Russland beantragt Rechte an diamantreichen Arktisgebieten

Russland will weiter in die Arktis investieren.

Russland will weiter in die Arktis investieren.

Waleri Melnikow/RIA Novosti
Russland hat bei den Vereinten Nationen beantragt, die äußeren Grenzen seines Festlandsockels in der Arktis auszudehnen. Russische Experten vermuten in dem nun beanspruchten Gebiet große Diamantenvorkommen. Auch soll es größere Gas- und Ölvorkommen geben.

Wie die Nachrichtenagentur Ria Novosti berichtet, hat Russland den Vereinten Nationen in diesem Monat einen Antrag zur Ausdehnung seines Festlandsockels in der Arktis über die bereits bestehende exklusive Wirtschaftszone hinaus vorgelegt. Damit könnte Russland Ansprüche auf den Meeresboden im Nordpolarmeer erheben. Der Antrag beruht auf Forschungsergebnissen, die besagen, dass der Lomonossow-Rücken und andere unterseeische Formationen eine Fortsetzung des russischen Festlandes darstellen. Wie Experten im Gespräch mit RBTH erläuterten, soll diesen Teil des Schelfs auch eine Diamantenader durchziehen.

Die wichtigsten Argumente

„In der Laptewsee befindet sich erwiesenermaßen mindestens eine Diamantenader. Die Erschließung der Ader würde Russland eine gute Wettbewerbsposition gegenüber anderen Ländern verschaffen“, sagt Vera Smortschkowa, Professorin für Arbeit und Sozialpolitik am Institut für Staatsdienst und Verwaltung der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Verwaltung. Die Expertin, die gleichzeitig den Vorsitzenden des Föderationsrats-Ausschusses berät, fügt hinzu, dass die östlichen Gebiete der Arktis bisher kaum auf Kohlenwasserstoffvorkommen hin erforscht worden seien. „Die russische Ölförderung im Schelf beschränkt sich momentan im Wesentlichen auf die Barentssee“, so die Expertin.

„Russland hat sich bereits 2001 um eine Ausdehnung seines Festlandsockels bemüht. Seinerzeit waren jedoch ergänzende Stellungnahmen erforderlich, um nachzuweisen, dass das Gebiet tatsächlich eine Fortsetzung des russischen Festlandes ist“, erläutert Smortschkowa. „Alle erforderlichen Dokumente liegen jetzt in überarbeiteter Form vor, sodass der russische Antrag endlich geprüft werden kann“, erklärt sie.

Auch Dmitri Baranow, leitender Analyst der Investmentgesellschaft Finam, sieht ein enormes Potenzial: „In dem russischen Schelfgebiet lagern riesige Bodenschätze, deren Ausbeutung Russland auf lange Sicht große Einnahmen sichern können“, sagt er. Eine Ausdehnung des russischen Festlandgebietes könne die Sicherheit des Landes stärken und die Streitigkeiten mit anderen Arktisanrainern für immer beilegen. „Auch Investitionen in die Erschließung der Arktis können attraktiver werden“, fügt der Experte hinzu.

Der Lomonossow-Gebirgsrücken liegt in der Nähe der Republik Sacha, in der riesige russische Diamantenvorräte lagern. Hier wurden die beiden berühmtesten Diamanten der Welt gefördert: „60 Jahre UdSSR“ mit einer Masse von 173,3 Karat und „Alexander Puschkin“ mit einer Masse von 320,65 Karat.

Wie gut stehen die Chancen?

Der russische Antrag werde vermutlich erst im Februar oder März 2016 von den Vereinten Nationen geprüft, erklärte der stellvertretende Uno-Sprecher Farhan Haq gegenüber RIA Novosti. Einer offiziellen Erklärung des russischen Außenministeriums zufolge könnte eine Entscheidung aber auch schon im Herbst 2015 fallen. Russland erhebe nämlich nicht einfach nur Ansprüche auf eine Ausweitung seiner Festlandsockelgrenzen, es untermauere seinen Antrag mit wissenschaftlichen Fakten.

„Die Entscheidung über die Verschiebung der Grenzen des Schelfs ist nicht allein geografischer und ökonomischer Natur, sie droht zu einer politischen Frage zu werden“, sagt Alexei Koslow, Chefanalyst der Investmentgesellschaft UFS. Sollte sich der Konflikt zwischen Russland und dem Westen zuspitzen, kann man nicht mehr ausschließen, dass die Prüfung des russischen Antrags unter verschiedenen Vorwänden hinausgezögert werde. Früher oder später wird die Frage aber höchstwahrscheinlich für Russland entschieden werden. Dass Russland seine Rechte an dem Schelf allerdings „kampflos“ dursetzen werde können, ist für Koslow nicht zu erwarten.

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