Schluss mit lustig: Luxuriöse Neujahrsfeiern sind Geschichte

Betriebsfeier bei Kaspersky Lab im Jahr 2013. Foto: Pressebild

Betriebsfeier bei Kaspersky Lab im Jahr 2013. Foto: Pressebild

Die Betriebsfeier am Jahresende ist eigentlich ein fester Bestandteil der russischen Unternehmenskultur. Klotzen statt kleckern hieß es da oft. In diesem Jahr ist alles anders. Wegen der Wirtschaftskrise fallen die traditionellen Feierlichkeiten bescheidener aus oder finden erst gar nicht statt.

Die jährliche Betriebsfeier zu Neujahr war bisher ein fester Termin in russischen Unternehmen. Doch die Wirtschaftskrise führt dazu, dass in diesem Jahr das Budget dafür deutlich kleiner ausfällt. „Der Anteil der Kunden, die in diesem Jahr gar keine Betriebsfeiern veranstalten wollen, ist mit zwei Prozent zwar gering, doch es zeigt eine ganz neue, bisher unbekannte Entwicklung", sagt Daria Maschina, Mitbegründerin der Eventagentur De'MonAngel. Alisa Sumekowa, Geschäftsführerin der Kommunikations- und Eventagentur Aliceshow weiß, dass selbst einige der großen staatlichen russischen Banken in diesem Jahr auf Feierlichkeiten verzichten oder die Kosten gering halten wollen, etwa die Sberbank oder die VTB.

Auf der Internetseite zakupki.gov.ru, einem Portal für öffentliche Ausschreibungen, wurden von den staatlichen Unternehmen bisher nur wenige Betriebsfeiern ausgeschrieben. Noch im vergangenen Jahr ließ sich die Sberbank die Betriebsfeier rund 13 Millionen Rubel (zum damaligen Kurs etwa 290 000 Euro) kosten. Feiern für die Kinder der Mitarbeiter waren der Sberbank sogar 20 Millionen Rubel (damals etwa 445 000 Euro) wert. Die Kinder dürfen auch in diesem Jahr feiern, allerdings soll das Budget halbiert werden. Informationen, ob es auch eine Feier für die Erwachsenen geben wird, gibt es noch nicht.

Andere Unternehmen wollen auf die Betriebsferien nicht verzichten, planen aber, die Mitarbeiter an den Kosten beteiligen. Das betrifft etwa drei Prozent der Unternehmen. Der Arbeitgeber zahlt 50 bis 70 Prozent, den restlichen Betrag müssen die Mitarbeiter aus eigener Tasche finanzieren, berichten Branchenkenner.

 

Die neue Bescheidenheit

Die Arbeitgeber wissen, wie viel den Mitarbeitern diese Feierlichkeiten bedeuten und wollen sie nicht enttäuschen, dennoch müssen sie in Krisenzeiten die Ausgaben gering halten. Im Schnitt werden die Budgets in diesem Jahr um 20 bis 40 Prozent gekürzt, schätzen die Eventagenturen. „Die Veranstaltungen fallen bescheidener aus. Es wird zum Beispiel ein weniger luxuriöses Restaurant ausgewählt oder die Gaststars sind nicht aus der ersten Riege", so Natalja Suslowa, Geschäftsführerin der Kommunikationsagentur Reputacija. Das anspruchsvolle Festmahl wird durch ein einfaches Buffet ersetzt, die Dekoration fällt weniger üppig aus. Zudem wird versucht, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Das reine Unterhaltungsprogramm weicht teambildenden Maßnahmen. „Beliebt sind etwa gemeinsame Kochkurse oder Quizspiele", weiß Suslowa zu berichten. Sie erinnert sich auch an einen Reitkurs. Ziel ist es, alle Teammitglieder zu integrieren, auch die schwierigen, beschreibt sie den Sinn dieser interaktiven Veranstaltungen.

„Trotz schmaler Budgets sind die Ansprüche russischer Kunden noch hoch", sagt Nikolaj Anochin, Geschäftsführer der Eventagentur RED Republic. Im Trend sei besonders Hightech-Unterhaltung, beginnend bei 3-D-Brillen bis

hin zum Einsatz von Robotern. Kleinere ferngesteuerte Modelle von etwa 30 Zentimetern Größe gibt es im Set. Zwei bis drei Roboter kosten rund 20 000 bis 30 000 Rubel (etwa 290 bis 436 Euro) pro Abend. Es gibt aber auch Roboter, die bis zu zweieinhalb Meter groß sind und eine richtige Show veranstalten können, so Anochin. Diese seien sehr gute Gastgeber, sie könnten tanzen und Small Talk mit den Gästen halten. Allerdings müssen die Kunden dafür laut Anochin mit Ausgaben von bis zu 200 000 Rubel (etwa 2 900 Euro) pro Stück rechnen.

Nur noch wenige Firmen treiben so viel Aufwand und achten nicht auf das Geld, aber es gibt sie noch. Ein ausländisches Unternehmen zum Beispiel ließ für die Betriebsfeier eigens ein gläsernes Zelt anfertigen, das mehrere tausend Kilometer zum Veranstaltungsort transportiert werden musste und orderte Tausende von Blumen.

 

Luxus ist Geschichte

Bis zur Krise im Jahr 2008 und auch bald darauf haben russische Unternehmen ihre Gäste mit Luxus beeindruckt. Exklusiver roter und schwarzer Kaviar in Hülle und Fülle oder beeindruckende Inszenierungen

gehörten fast zum Standard. Es gab Zirkusaufführungen, Luftschiffe wurden eingesetzt oder aufwändige 3-D-Hologramme installiert. Beliebt waren winterlich oder ländlich anmutende Locations.

RBTH hat drei Moskauer Eventagenturen nach ihren eindrucksvollsten Aufträgen gefragt. Eine hat im Kundenauftrag eine Landidylle inszeniert. Dazu wurde Heu angefahren und Lagerfeuer simuliert. Beeindruckend war auch der Auftritt eines echten Elefanten, den ein Unternehmen bestellt hatte. Kostenpunkt: 6 000 Euro für die erste, 5 000 Euro für jede weitere Stunde. Eine geplante Feierlichkeit im Balkan-Stil verhinderte indes der Sicherheitsdienst eines Bürohauses. Er wollte die vom Unternehmen gewünschten Bären und Gänse nicht einlassen.

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