Tourismus: Russen reisen weniger in Ausland

Zwar haben im Mai 2015 noch die Türkei und Ägypten die Liste der Reiseziele angeführt, doch aktuell ist hier ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Foto: Marina Lystseva / TASS

Zwar haben im Mai 2015 noch die Türkei und Ägypten die Liste der Reiseziele angeführt, doch aktuell ist hier ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Foto: Marina Lystseva / TASS

Russen machen häufiger Urlaub im Inland. Die Zahl der Auslandsreisen sank im ersten Quartal 2015 nach Angaben von Rosstat um 40 Prozent. Ein wichtiger Grund dafür sei die Rubelschwäche. Doch auch Russlands Tourismusgebiete sind attraktiver geworden; für Reisende aus dem In- und Ausland.

Russen bleiben im Urlaub öfter zu Hause. Die Nachrichtenagentur „Tass“ veröffentlichte die aktuellen Zahlen der russischen Statistikbehörde Rosstat. Die Zahl der Auslandreisen sank demnach im ersten Quartal 2015 um 40 Prozent, das entspricht 1,3 Millionen Reisen. Besonders trifft der Rückgang traditionell beliebte Reiseziele der Russen wie Spanien mit einem Verlust von 41 Prozent, Italien mit 31 Prozent, Griechenland mit 29 Prozent und Ägypten mit 25 Prozent. Montenegro und Kroatien mussten geringere Einbußen hinnehmen: Hier lag der Rückgang bei acht beziehungsweise drei Prozent.

Dies sind Werte, die auch die Europäische Tourismuskommission bestätigen kann. Die Zahl der Ausreisen aus Russland zum Zwecke eines Urlaubs ging nach ihren Angaben im ersten Quartal 2015 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30 Prozent zurück.

Für die Reisebranche hängt diese Entwicklung vor allem mit der Wirtschaftskrise in Russland zusammen. Die Reallöhne sind laut Rosstat-Statistik vom April im Jahresdurchschnitt um 13,2 Prozent gesunken, der Anstieg der Nominallöhne liegt bei nur einem Prozent. Die Russen geben mit 66,8 Prozent des Einkommens weniger Geld für den Konsum aus und sparen mehr: 17,4 Prozent. 

Hinzu kommt die Rubelschwäche. Zwar habe der US-Dollar im Vergleich zum Dezember um 38 Prozent, der Euro um nahezu 43 Prozent gegenüber dem Rubel verloren, sagt Timur Nigmatullin, Analyst bei Finam, doch: „Verglichen mit dem Jahresbeginn 2014 ist die russische Währung dennoch weiterhin wesentlich schwächer.“ Dies verteuere Reisen ins Ausland.

 

Inlandstourismus fördern, damit das Geld im Land bleibt

Die russische Tourismusbehörde Rostourism berichtet, dass die Russen bei Reisen ins Ausland früher pro Jahr insgesamt bis zu 44,5 Milliarden Euro in die Reiseländer brachten. Geld, das nach dem Willen der russischen Regierung im Inland ausgegeben werden sollte: „Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, damit ein Großteil dieser Finanzmittel in der Russischen Föderation bleibt und für die Wirtschaft unseres Landes arbeitet“, erklärte Oleg Safronov, Vorsitzender von Rostourism. 

Die Aussichten dafür sind gut. Zwar hätten im Mai 2015 noch die Türkei und Ägypten die Liste der Reiseziele angeführt, doch aktuell sei hier ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Das Reiseverhalten der Russen 

verändere sich, sagt Galina Dechtjar, Professorin am Lehrstuhl für Unternehmensführung im Industrie- und Dienstleistungsgewerbe am Institut für Branchenmanagement der Russischen Akademie für Wirtschaft und Verwaltung. Mehr als 41 Millionen Menschen bereisten im vergangenen Jahr Russland, so Rostourism. Dies sei ein Anstieg von 30 Prozent gegenüber 2013. Die Zahl der Touristen, die in russische Skigebiete reisten, sei um das Doppelte gestiegen. Dechtjar ist der Meinung, dass die Entwicklung des Fremdenverkehrs in der Oblast Krasnodar, in Sotschi und auf der Krim oberste Priorität haben sollte.

Aber auch Europa wird ein Reiseziel für die Russen bleiben. Davon ist die Professorin überzeugt: „Europa mit seiner riesigen Anzahl an Geschichts- und Kulturdenkmälern wird immer von Interesse bleiben“. Momentan wollten viele Russen wegen der aktuellen politischen Lage, einer unterstellten antirussischen Stimmung in Europa und der ungünstigen Wechselkurse jedoch nicht mehr so gerne dorthin reisen. Der Wechselkurs scheine dabei das geringste Hindernis zu sein. „Die Politik der Europäischen Zentralbank hat dazu geführt, dass der Rubel gegenüber dem Euro, verglichen mit anderen Währungen, weniger nachgelassen hat. Daher rechne ich mit einem Rückgang von Reisen in die Eurozone von lediglich zehn bis 20 Prozent im Jahr 2015“, sagt Nigmatullin.    

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