Nationales russisches Zahlungssystem ist gestartet

Voraussichtlich im Dezember 2015 folgt die Ausgabe von Kreditkarten des russischen nationalen Zahlungssystems.  Foto: Wladimir Trefilow/RIA Novosti

Voraussichtlich im Dezember 2015 folgt die Ausgabe von Kreditkarten des russischen nationalen Zahlungssystems. Foto: Wladimir Trefilow/RIA Novosti

Seit Mittwoch werden innerrussische Kreditkarten-Transaktionen vollständig in Russland abgewickelt. Das gilt auch für die internationalen Systeme Visa und MasterCard. Experten sehen großes Entwicklungspotential für den bargeldlosen Zahlungsverkehr in Russland.

Seit Mittwoch, dem 1. April werden alle Zahlungen der internationalen Kreditkartensysteme Visa und MasterCard vollständig in Russland abgewickelt. Die Systeme haben sich damit dem neu geschaffenen Verfahren für Kreditkarten-Transaktionen angeschlossen. Die russische Regierung hatte eine Verlegung der Zahlungsabwicklung ins Inland gefordert, nachdem Visa und MasterCard die Transaktionen einiger russischer Banken aufgrund der US-Sanktionen blockiert hatten.

Dazu wurde ein neues Zahlungssystem aufgebaut, dem sich Visa und MasterCard angeschlossen haben. Sergej Chestanow, Dozent der Fakultät für Finanz- und Bankwesen an der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Staatsdienst beim Präsidenten Russlands (RANEPA), sieht darin einen wichtigen Schritt zum Aufbau eines eigenen, autonomen Finanzsystems in Russland. Das neue System habe sich bereits bewährt und garantiere Kreditkartenzahlungen in Russland. Das System unterliegt Auflagen der russischen Zentralbank. Visa und MasterCard mussten dort eine Sicherheitsleistung hinterlegen, damit unangekündigte Kartensperrungen und Zahlungsausfälle, wie sie nach Einführung der Sanktionen entstanden, zukünftig ausgeschlossen sind. Die Höhe der Sicherheitsleistung ist abhängig von der Zahl der mit den Karten getätigten Transaktionen. Morgan Stanley schätzt, dass Visa etwa 880 Millionen Euro und MasterCard rund 460 Millionen Euro hinterlegen mussten.

Chestanow hält die Entwicklung für einen klugen Kompromiss: Die internationalen Zahlungssysteme bleiben in Russland und gleichzeitig hat die russische Regierung nun mehr Kontrolle über das Kreditkartengeschäft. „Das Entwicklungspotential des russischen Markts für bargeldlose Transaktionen ist immer noch immens", glaubt Anton Soroko, Analyst der Investmentgesellschaft Finam.

 

Für Karteninhaber ändert sich nichts

„Die Belastbarkeit des neuen Systems wird sich erst bei einer vollständigen Auslastung der Infrastruktur zeigen", meint Ilja Balakirew, Analyst bei UFC IC. Zurzeit sehen Experten einen geringen Vorsprung für MasterCard. Das Unternehmen habe sich bereits am 12. Januar dem russischen System angeschlossen, Visa sei erst am 19. Februar gefolgt. Zudem seien die Protokolle von Visa deutlich komplizierter als die des Konkurrenten.

Als nächster Schritt, voraussichtlich im Dezember 2015, folgt die Ausgabe von Kreditkarten des russischen nationalen Zahlungssystems. Weiterhin sind auch chinesische Zahlungssysteme als Alternative zu den amerikanischen Systemen auf dem russischen Markt vertreten. Unmittelbar nach der Einführung der Sanktionen durch die USA im April 2014 trat die chinesische UnionPay in den russischen Markt ein, seit März 2015 ist auch das Japan Credit Bureau (JCB) präsent. Bis 2017 sollen in Russland etwa zwei Millionen Karten von UnionPay und drei Millionen Karten von JCB ausgegeben werden.

Die großen russischen Banken hatten ihre Kunden im Voraus über mögliche Probleme bei der Zahlung mit Kreditkarten im Zuge der Systemumstellung informiert. Die Sberbank, die mit etwa 102 Millionen die größte Zahl der Kreditkarten in Russland ausgibt, begann am Montag mit der Umstellung.

Rostislaw Janykin, bei der Sberbank zuständig für die Verwaltung der Bankkarten und Verrechnungs- und Kassendienstleistungen, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur „Interfax", dass es bis zu zwei Wochen dauern könne, bis die Umstellung abgeschlossen sei. Bei der traditionell eher konservativen Raiffeisenbank geht man sogar davon aus, dass es noch länger dauern könnte: „Der Erfolg der Durchführung einer Transaktion hängt in dieser Situation von mehreren Teilnehmern ab, auch von dem nationalen Zahlungskartensystem, und deshalb kann die Lösung des Problems einige Zeit in Anspruch nehmen", hieß es dort.

Die kleineren Banken sind optimistischer und haben teilweise sogar schon früher mit der Umstellung begonnen. Die Sankt Petersburger Bank BFA arbeitet bereits seit Freitag der vergangenen Woche mit dem nationalen System. „Für die Kunden wird sich bei der Zahlung mit Kreditkarten nichts ändern", zeigte man sich dort zuversichtlich. Die Tatfondbank in Kasan hatte bereits erfolgreich einen Test des neuen Systems abgeschlossen.

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