Weg aus der Krise? Russland möchte mehr Öl fördern

Russland möchte mehr Öl fördern – trotz des niedrigen Ölpreises. Foto: Reuters

Russland möchte mehr Öl fördern – trotz des niedrigen Ölpreises. Foto: Reuters

Trotz niedriger Ölpreise und inmitten der Wirtschaftskrise plant Russland, seine Erdölfördermengen bis 2020 deutlich zu erhöhen. Dies gab Gazprom-Neft-Chef Alexander Djukow während einer Paneldiskussion des Wirtschaftsforums in Sankt Petersburg bekannt. Die Panellisten erwarteten unterdessen in den nächsten Jahren wieder steigende Preise.

Auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg kündigte Gazprom-Neft-Chef Alexander Djukow an, Russland wolle mehr Erdöl fordern. Daran werde auch der noch immer niedrige Rohölpreis von durchschnittlich 50 bis 60 US-Dollar pro Barrel nichts ändern. „Bis 2020 wird Gazprom Neft die Fördermengen um 33 Prozent steigern", verkündete Djukow. Neue Technologien und der schwache Rubel machten es möglich. Das Erdöl stamme aus den Fördergebieten von Jamal und aus Ostsibirien.

 

Der niedrige Ölpreis schadet der Wirtschaft nicht

Der russische Energieminister Alexander Nowak erinnerte daran, dass der russische Staatshaushalt für 2015 auf einem Preis von 50 US-Dollar pro Barrel der Rohölsorte Urals basiere, die preislich traditionell unter der Marke Brent gehandelt wird. Für 2016 hätte man 60, für 2017 einen Preis von 65 US-Dollar pro Barrel zugrunde gelegt. „Der Haushalt ist gegenwärtig ausgeglichen", betonte Nowak, der höhere Preise dennoch begrüßen würde, vor allem „in Anbetracht der Abhängigkeit des Rubelkurses vom Gewinn aus dem Verkauf von Erdöl gegen harte Währung." Für die russischen Marktakteure stelle der niedrige Erdölpreis kein allzu großes Problem dar: „Die Erlöse der Erdölförderer sind weltweit um 40 Prozent gefallen, die Erlöse russischer Akteure sind aber auf demselben Niveau geblieben, wie bisher – aufgrund des niedrigen Rubelkurses", erklärte der Energieminister.

Im Mai 2015 nahm Russland weltweit den ersten Platz bei der Erdölfördermenge ein – erstmals seit 2010. Offiziellen Angaben zufolge haben russische Gesellschaften im Mai 45,288 Millionen Tonnen Erdöl und Erdgaskondensat fördern können, das entspricht einer Steigerung um 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die mittlere Tagesfördermenge lag im Mai bei 10,708 Millionen, im April bei 10,67 Millionen Barrel. Saudi Arabien förderte im Mai durchschnittlich 10,25 Millionen Barrel pro Tag.

 

Sind steigende Ölpreise nur eine Frage der Zeit?

Der Ölpreis ist ein großes Thema in Sankt Petersburg. Zu seiner Entwicklung gibt es unterschiedliche Prognosen. Ben van Beurden, CEO von Shell, geht davon aus, dass sich der Preis in naher Zukunft bei 79 US-Dollar „plus-minus zehn" einpendeln werde. „Selbst wenn die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden und die Förderquoten steigen, wird dies keinen großen Effekt auf den weltweiten Erdölmarkt und den Preis haben, denn auch der Bedarf steigt", sagte er. Energieminister Nowak glaubt, dass der durchschnittliche Erdölpreis im Jahr 2015 niedriger ausfallen werde, als in früheren Jahren. Ausgehend von der Marktlage rechne er mit Preisen um 65 US-Dollar pro Barrel Brent.

Djukow hält einen Preis von 80 US-Dollar für ideal, sowohl für die Verbraucher als auch die Verkäufer. „Niedrige Ölpreise erlauben größere Investitionen in die Produktion", erklärte er. Und je länger sich ein niedriges Preisniveau halte, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwann wieder steil nach oben gehe, ist er überzeugt. Dann seien auch wieder 100 US-Dollar pro Barrel möglich.

Am 5. Juni 2015 beschlossen die Opec-Länder, die täglichen Erdölförderquoten auf dem bisherigen Niveau von 30 Millionen Barrel zu halten. Dies führte zu einem geringen Preisverfall für Erdöl und einem anschließenden Absacken der russischen Währung. Nowak nannte die Opec-Entscheidung vorhersehbar, „denn jede andere Entscheidung der Organisation hätte nur einen kurzfristigen Effekt gehabt. Die Organisation hat die Förderquoten das letzte Mal 2008 gesenkt." Eine Senkung der Fördermenge würde lediglich dazu führen, dass mehr Staaten außerhalb Opecs auf den Markt drängten, glaubt er.

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