Russland will ausländischen Unternehmen die Rohstoffförderung erlauben

Russland gewährt ausländischen Unternehmen mehr Rechte bei der Rohstoffförderung.

Russland gewährt ausländischen Unternehmen mehr Rechte bei der Rohstoffförderung.

Alexej Filippow/RIA Novosti
Russland will Unternehmen aus dem Ausland mehr Erkundungs- und Förderrechte für Rohstoffvorkommen von föderaler Bedeutung gewähren. So soll ein Anreiz geschaffen werden, in die Rohstoffförderung zu investieren. Für die Erschließung braucht Russland ausländisches Know-how und Technologien.

Erdgas- und Erdölvorkommen von föderaler Bedeutung sollen von ausländischen Unternehmen ausgebeutet werden dürfen, wenn diese sie selbst entdeckt haben. Ein entsprechender Gesetzesentwurf sei vom russischen Umweltministerium vorgelegt worden, schreibt die russische Wirtschaftszeitung „Wedomosti“. Die Nutzung natürlicher Ressourcen fällt in den Zuständigkeitsbereich des Ministeriums. Die ausländischen Unternehmen könnten demnach bei der russischen Regierung eine Genehmigung für die Erkundung wertvoller Rohstoffe, darunter fallen auch ausdrücklich Erdöl und Erdgas, beantragen. Würde dem Antrag stattgegeben, erhielte das Unternehmen für einen Zeitraum von drei Jahren die Erkundungsrechte. Gleichzeitig müsse zur Ausbeutung eventuell entdeckter Vorkommen kein neuer Antrag gestellt werden.

Anreiz für Investoren

Zu den Ressourcenvorkommen von föderaler Bedeutung zählen Gebiete mit Erdölreserven von über 70 Millionen Tonnen, Erdgasreserven von mehr als 50 Milliarden Kubikmetern,  Goldvorkommen über 50 Tonnen oder Kupfervorkommen von mehr als 500 000 Tonnen. „Es gibt noch sehr viele schwer zugängliche Erdöl- und Erdgasvorkommen, etwa in der Arktis. Für ihre Erschließung werden teure Technologien benötigt“, sagt Sergej Pikin, Direktor des Nationalen Energieentwicklungsfonds. Er glaubt, dass für die Erschließung ausländisches Know-how und die dort vorhandenen Technologien notwendig wären.   

Im Jahr 2008 wurden Korrekturen an dem Gesetz über die Ressourcen vorgenommen. Der Zugang ausländischer Unternehmen zu Vorkommen von föderaler Bedeutung wurde stark eingeschränkt. Dies erwies sich als Hemmnis für Investitionen, erinnert sich Michail Krutichin, Partner des Beratungsunternehmens RusEnergy. Zwar hätten die ausländischen  Unternehmen ein größeres Vorkommen grundsätzlich auch ausbeuten dürfen, doch hätte die Regierung die Genehmigung jederzeit widerrufen können und stattdessen eine Entschädigung gezahlt. Ein zu hohes Risiko für Investoren, so Krutichin. Nach der Gesetzesänderung haben diese nun mehr Planungssicherheit. Die Initiatoren des Gesetzesentwurfs verweisen daher auch besonders auf die „festen Garantien“, die ein Anreiz für ausländische Unternehmen sein sollen, „wesentliche Mittel für den Abschluss der Such- und Schätzungstätigkeit“ an den Vorkommen aufzuwenden.  

Neuer Goldrausch?

Experten zufolge könnten Investoren nach einer Gesetzesänderung vor allem an der Suche nach neuen Goldvorkommen interessiert sein. „Eines der Hauptprobleme der russischen Bergbaubranche ist, dass in Russland in den letzten Jahren quasi keine geologische Suchtätigkeit stattgefunden hat. Einer der Gründe liegt eben darin, dass es keine Garantien gab, das Recht auf die Ausbeutung des entdeckten Vorkommens zu erhalten“, erklärt Ajrat Chalikow, Experte des Zentrums für Wirtschaftsprognosen der Gazprombank. Das neue Gesetz könnte einen Wendepunkt bedeuten.  

Die ersten ausländischen Goldgräber kamen in den 1990er-Jahren nach Russland, um bekannte Vorkommen auszubeuten. Mitte der 1990er-Jahre waren 80 ausländische Unternehmen, vornehmlich aus den USA, Kanada und Australien im Land aktiv. Im Jahr 2002 kamen erneut Unternehmen der Goldförderbranche nach Russland, so etwa Kinross Gold aus Kanada oder das russisch-britische Unternehmen Peter Hambro Mining, das später in Petropavlovsk umbenannt wurde.   

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