Russland hofft weiter auf Investoren aus Europa und den USA

Wirtschaftsexperte Sergej Beljakow: „Russland bleibt bedeutender Investitionsstandort“. Foto: Wiktor Wasenin/Rossijskaja Gaseta

Wirtschaftsexperte Sergej Beljakow: „Russland bleibt bedeutender Investitionsstandort“. Foto: Wiktor Wasenin/Rossijskaja Gaseta

Ende Februar 2015 fand in Krasnojarsk das zwölfte Krasnojarsker Wirtschaftsforum statt. Im Mittelpunkt des Forums standen Lösungen zur gegenwärtigen Wirtschaftskrise und die Suche nach neuen Wirtschaftspartnern, erklärt Veranstalter Sergej Beljakow im Interview mit RBTH.

In Krasnojarsk, der drittgrößten Stadt Sibiriens, diskutierten die Teilnehmer des zwölften Krasnojarsker Wirtschaftsforums vom 26. bis 28. Februar das Thema „Russland und der Asien-Pazifik-Raum: Von der Integrationspolitik zu den Entwicklungsprojekten". Organisator Sergej Beljakow, ehemaliger stellvertretender Minister für Wirtschaftsentwicklung der Russischen Föderation und Vorsitzender des Petersburger Wirtschaftsforums, spricht im Interview mit RBTH über Russlands Pläne für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und die Bedeutung internationaler Wirtschaftsforen.

RBTH: Wen will das Wirtschaftsforum in Krasnojarsk erreichen? Die russische Wirtschaft oder auch ausländische Investoren?

Sergej Beljakow: Investoren anzusprechen ist eines der Hauptziele, aber nicht das einzige. Wir versuchen, die russische Wirtschaft aus dem Blickwinkel ausländischer Wirtschaftsvertreter zu betrachten. Das Gespräch mit ihnen nutzt uns dabei sehr. Für die Föderalregierung und die Regionalbehörden ist dieser Input hilfreich, wenn es darum geht, festzustellen, was die russische Wirtschaft braucht, um für Investoren interessant zu sein. Die Gelder fließen nicht mehr so umfangreich in unsere Wirtschaft, wie wir uns das wünschen würden. Die Weltwirtschaft schwächelt derzeit insgesamt, doch Russland bleibt als Investitionsstandort von Bedeutung.

Es ist kein Geheimnis, dass bei den Wirtschaftsforen von Sankt Petersburg und Sotschi im vergangenen Jahr nur wenige Teilnehmer aus Europa und den USA vertreten waren. Die US-Administration hatte im Vorfeld die Vorstände amerikanischer Unternehmen aufgefordert, die Veranstaltungen zu boykottieren. Wie schwierig ist es unter diesen Umständen, neue Investoren aus dem Ausland zu gewinnen?

Die größten internationalen Unternehmen waren in Sankt Petersburg tatsächlich nicht durch die erste Reihe vertreten. Aber weniger Teilnehmer gab es dadurch auch nicht. Und es gab kein Unternehmen, das auf dem russischen Markt aktiv ist, das gar keinen Vertreter geschickt hat. Außerdem erwies sich die zweite Garde oft als bessere Redner und erprobtere Experten für den russischen Finanzmarkt und die russische Wirtschaft als die Firmenchefs. Zudem bescherte uns der Boykott-Aufruf der USA Publicity. Auch in diesem Jahr haben wir die Hoffnung, dass Vertreter der größten internationalen Unternehmen trotz des Drucks zu uns kommen. Es ist schließlich auch für sie interessant, Diskussionen auf einem so hohen Niveau führen zu können.

Die russischen Wirtschaftsforen sind also durchaus noch interessant für Investoren aus Europa und den USA. Beim Krasnojarsker Wirtschafsforum 2015 stand thematisch jedoch die Zusammenarbeit mit Asien im Vordergrund. Sehen Sie hier einen Widerspruch?

Nein. Das Forum in Krasnojarsk hat drei Tage gedauert und jeder Tag war einem spezifischen Thema gewidmet. Am ersten Tag ging es um Chancen für die Jugend und um Kooperationen mit Asien. Die Zusammenarbeit mit asiatischen Ländern ist eine der Prioritäten in der Entwicklung der russischen Wirtschaft und der Wirtschaft der Region Krasnojarsk. Am dritten Tag ging es um die aktuelle Wirtschaftslage, zum Beispiel um Antikrisenmaßnahmen. Und es gab diverse Workshops, in denen die Wirtschaftslage diskutiert wurde. Es ging beim Forum von Krasnojarsk also nicht ausschließlich um das Thema Asien.

Es gibt Gerüchte, dass das Krasnojarsker Forum im nächsten Jahr in Schanghai stattfinden soll. Stimmt das?

Nein, das Krasnojarsker Forum gehört nach Krasnojarsk und wird auch im nächsten Jahr wieder hier stattfinden. Wenn ein Forum in Schanghai stattfindet, wird es das Schanghaier Forum sein. Wir werden allerdings in asiatischen Ländern in Kooperation mit ausländischen Partnern eine Roadshow präsentieren.

Gehören die größten russischen Wirtschafsforen von Sankt Petersburg, Sotschi und Krasnojarsk zusammen oder bestehen große Unterschiede zwischen den Formaten?

Natürlich gibt es Unterschiede, und zwar grundsätzlich der Thematik nach. Das globalste Wirtschaftsforum in Russland ist das Forum von Sankt

Petersburg. Es wird auch das „russische Davos" genannt, weil es dort um die Weltwirtschaft geht. In den letzten fünf Jahren haben wir aus diesem Forum ein großes internationales Ereignis gemacht. Auf dem Forum gibt es auch eine russische Tagesordnung. Dabei geht es vor allem um Russland und die russische Wirtschaft in der Perspektive ausländischer Investoren. In Sotschi geht es um das Investitionsklima und in Krasnojarsk vor allen um innere Angelegenheiten, darum, die aktuelle Wirtschaftslage zu diskutieren und Handlungsempfehlungen für die Regierung auszuarbeiten, die als Grundlage für die Arbeit des Ministerkabinetts dienen könnten. Schließlich gibt es noch ein viertes Forum, das wir durchführen, das der „Offenen Innovationen", es ist ausschließlich den Innovationen gewidmet.

Haben Sie Pläne, ein weiteres Forum im Fernen Osten Russlands durchzuführen?

Ja, es gibt Pläne für ein Forum in Wladiwostok. In diesem Jahr ist dafür aber noch kein Platz im Terminkalender.

 

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