Ist ein schwacher Yuan gut für Russland?

Die Lage der chinesischen Wirtschaft bestimmt globale Rohstoffpreise.

Die Lage der chinesischen Wirtschaft bestimmt globale Rohstoffpreise.

Reuters
Die Abwertung des Yuan führte zu einem weltweiten Preisverfall für Erdöl und in Folge dessen zum Wertverfall des Rubels. Dennoch könnte eine schwächere chinesische Währung mittelfristig die Nachfrage nach Erdöl fördern – und damit die russische Wirtschaft stützen.

Mit Öffnung der Moskauer Börse am vergangenen Mittwoch erreichte der Rubel einen neuen Jahrestiefstwert gegenüber dem US-Dollar und dem Euro. Dies ist auch eine Folge der Abwertung des chinesischen Yuan. Wie Vertreter des russischen Wirtschaftsministeriums im Gespräch mit RIA Novosti erklärten, stelle der Beschluss der chinesischen Regierung, einen schwankenden Yuan-Wechselkurs zu akzeptieren, eine ernste Gefahr für die russische Wirtschaft dar. „Die Entscheidung der chinesischen Zentralbank verstärkt zweifellos den Druck auf die Währungen aller Schwellenländer", hieß es in einer Mitteilung.

Anhaltender Kursverfall

 „Die Schwäche der chinesischen Währung lässt die Erdölpreise sinken, denn China ist das weltweit größte Verbraucherland fossiler Brennstoffe“, sagt auch Anton Krasko, Chef-Analyst von MFX Capital. Diese Tatsache wirke sich wiederum unmittelbar auf die russische Wirtschaft aus, so der Experte. Nach der Yuan-Abwertung fiel der Preis für die September-Termingeschäfte der Erdölmarke Brent an der Londoner Börse ICE auf 49,27 US-Dollar.

Bis Ende 2014 verlor der Rubel in kürzester Zeit rund die Hälfte seines Wertes gegenüber US-Dollar und Euro. Zu Jahresbeginn stabilisierte sich die russische Währung jedoch wieder und legte bis Mai um 25 Prozent zu. Einen erneuten Rückschlag erlitt der Rubel aber in diesem Monat und sackte um 25 Prozent ab. „Während es sich bei der russischen Währung um eine unkontrollierbare Abwertung handelt, hat die chinesische Regierung alle Möglichkeiten, die Nationalwährung wieder zu stabilisieren“, sagt Krasko. Er merkt jedoch an, dass auch die russische Zentralbank anfangs von einer kontrollierte Abwertung gesprochen habe. Man habe sogar US-Dollar verkauft, um den Rubel zu stützen, sobald dieser die Grenzen des festgelegten Schwankungskorridors erreicht hatte. Alleine im Oktober 2014 verkaufte die russische Zentralbank hierfür 27,2 Milliarden US-Dollar.

Unterstützung der Produzenten

Die Senkung des offiziellen Yuan-Kurses um 1,9 Prozent gegenüber dem Dollar ist die größte Korrektur der vergangenen 20 Jahre. Die chinesische Zentralbank möchte die nationale Währung mithilfe dieser Maßnahme auf einem „angemessenen“ Niveau halten und orientiert sich dabei an den Vorgaben des Marktes. Vor allem soll der Export wieder angekurbelt werden. Im Juli war das chinesische Exportgeschäft aufgrund eines Nachfragerückgangs auf Seiten der drei wichtigsten Handelspartner – EU, USA und Japan – um ganze 8,3 Prozent zurückgegangen.

Laut Dmitrij Bedenkow, Chef-Analyst von IK Russ-Invest, sollte sich die Maßnahme der chinesischen Zentralbank mittelfristig positiv auf die Weltwirtschaft auswirken. „Eine starke chinesische Wirtschaft ist wichtig für den weltweiten Rohstoff- und Materialienmarkt“, betont er. Insbesondere sei das Sinken der weltweiten Erdölpreise eine unmittelbare Folge des verlangsamten Wirtschaftswachstums in China.

Diese Einschätzung teilt auch die russische Regierung: „Mittelfristig wird eine Schwächung des Yuan den chinesischen Export fördern und der Wirtschaft einen positiven Impuls geben“, heißt es in einer Meldung des russischen Wirtschaftsministeriums. Letztlich werde sich dies positiv auf die globalen Rohstoffpreise auswirken und eine unmittelbare Stärkung des Rubels nach sich ziehen.

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