Milliarden-Deals: Russland ist bereit für China

China will Milliarden in Russland investieren. Foto: TASS

China will Milliarden in Russland investieren. Foto: TASS

Beim Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg zeigte sich erneut die politische Isolation Russlands. Wichtigster Gast aus der Politik war in diesem Jahr der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras. Unterm Strich war das Forum aber dennoch erfolgreich: Mehr als 200 Vereinbarungen wurden getroffen.

Das Verhältnis Russlands zur Europäischen Union und den USA bleibt angespannt. Das zeigte sich auch beim diesjährigen Internationalen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg. „Die Isolation unseres Landes ist offensichtlich geworden", sagt Maxim Safonow, Dozent des Lehrstuhls für Finanzen, Geldumlauf und Kredite an der Fakultät für Finanzen und Bankwesen der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Staatsdienst beim Präsidenten Russlands. Dennoch könne man von einer erfolgreichen Veranstaltung sprechen: 10 000 Teilnehmer aus 115 Ländern kamen nach Sankt Petersburg. 205 Memoranden, Abkommen und Verträge mit einem Gesamtvolumen von 4,7 Milliarden Euro wurden unterzeichnet. Ungeachtet der Sanktionen bleibt Russland interessant für ausländische Investoren. „Das Forum hat in seiner aktuellen Form eher eine gewisse Abgrenzung Russlands und die Festigung des bestehenden Status quo als neue Realität in der Außenpolitik und der Außenwirtschaft gezeigt", meint Ilja Balakirew, Chefanalyst bei UFS IC.

Timur Nigmatullin, Analyst bei Finam, hebt hervor, dass auch die Chefs großer internationaler Konzerne nach Sankt Petersburg kamen, etwa Jack Ma, Gründer von Alibaba, Ben van Beurden von Shell oder Robert Dudley von BP. Der wichtigste politische Gast war Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras. China war in Sankt Petersburg durch den stellvertretenden Ministerpräsidenten Zhang Gaoli vertreten. Die Entwicklung zeige, dass neue Akzente und Prioritäten gesetzt würden, sagt Balakirew. Viele andere Politiker blieben fern, dies sei früher anders gewesen. Er erinnert daran, dass 2013 Bundeskanzlerin Angela Merkel und 2010 der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy die bedeutendsten politische Gäste gewesen seien. Politiker dieses Kalibers suchte man in diesem Jahr vergebens. Die EU verlängerte dagegen in den vergangenen Tagen die Laufzeit der Sanktionen um weitere sechs Monate.

 

Russland orientiert sich in Richtung Chinas

Warum Griechenland die Nähe zu Russland suche, sei offensichtlich, meint Balakirew: „Aktuell ist es den Griechen wichtig, an Geld zu kommen." Insbesondere unterzeichneten die Parteien ein Abkommen zur Finanzierung der Gaspipeline Turkish-Stream aus Russland nach Südeuropa. Demnach wird Griechenland von der russischen Bank VEB einen Kredit in Höhe von zwei Milliarden Euro zur Finanzierung des Projekts erhalten.

Im vergangenen, sowohl makroökonomisch als auch geopolitisch schwierigen Jahr seien die Ergebnisse des Forums noch besser gewesen, sagt Timur Nigmatullin. Damals wurden Verträge im Wert von 6,5 Milliarden Euro geschlossen, obwohl die Vertreter der größten internationalen Konzerne damals ihre Teilnahme abgesagt hatten. „Das Forum ist darauf ausgerichtet, eine große Zahl an Geschäftsvertretern, politischen Persönlichkeiten und Beamten zusammenzubringen", sagt Balakirew. Diese könnten dort aussichtsreiche Projekte diskutieren, Verträge abschließen oder neue staatlich-private Partnerschaften auf den Weg bringen. „Veranstaltungen wie das Forum können den Niedergang der Geschäftsaktivität und schwache Konjunkturprognosen teilweise ausgleichen", ist Balakirew überzeugt.

Die meisten Abkommen, 29 an der Zahl, wurden in diesem Jahr zwischen russischen und chinesischen Teilnehmern abgeschlossen. Russlands Vize-Ministerpräsident Igor Schuwalow sagte: „Russland ist bereit für chinesische Investitionen und man wartet in China auf uns. Sie wollen Logistikzentren bauen, E-Commerce voranbringen und sind interessiert am Bau von Industriekapazitäten."

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