Geheimnis Gehalt: Russlands Top-Manager dürfen schweigen

Russische Top-Manager müssen ihre Einkünfte nicht mehr offenlegen. Foto: Wladimir Trefilow/RIA Novosti

Russische Top-Manager müssen ihre Einkünfte nicht mehr offenlegen. Foto: Wladimir Trefilow/RIA Novosti

Top-Manager staatlicher russischer Unternehmen müssen ihre Gehälter nicht mehr offenlegen. Das könnte zukünftig ausländische Investoren abschrecken, meinen russische Experten. Schon jetzt zahle sich Transparenz meist in barer Münze aus.

Die Leiter der großen russischen Unternehmen mit staatlicher Beteiligung sind nicht mehr verpflichtet, ihre Einkünfte offenzulegen. Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedjew gab eine entsprechende Weisung, berichtet die russische Wirtschaftszeitung „Kommersant".

Der Beschluss betrifft Führungsetagen von 23 durch den Staat kontrollierten Gesellschaften, darunter Russlands größte Erdölgesellschaft Rosneft und der nationale Eisenbahnbetreiber RZD. Die Manager dieser Unternehmen werden ihre Einkünfte künftig nur noch gegenüber der Regierung erklären müssen. Auch ihre Familienmitglieder dürfen künftig Stillschweigen über die Höhe ihrer Einkünfte bewahren.

Nach Ansicht von Experten wird das Investoren abschrecken. „Wie die weltweite Praxis zeigt, werden die Aktien von Gesellschaften in Hinsicht auf finanzielle Multiplikatoren auf dem Markt umso höher gewertet, je transparenter die Aufsichtsräte und das Management arbeiten. Das wirkt sich beispielsweise auch auf den Verkaufswert bei einer Privatisierung aus", sagt Timur Nigmatullin, Analyst bei der Investitionsholding Finam. Schon jetzt erzielten die Aktien staatlicher Gesellschaften aus Russland auf dem Markt weniger als die von Konkurrenten. Unzureichende Informationen über die Einkünfte staatlicher Gesellschaften seien Teil eines größeren Problems, findet er.

 

Ausländische Investoren wollen wissen, was mit ihrem Geld passiert

„Transparenz bei der Entscheidungsfindung auf allen Ebenen der Leitung, bei der Verteilung von Ressourcen und der Annahme von Initiativen und Entwicklungsprogrammen ist für Investoren, vor allem aus dem Ausland, von großer Bedeutung", sagt Emil Martirosjan, Dozent am Institut für Business- und Geschäftsadministration an der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Staatsdienst beim Präsidenten Russlands (RANEPA). Seinen Worten nach kennzeichnet die staatlichen Gesellschaften Russlands eine niedrige Formalisierung der Geschäftsprozesse. Viele ausländische Gesellschaften legten offen, wie viel sie zum Beispiel in den Umweltschutz investieren oder wie viel Geld sie für wohltätige Zwecke ausgeben. Sie informierten aber auch über ihr Leitungs- und Vergütungssystem.

Experten wie Timur Nigmatullin vergleichen die Struktur der staatlichen russischen Unternehmen mit der koreanischer Jaebeols, eine Bezeichnung für große Familienunternehmen. Beispiele für Jaebeols sind etwa Samsung oder die inzwischen aufgeteilte Hyundai Group. Diese arbeiten jedoch recht erfolgreich. Russland habe zwar beginnend in den 2000er-Jahren versucht, dieses Modell zu kopieren, unter anderem, indem auch in Russland die Unternehmen von der Regierung großzügige Unterstützung erhielten und ihnen Privilegien und Schutz gewährt wurde. Doch die fehlende Transparenz bei der Offenlegung der Einkünfte von Mitgliedern der Unternehmensleitung mache die staatlichen russischen Unternehmen ineffizient, meinen die Experten.

Im Jahr 2013 verpflichtete Moskau Russlands Top-Manager, ihre Einkünfte gegenüber den Mitgliedern des Ministerkabinetts offenzulegen. Im Dezember 2014 folgte ein Gesetz, nach dem diese Informationen auch in

den Medien veröffentlicht werden müssen. Doch nicht alle Gesellschaften haben sich daran gehalten. Die Mehrheit der Top-Manager kritisierte das Gesetz. Wladimir Jakunin, Direktor der russischen Eisenbahn-Monopolgesellschaft RZD, nannte das Gesetz gar einen „rechtswidrigen Eingriff in das Privatleben" und versprach zu kündigen, sobald er dazu gezwungen werde, sein Gehalt offenzulegen.

Der frühere russische Ministerpräsident und jetzige Vorstandsvorsitzende von Rosneft, Igor Setschin, zog sogar gegen die russische Redaktion des Wirtschaftsmagazins „Forbes" vor Gericht, weil diese ihm für 2012 ein Jahresgehalt von 47 Millionen Euro unterstellte. Im Jahr 2014 sollen die Einkünfte der Rosneft-Vorstände laut Geschäftsbericht insgesamt 46 Millionen Euro betragen haben. Wie viel davon Setschin tatsächlich verdient hat, ist nicht bekannt.

 

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