Wirtschaftskrise: Teilen und sparen

Bei Rentmania können Privatpersonen verschiedene Dinge ausleihen. Foto: Pressebild

Bei Rentmania können Privatpersonen verschiedene Dinge ausleihen. Foto: Pressebild

Der Rubel sitzt in der Wirtschaftskrise nicht mehr locker. Viele Russen suchen deshalb nach Möglichkeiten, ihre Ausgaben zu begrenzen. Helfen können dabei Apps und Internetdienste. Im Trend liegen Verleihportale und Anwendungen, die das Sparen unterstützen.

Im vierten Quartal des vergangenen Jahres schränkten sich 56 Prozent der Bevölkerung bei ihren Ausgaben ein. 21 Prozent gaben an, dass sie vor kurzem anfingen zu sparen. Ende 2012 waren es nur 13 Prozent. Das sind Ergebnisse einer Umfrage des Allrussischen Zentrums der Erforschung der öffentlichen Meinung (WZIOM). Die eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten haben dazu geführt, dass es immer mehr Internetdienste gibt, die den Russen nun beim Sparen helfen wollen.

 

Leihen statt kaufen

Arkadij Meschkowskij hat mit Rentmania einen Verleihservice gegründet, denn vor allem sparen die Russen dieser Tage an Dingen, die nur einmal oder selten genutzt werden. Bei Rentmania können Privatpersonen Sportartikel, Haushaltstechnik und Elektronik, Werkzeug, Kleidung und Kinderspielzeug gegen ein Entgelt ausleihen. Im Schnitt stellen Verleiher zwischen zehn und 20 Angebote ein, die laut Meschkowskij zu mindestens fünf Leihverträgen führen. Neowenta, das Unternehmen hinter Rentmania, erhält 20 Prozent Vermittlungsprovision von den Verleihfirmen.

Ums Leihen geht es auch beim 2012 gegründeten Dienst Arendorium von Aleksandr Olechnowitsch und Andrej Schtschebrowitsch. Bei jedem Abschluss eines Leihvertrages erhält Arendorium eine Provision von 15 Prozent. Der Internetdienst verfügt bisher über 150 registrierte Kunden, die mindestens ein Verleihangebot erstellt haben. 80 Prozent sind gewerbliche Anbieter, der Rest sind Privatpersonen. Wenn das Interesse der Russen an Verleihdiensten steigen sollte, will Arendorium sein Angebot um einen Lieferdienst erweitern. Dies müsse laut Schtscherbowitsch aber noch abgewartet werden, da die Wirtschaftskrise gerade erst begonnen habe.

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FriendsBook ist ein Verleihservice für Bücher. 2013 wurde er von Elena Schabusowa und Olga Lobanowa, Absolventinnen der Wirtschaftsfakultät der Lomonossow-Universität, gegründet. Man kann dort unbegrenzt Bücher zur Ausleihe bestellen oder sich auf eine begrenzte Zahl festlegen. Es gibt Vertragslaufzeiten von drei, sechs oder zwölf Monaten. Danach richten sich auch die Preise, die zwischen 13 und 103 Euro liegen. Die Bücher können in einer der Partnerfilialen von FriendsBook abgeholt werden. In Moskau sind das zurzeit etwa 70 Zeitschriftenmärkte. Über 1 000 Titel hat FriendsBook im Angebot, das über 5 000 Bücherfreunde nutzen. 95 Prozent von ihnen kommen aus Moskau, die restlichen fünf Prozent aus Sankt Petersburg. „Wir haben das gleiche Angebot wie Buchläden, doch wir bieten es für ein Drittel des Preises und niemand bekommt ein Platzproblem", sagt Elena Schabusowa.

Die Nutzer müssen ihre Bankdaten hinterlegen. Das ist eine Art Versicherung für FriendsBook, für den Fall, dass ein Nutzer ein Buch nicht zurückgibt. Eine Kaution zusätzlich zur Leihgebühr wird so überflüssig. Schabusowa erklärt, dass sich ein Buch nach der dritten bis vierten Ausleihe rechne. Angaben zum Umsatz will sie aber nicht machen. Nach zwölf bis 14 Ausliehen müsse das Buch in der Regel ersetzt werden.

 

Sparen beim Mobilfunk

Aleksandr Woloschtschuk und Witalij Kulijew haben eine App entwickelt, die Kostenentwicklung beim Telefonieren mit dem Handy analysiert. Woloschtschuk kam auf diese Idee, als er sich eines Tages wunderte,

warum sein Gesprächsguthaben für sein Mobiltelefon schon wieder aufgebraucht war, und sich seine Gespräche und deren Kosten genauer betrachtete. Er kam zu dem Ergebnis, dass sich für ihn ein Tarifwechsel bezahlt machen würde. So wurde eine App namens Dr. Tariff entwickelt, die Telefonanrufe analysiert, Tarife von Mobilfunkanbietern vergleicht und das günstigste Angebot vorschlägt. Via App kann auch gleich das Guthaben aufgeladen werden. Zudem erhält der Nutzer Informationen über genutzte Optionen und gegebenenfalls bessere Angebote, den Stand des Guthabens und über gesammelte Bonuspunkte. Nach Angaben der Entwickler sind so Einsparungen von bis zu 30 Prozent pro Monat möglich. Über 500 000 Menschen nutzen die App bereits, über 200 000 sogar jeden Monat. Seit Oktober vergangenen Jahres ist das Projekt auch rentabel. Zwischen 3 400 und 12 800 Euro nimmt das Unternehmen pro Monat ein.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RBC Daily.

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