Wirtschaftskrise: Muss Russland ans Eingemachte gehen?

Russlands Wirtschaft ist stark abhängig vom Rohölpreis.

Russlands Wirtschaft ist stark abhängig vom Rohölpreis.

Shutter Stock/Legion Media
Das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung rechnet nur noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von maximal zwei Prozent für 2016. Dem russischen Staatshaushalt droht zudem durch den erwartet niedrigen Ölpreis ein höheres Defizit als prognostiziert.

Die russische Regierung korrigiert ihre Wachstumsprognose nach unten. Russlands Minister für wirtschaftliche Entwicklung Alexej Uljukajew rechnet für das Jahr 2015 mit einem Rückgang von 3,3 Prozent statt, wie bisher angenommen, lediglich 2,8 Prozent. Das schreibt die russische Wirtschaftszeitung „RBC Daily“. Das BIP-Wachstum im Jahr 2016 soll zudem anstatt der bisher erwarteten 2,3 Prozent nur zwischen ein und zwei Prozent betragen. Grund dafür ist, dass mit weiter fallenden Ölpreisen gerechnet wird. Im kommenden Jahr soll der Preis für Erdöl statt bei durchschnittlich 60 US-Dollar pro Barrel nur noch bei durchschnittlich 55 US-Dollar liegen. Für Russlands Staatshaushalt würde das einen Einnahmerückgang von insgesamt rund 19,2 Milliarden Euro in den nächsten drei Jahren bedeuten.

Drastischer Rückgang der Staatseinnahmen

Die Prognosen des russischen Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung besagen, dass die Einnahmen des Staatshaushalts kontinuierlich fallen werden: Im Jahr 2016 um fast vier Milliarden Euro, 2017 um fast fünfeinhalb und 2018 um rund zehn Milliarden Euro. Russische Wirtschaftsexperten halten diese Zahlen sogar noch für zu niedrig gegriffen.

Das Analysezentrum der Alfa-Bank, die zu den größten Banken Russlands zählt, rechnet damit, dass eine Preissenkung von einem US-Dollar pro Barrel den russischen Staatshaushalt rund 1,54 Milliarden Euro kostet. Fällt der Preis um fünf US-Dollar pro Barrel, bedeutet das demnach Mindereinnahmen von 7,69 Milliarden Euro alleine im Jahr 2016. „In der Realität wird der Absturz der Wirtschaft ohne neue Wachstumsstimulation und Strukturreformen sogar viel intensiver und anhaltender sein. Das umso mehr, wenn auch weiterhin Maßnahmen getroffen werden, die sich negativ auf das Investitionsklima der russischen Wirtschaft auswirken“, sagt Pjotr Daschkewitsch, Analyst bei UFS IC. „Wenn die Zentralbank zum Beispiel den Leitzins erneut anhebt, um den Währungskurs zu stützen.“

Um die Einnahmeausfälle zu kompensieren, hat der Minister Ausgabenkürzungen angekündigt. Zudem könne der Reservefonds angezapft werden müssen. In diesen flossen bislang die Überschüsse aus dem Öl- und Gasgeschäft. Am 1. August 2015 waren noch rund 55,15 Milliarden Euro in diesem Topf. Das Wirtschaftsministerium schloss nicht aus, dass diese Reserven in den kommenden zwei Jahren vollständig aufgebraucht werden könnten.

Worst-Case-Szenario

Das Ministerium hat in seinen Berechnungen sogar ein Preisniveau von 40 US-Dollar pro Barrel Rohöl für den Zeitraum von drei Jahren berücksichtigt. Bei einem solchen Szenario wird die Rezession in Russland nach Prognosen des Ministeriums bis 2017 andauern. „Die Entwicklung des Erdölpreises kann nicht exakt genug vorhergesagt werden. Bei einem Preis von 40 US-Dollar innerhalb eines Jahres wird das Überwinden der Rezession aufgrund der hohen Schuldenlast ein bis zwei Jahre länger dauern“, meint auch Georgij Waschtschenko, Leiter der für den Fondsmarkt Russlands zuständigen Abteilung der Investitionsgesellschaft Freedom Finance. Im günstigeren Fall, wenn der Ölpreis wieder auf das Niveau von 70 US-Dollar pro Barrel stiege, könnte sich die russische Wirtschaft rasch erholen und bereits in drei oder sechs Monaten wieder auf Wachstumskurs gehen.

„Dass das Wirtschaftsministerium das Szenario mit einem Ölpreis von 40 US-Dollar durchgespielt hat, zeigt, dass es eine solche Entwicklung durchaus für möglich hält“, so Alexandr Krasnow, Analyst bei Verum Option. Krasnow hält sogar einen Ölpreis von 30 US-Dollar pro Barrel für möglich. Dennoch sei das alles Spekulation: „Das sind alles nur Schätzungen und Prognosen. Das Preisniveau hängt von der Nachfrage nach Öl auf dem Weltmarkt und den Produktionsmengen ab. Diese Werte lassen sich nur schwer vorhersagen“, resümiert Krasnow.

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