Russische Airlines: Unfreiwillig Billigflieger

Foto: PhotoXPress

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Die Russen fliegen weniger, doch der schwache Rubel macht einheimische Airlines konkurrenzfähiger. Auch Regionalflughäfen hoffen auf neue Kunden.

Russlands Luftfahrtbranche erlebt turbulente Monate. Wegen der Abwertung des Rubels Ende 2014 ist die Nachfrage eingebrochen. 
Angesichts dieser konjunkturellen Entwicklung haben einige europäische und asiatische Airlines Flüge nach Moskau gestrichen. Auch Delta Airlines, eines der größten Luftfahrtunternehmen in den USA, musste die Strecke New York-Moskau aufgeben. Russische Marktteilnehmer kämpfen ebenfalls mit Schwierigkeiten. Im Januar 2015 ist ihr Passagieraufkommen erstmalig seit 2009 gesunken, um 1,3 Prozent.

Laut Lufthansa-Sprecher Martin Riecken ist um den Jahreswechsel die Nachfrage im Vergleich zu 2013 um bis zu 40 Prozent gesunken, was sich in den Westeuropa- und Nordatlantik-Verbindungen besonders widergespiegelt habe. Um sich an die neue Konjunkturlage anzupassen, haben viele russische und internationale Unternehmen ihre Kapazitäten nach der bestehenden Nachfrage ausgerichtet. „Auf einigen Flügen wurden kleinere Maschinen eingesetzt. Auf hochfrequentierten Strecken, wie Frankfurt-Moskau, die die Lufthansa fünfmal täglich bedient, wurde die
 Anzahl der Flüge reduziert", erklärt Riecken.

Das Erstarken des Rubels im April und Mai habe die Situation etwas verbessert. Auch die Nachfrage der Russen nach Auslandsreisen erhole sich angesichts einer stärkeren Landeswährung, sagt Alexander Burtin, geschäftsführender Direktor des Reiseanbieters Tez Tour: „In erster Linie schauen die Reise
lustigen in Richtung Griechenland, Zypern und Italien."

Doch der Rubelverfall sei nicht der einzige Grund für Airlines wie Delta gewesen, Russland zu verlassen. Die Hauptursache sei nach Einschätzung des Direktors der Analystenagentur Aviaport Oleg Panteleew ein massiver Einbruch bei der Nachfrage nach Nordamerika-Verbindungen. „Zudem ist es für Delta schwierig, mit russischen und europäischen Luftfahrtunternehmen, die Zwischenstopps in Paris und Amsterdam anbieten, zu konkurrieren", meint Panteleew.

Russische Airlines wollen dank billigem Rubel die sinkende Nachfrage im Innern mit Transitflügen ausgleichen. „Durch Preisnachlässe wurden die Europa- und 
Asientarife von Aeroflot und Transaero unschlagbar günstig. Im Vergleich zu anderen Carriern kostete ein Ticket 150 bis 200 US-Dollar weniger", erklärt Janis Dzenis, PR-Direktor von Jetradar.


Regionen sind profitabler

Probleme zwingen Airlines, ihren Blick auf die russischen Regionen zu

richten. Finnair, Flydubai und Etihad Airways eröffneten auch 2014 und 2015 neue, vor allem regionale Verbindungen in Russland. „In der bevorstehenden Saison startet der spanische Billigflieger Vueling in Kooperation mit Tez Tour in drei neuen Regionen: Krasnodar, Samara und Kasan. Die Flüge gehen nach Barcelona", sagt Alexander Burtin.

„Das Interesse an den Regionalmärkten wird dadurch begünstigt, dass Moskau zu einem heiß umkämpften Markt geworden ist. Dort ist die Rendite sehr gering. Die Regionalflughäfen sind dagegen bereit, den Airlines gute Konditionen zu bieten", erklärt Panteleew. Außerdem entstehe mit dem Einkommenswachstum in den Regionen auch eine Käuferschicht, die Direktflüge ohne Zwischenstopps in Moskau bevorzugt. „Das Potenzial gibt es also", meint der Experte.

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