winter knapp, denn der Großteil der Bergwerke liegt im umkämpften Donbass. Damit die bald nicht im Dunkeln sitzen, könnte das Land Kohle aus Russland importieren. Aber will sie das und kann sie sich das auch leisten?

Der ukrainische Energieminister Jurij Prodan erklärte am 12. November, dass die Steinkohlevorräte des Landes nicht ausreichend seien, um die Stromversorgung in der Ukraine zuverlässig sicherzustellen. Seitdem ist die Ukraine auf der Suche nach Lieferanten,  darunter auch Russland, das neben Gas dann auch Steinkohle liefern würde.

Zur Stromversorgung benötigt die Ukraine nach Schätzungen von Jurij Plakitkin, stellvertretender Direktor des Instituts für Energieforschung an der Russischen Akademie der Wissenschaften, etwa 1,5 Millionen Tonnen Steinkohle im Monat. Bis zum März könnten zehn Millionen Tonnen zusammenkommen. Die Ukraine setzt zur Stromerzeugung schon seit einigen Jahren auf Kohle, statt auf Gas. Diese Umverteilung hat dazu geführt, dass die Gaslieferungen in die Ukraine, die vor allem aus Russland stammen, in den letzten fünf bis sieben Jahren um rund vier Prozent gesunken sind. Russland exportiert jedoch ein bis drei Prozent pro Jahr mehr Kohle in die Ukraine.

Steinkohle in der Ukraine

 

Wegen des militärischen Konflikts in der östlichen Ukraine ist die Kohleförderung in der Ukraine massiv zurückgegangen. Von den etwa 150 Bergwerken befinden sich 99 im Donbass. Nur in 28 Gruben wird Kohle gefördert. Fast die gesamte Fördermenge verbleibt in den selbst ernannten Volksrepubliken. 2013 wurden im Gebiet Donezk 37,5 Millionen Tonnen Steinkohle gefördert, im Gebiet Lugansk 26 Millionen Tonnen.

Zurzeit führen ukrainische Unternehmen Verhandlungen mit den beiden selbst ernannten Volksrepubliken, bestätigte ein Informant aus dem ukrainischen Energieministerium in einem Interview mit der russischen Zeitung „Kommersant“. „Die Bergwerke in den selbst ernannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk sind juristisch betrachtet ukrainisches Eigentum. Es wird keine Probleme mit Verträgen geben. Wichtig ist die Zustimmung der dortigen Führung“, betonte der Informant.

Die Ukraine ist auf der Suche nach alternativen Lieferanten. Der Import polnischer Kohle scheiterte daran, dass Polen offenkundig den eigenen Bedarf nicht decken kann. Im September vereinbarte die Ukraine mit dem südafrikanischen Unternehmen Steel Mont Trading Ltd die Lieferung von einer Million Tonne Kohle zum Preis von 86 US-Dollar pro Tonne. Im November kündigten die Südafrikaner den Vertrag, da angeblich ein Teil der Lieferung nicht bezahlt wurde. Über die Höhe der offenen Rechnungen ist nichts bekannt. Die südafrikanische Kohle war teuer. Russische Kohle könnte die Ukraine für 80 US-Dollar pro Tonne kaufen, Kohle aus dem Donbass wäre schon für 53 US-Dollar pro Tonne verfügbar.

Nach Angaben von Prodan kommt zurzeit nur Russland als Lieferant in Frage. „Wir haben keine andere Wahl, wir müssen in Russland Kohle nachfragen“, sagte er.

Plakitkin berichtet, dass bereits Kohle aus Russland in die Ukraine geliefert wird, die aus den Gruben bei Rostow und aus dem Kubass stammt, einem der weltweit größten Steinkohlereviere im Süden Westsibiriens.

Alexander Sergeew, Vorsitzender der unabhängigen Gewerkschaft der Bergleute Russlands, hat ausgerechnet, dass die Ukraine bis zum Jahresende Kohle im Wert von 500 Millionen US-Dollar in Russland kaufen müsste. Michail Wolynec, Vorsitzender der unabhängigen Gewerkschaft der Bergleute der Ukraine, geht sogar von notwendigen Kohleinkäufen im Wert von mindestens einer Million US-Dollar aus, um den Winter zu überstehen. 

Da die Ukraine in der Vergangenheit mehrfach Schwierigkeiten hatte ihre Rechnungen für russische Gaslieferungen zu bezahlen, rechnen Experten damit, dass es bei der Kohle ähnlich sein wird. Sie empfehlen daher eine Lieferung gegen Vorkasse. Die Ukraine könnte russische Kohlelieferungen aber auch über einen Kredit der Europäischen Union finanzieren. Diese hat zudem Finanzhilfen für die Ukraine in Höhe von 1,61 Milliarden Euro beschlossen. Über ein weiteres Hilfspaket in Höhe von zwei Milliarden Euro wird demnächst abgestimmt.  „Die EU und die Ukraine können sich auch noch über weitere Hilfen verständigen. In den Verhandlungen sind keine nennenswerten Hindernisse zu erwarten“, erklärt Dmitrij Baranow von der Investment-Gesellschaft Finam Management.  

 

Alternative Lieferanten

 

Nach Angaben von Experten wurden auch Kohleimporte aus Neuseeland und Australien diskutiert. Der Preis pro Tonne lag bei 70 US-Dollar. Doch hinzugekommen wären hohe Transportkosten von 30 bis 50 US-Dollar pro Tonne, daher wurde diese Idee wieder verworfen.

Aus den USA hätte die Ukraine Steinkohle zum Preis von 130 US-Dollar pro Tonne kaufen können – viel zu viel für das Land. Ein weiterer potentieller Kohlelieferant, Vietnam, hat zurzeit keine ausreichenden Kapazitäten.

 

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