Raiffeisenbank verlässt russische Regionen

Im April 2014 zog sich die Raiffeisenbank bereits von der Krim zurück, nun schließt sie weitere Filialen in Russland – diesmal jedoch wegen des schwachen Rubels. Foto: TASS

Im April 2014 zog sich die Raiffeisenbank bereits von der Krim zurück, nun schließt sie weitere Filialen in Russland – diesmal jedoch wegen des schwachen Rubels. Foto: TASS

Ausländische Banken leiden unter den Folgen der Wirtschaftskrise in Russland, die schwere Gewinneinbußen verursacht. Zur Kostensenkung werden zahlreiche Filialen geschlossen. Mit einem vollständigen Rückzug vom russischen Markt ist laut Experten jedoch nicht zu rechnen.

Der russische Bankensektor musste in den ersten Monaten des jahres massive Gewinneinbußen hinnehmen. Knapp 146 Millionen Euro Gewinn verblieben, verkündete die Zentralbank der Russischen Föderation. Im Vorjahreszeitraum lag der Gewinn der Branche noch bei rund 9,5 Milliarden Euro. Dieser Einbruch ist vor allem damit zu erklären, dass die Banken ihre Reserven auf Kosten ihrer Gewinne aufstocken mussten. Darunter hatte das Kreditportfolio deutlich zu leiden.

Die Kürzungen betreffen auch die Tochterunternehmen ausländischer Banken, für die der russische Markt über viele Jahre ausgesprochen gewinnbringend war. Die UniCredit Bank der italienischen UniCredit Group verzeichnet bereits seit 2013 einen Gewinnrückgang. Der Überschuss im ersten Quartal 2015 lag noch bei 42,1 Millionen Euro gegenüber 142,6 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Rosbank, die zur Société Générale Group aus Frankreich gehört, schloss das erste Quartal 2015 mit einem

Verlust in Höhe von 84,28 Millionen Euro ab. Die Raiffeisenbank der österreichischen RZB Group verdiente lediglich knapp 63 Millionen Euro. In den beiden vergangenen Jahren lag der Gewinn noch bei 405 Millionen Euro.

Die Banken reagierten mit Personalkürzungen und der Schließung von Filialen. Laut der Zentralbank der Russischen Föderation sank die Zahl der Filialen im Jahr 2014 um 3,7 Prozent, während der Bankensektor alleine in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres um fünf Prozent schrumpfte. „Die Banken specken ihr Filialnetz wegen des Rückgangs der ungesicherten Verbraucherkredite ab. Der Sektor leidet noch stärker als in den Krisenjahren 2008 und 2009“, erklärt die stellvertretende Vorsitzende der Absolut-Bank Tatjana Uschakowa.

 

Weniger Filialen in den Regionen

Die Nordea-Bank, die zur gleichnamigen Bankengruppe aus Skandinavien gehört,  verkündete Anfang Juni, dass sie alle ihre Filialen in den russischen Regionen schließen und lediglich in Moskau und Sankt Petersburg weiterarbeiten werde. Die Home Credit, eine Tochter der tschechischen Home Credit Group, unterhielt vor der Krise 7 157 Filialen; 25 Prozent davon sind mittlerweile geschlossen. Die Raiffeisenbank verkündete ihren Weggang aus 21 russischen Städten, in erster Linie im Fernen Osten. Die Bank teilte mit, dass „sich die Optimierung vor allem auf die Privatkunden sowie auf Klein- und Kleinstunternehmen auswirkt“. Nach Angaben der russischen Wirtschaftszeitung „Kommersant“ plant die OTP-Bank zehn bis 15 Prozent und die Rosbank 20 Prozent ihrer Filialen zu schließen.

Derweil prognostizieren Experten der Ratingagentur Standard&Poor’s weitere Konsolidierungsmaßnahmen der ausländischen Banken in Russland. Die Risiken seien zu hoch und die Einnahmen zu gering, heißt es. „Das hängt in erster Linie mit der zunehmenden Zahl fauler Kredite und den steigenden Kreditvergabekosten zusammen”, erklärt Natalja Jalowskaja, S&P-Abteilungsleiterin für Finanzinstitute.

 

Die Banken werden das Land nicht vollständig verlassen

„Das teilweise Einstellen der Geschäftstätigkeit in Russland führte für die europäischen Banken zu deutlichen Verlusten, die allerdings nicht kritisch sind“, sagt Alexander Abramow vom Zentrum für die Analyse des Finanzsystems der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und öffentlichen Dienst. „Zum Teil hoffen sie darauf, ihre Rentabilitätsverluste durch eine Senkung der Kosten zu kompensieren.“

„Die auf russische Großkunden spezialisierten Banken, die viel Kapital in ihr Engagement im Land investiert haben, werden wahrscheinlich alle Anstrengungen unternehmen, um sich diesen lukrativen Markt zu bewahren“, glaubt Darja Schelannowa, stellvertretende Direktorin der Analyseabteilung des Finanzunternehmens Alpari. So arbeitet zum Beispiel die Citibank weiter wie bisher. „Gegenwärtig sind wir in den Städten Russlands tätig und beabsichtigen nicht, unsere Präsens wesentlich zu verändern oder einzuschränken“, konkretisiert Michail Berner, Leiter der Privatkundensparte der Citibank in Russland. „Bereits im zweiten Halbjahr 2014 war allen Privatkundenbanken klar, wie sich die Situation entwickeln würde. Alle haben einen internen Plan zur Optimierung ausgearbeitet“, erläutert der stellvertretende Vorsitzende der Home Credit Artjom Aleschkin. „Ich denke, dass gegen Ende des zweiten Quartals der Großteil der Banken den Konsolidierungsprozess abgeschlossen haben wird, da eine Kostensenkung zu Beginn einer Krise realisiert werden sollte. Inzwischen bessert sich die Situation wieder.“

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