Russland beantragt Millionen für die Energieversorgung der Krim

Energie für die Krim: Erdgaspipeline könnte Versorgungsprobleme lösen. Foto: Taras Litwinenko/RIA Novosti

Energie für die Krim: Erdgaspipeline könnte Versorgungsprobleme lösen. Foto: Taras Litwinenko/RIA Novosti

Um die Energieversorgung auf die Halbinsel Krim sicherzustellen, hat das zuständige Ministerium einen Millionenbetrag aus dem russischen Staatshaushalt beantragt, um eine Gaspipeline zu bauen. Experten empfehlen unterdessen den Ausbau erneuerbarer Energien auf der Halbinsel.

Mitte April 2015 hat das russische Ministerium für Angelegenheiten der Krim und von Sewastopol Änderungen am Föderalen Zielprogramm zur Entwicklung der Krim bis zum Jahr 2020 vorgeschlagen, berichtete die russische Wirtschaftszeitung „Kommersant". Es wird nun empfohlen, zusätzlich 44,8 Millionen Euro aus dem russischen Staatshaushalt für den Bau einer Gaspipeline bereitzustellen. Diese soll aus der Region Krasnodar im Süden Russlands bis auf die Krim führen. Ursprünglich sollte das Projekt von privaten Investoren realisiert werden, nun muss der Staat einspringen.

„Der Bau einer Gaspipeline könnte dazu beitragen, einen großen Teil der Energieversorgungsprobleme der Halbinsel zu lösen", meint Iwan Kapitonow, Dozent am Institut für Staatsdienst und Verwaltung bei der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Staatsdienst. Die Schwierigkeiten bei der Suche nach privaten Investoren führt er auf die bestehenden Sanktionen des Westens gegen Russland zurück.

Dmitri Baranow, führender Experte bei der Investmentgesellschaft Finam, ist der Meinung, dass eine wirtschaftliche Entwicklung der Halbinsel ohne eine ausreichende Stromversorgung illusorisch sei. Ende April 2014 verabschiedete das russische Energieministerium einen Plan, auf der Krim Wärmekraftwerke auf Erdgasbasis zu bauen. Die Gesamtleistung dieser Kraftwerke soll bei mindestens 700 Megawatt pro Tag liegen. Neue Werke sollen demnach in der Nähe des Wärmekraftwerks Simferopol entstehen und in der Region um Sewastopol, der größten Stadt der Krim. Doch auch für den Betrieb dieser Kraftwerke wird Erdgas benötigt.

Das soll aus der Region Krasnodar kommen. Dort soll auch der Unterwasserabschnitt der geplanten Gaspipeline Turkish Stream beginnen. Über eine Abzweigung in Richtung Krim könnten zwei Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr strömen. Doch das russische Energieunternehmen Gazprom, das federführend beim Projekt Turkish Stream ist, hat bisher abgelehnt, den Abschnitt zu bauen. Möglicherweise fürchtet der russische Gasmonopolist den Zorn des Westens. Bisher ist Gazprom das einzige Großunternehmen der russischen Erdöl- und Erdgasbranche, das von den Sanktionen verschont geblieben ist.

 

Krim-Klima ist ideal für erneuerbare Energien

Aktuell wird die Gasversorgung der Krim vom Unternehmen Tschernomorneftegas aufrechterhalten. Doch die Förderkapazität von 1,9 Milliarden Kubikmetern Erdgas im Jahr reicht nicht aus. „Für die Notstromversorgung der Halbinsel gibt es mobile Stromgeneratoren mit Gasturbinenantrieb, die bereits mehrfach eingesetzt wurden und sich bewährt haben", sagt Baranow.

Eine Alternative zum Gas als Energiequelle könnte der Ausbau erneuerbarer Energien auf der Halbinsel sein, meint Kapitonow. Das milde Klima der Region biete sich an für die Nutzung von Windkraft, Solarenergie und

Erdwärme. Er schlägt vor, die wirtschaftliche Rentabilität des Projekts zum Bau einer Gaspipeline mit der Rentabilität und dem Zeitfaktor für den Ausbau alternativer Energietechnik zu vergleichen. Auch Baranow ist der Meinung, die Krim sei prädestiniert für den Ausbau der Solarenergie.

Die Energieversorgung der Krim soll zudem bald durch eine Energiebrücke über ein Unterwasserstromkabel aus der Region Krasnodar unterstützt werden. Das Kabel verläuft durch die Straße von Kertsch. Den Zuschlag für den Bau hat im März das chinesische Unternehmen Jiangsu Hengtong HV Power System bekommen. Das Investitionsvolumen beträgt 86,48 Millionen Euro. Nach der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts, die für Ende 2015 angestrebt wird, könnten so 350 bis 400 Megawatt pro Tag auf die Krim geliefert werden. Der Vertrag wurde ungeachtet der Sanktionen gegen Russland abgeschlossen.

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