SPIEF 2015: Gazprom und Rosneft schließen Milliarden-Verträge

Die Pipeline Nord-Stream konnte während des Forums die nächste Stufe ihrer Entwicklung einläuten. Auf dem Bild: Gazprom-Chef Alexej Miller und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Nord Stream AG Gerhard Schröder.  Foto: Donat Sorokin/TASS

Die Pipeline Nord-Stream konnte während des Forums die nächste Stufe ihrer Entwicklung einläuten. Auf dem Bild: Gazprom-Chef Alexej Miller und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Nord Stream AG Gerhard Schröder. Foto: Donat Sorokin/TASS

Insbesondere die russischen Energiekonzerne Gazprom und Rosneft konnten während des internationalen Wirtschaftsforums in Sankt Petersburg große Verträge abschließen. Die Zusammenarbeit mit Europa in Energiefragen wird damit weiter ausgebaut. Die Bilanz des Forums blieb allerdings hinter früheren Ergebnissen zurück.

Die Bilanz des diesjährigen internationalen Wirtschaftsforums in Sankt Petersburg: 205 Verträge im Wert von 4,7 Milliarden Euro (293,4 Milliarden Rubel). Das erklärte Anton Kobjakow, Berater des russischen Präsidenten, zum Abschluss des Forums. Das Ergebnis kam laut Kobjakow vor allem durch „Vereinbarungen, Memoranden, Kooperationsprotokolle und Absichtserklärungen" zustande. Die Summe bezieht sich allerdings lediglich auf Vereinbarungen und Verträge, die keinem Geschäftsgeheimnis unterliegen.

Im Vergleich zu den vergangenen drei Jahren fiel die Bilanz des Wirtschaftsforums in diesem Jahr jedoch niedriger aus. Aufgrund der Sanktionen gegen Russland überrascht das Ergebnis aber nicht: Bei der diesjährigen Ausgabe wurden kaum Finanzierungsgeschäfte abgeschlossen.

 

Nächster Schritt für Nord-Stream

Der größte Abschluss des internationalen Wirtschaftsforums ist die Unterzeichnung einer Absichtserklärung zwischen Russland und Griechenland über den Bau eines Abschnitts der Turkish-Stream-Gaspipeline auf griechischem Gebiet. Das Dokument sieht die Gründung eines Joint Ventures vor, an dem jede Seite 50 Prozent der Anteile halten wird. Russland wird dabei durch die Bank VEB Capital vertreten. Das Finanzinstitut stellt zwei Milliarden Euro zur Verfügung. Für Gazprom ist die Vereinbarung mit Griechenland von großer Bedeutung. Die Turkish-Stream-Pipeline soll die Ukraine als Transitland der Gaslieferungen nach Europa ab Ende 2019 ausschließen.

Auch die Pipeline Nord-Stream konnte während des Forums die nächste Stufe ihrer Entwicklung einläuten. Gazprom-Chef Alexej Miller unterzeichnete Memoranden über den Ausbau der Kapazitäten dieser Pipeline mit den großen Energieversorgern E.on, Shell und OMV. Zwei Pipelinestränge mit einer jährlichen Liefermenge von 55 Milliarden Kubikmeter sollen gebaut werden. Zwar haben die Konzerne noch kein Joint Venture gegründet, dennoch bezifferte Miller den Wert des Deals bereits jetzt mit 9,9 Milliarden Euro. Angesichts des Anteils des Gasmonopolisten von 51 Prozent an dem Projekt muss das russische Unternehmen rund fünf Milliarden Euro investieren.

Die beiden Stränge werden durch die Ostsee bis nach Deutschland verlegt, von wo aus das Gas in das europäische Netz eingespeist werden soll. Auch der Ausbau der Nord-Stream-Pipeline soll dazu dienen, auf jeglichen Gastransit durch die Ukraine verzichten zu können. Das soll geschehen, sobald das aktuell geltende Transitabkommen ausläuft. Dass die russische Seite eine Verlängerung des Vertrags mit der Ukraine nicht vorsieht, hatten Gazprom-Chef Alexej Miller und der russische Energieminister Alexander Nowak in diesem Jahr bereits mehrfach erklärt.

 

Das große Öl-Deal zwischen Rosneft und BP

Das größte russische Ölunternehmen Rosneft unterzeichnete auf dem Forum 57 Vereinbarungen. Foto: Artjom Korotajew/TASS

Das größte russische Ölunternehmen Rosneft unterzeichnete auf dem Forum 57 Vereinbarungen. Die wichtigste ist dabei der Verkauf von 20 Prozent seiner Anteile am Ölfeld Taas Jurjach an den britischen Konzern BP. Der Kaufpreis beträgt 750 Millionen US-Dollar (665 Millionen Euro). Es handelt sich dabei um den ersten großen Deal zwischen einem westlichen Investor und einem russischen Unternehmen seit der Einführung der Sanktionen durch die Europäische Union und die USA. Das Ölfeld verfügt über 134 Millionen Tonnen Öl und Kondensat sowie mehr als 155 Milliarden Kubikmeter Gas. Durch eine Abzweigung sind die Vorkommen mit der Ostsibirien-Pazifik-Pipeline verbunden.

Weitere 29 Prozent am Ölfeld könnte Rosneft – wie in Sankt Petersburg verkündet – an das mysteriöse Unternehmen Skyland Petroleum veräußern. Nach Informationen der Wirtschaftszeitung „Kommersant" handelt es sich dabei um einen arabischen Fonds, der chinesische Investitionen steuert. Der Internetauftritt Skylands hingegen bezeichnet das Projekt als „ein neues Unternehmen im Bereich der Öl- und Gas-Exploration und -Produktion, das im Januar 2015 vom britischen Unternehmen Vazon Energy und weiterem technischen Personal gegründet wurde". Wie Rosneft-Pressesprecher Michail Leontjew gegenüber „RBC" mitteilte, seien die Skyland-Anteilseigner der russischen Seite bekannt, die Firma sei als ein britisches Unternehmen mit asiatischem Kapital registriert.

Zudem unterzeichnete Rosneft mit dem französischen Unternehmen Total eine Vereinbarung über den Erwerb von 16,66 Prozent der Anteile an der Erdölraffinerie in der deutschen Stadt Schwedt. „Der Verkauf des Total-Minderheitenanteils an der Schwedt-Raffinerie entspricht dem Konzernziel, unsere europäischen erdölverarbeitenden und petrochemischen Kapazitäten bis 2017 um 20 Prozent zu reduzieren", erklärte Patrick Pouyanné, Präsident und Vorstandvorsitzender von Total. Im Jahr 2014 betrugen die Rohöllieferungen von Rosneft in die Bundesrepublik Deutschland etwa 20,3 Millionen Tonnen, ein Viertel der gesamten Ölimporte Deutschlands.

Der Artikel basiert auf Quellen von RBC und Kommersant.

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