Gazprom setzt auf Gasversteigerungen

Gazprom veranstaltete die erste Gasversteigerung in ihrer Geschichte.

Gazprom veranstaltete die erste Gasversteigerung in ihrer Geschichte.

Gazprom Pressebild
Der russische Energiekonzern Gazprom versucht sich an einer neuen Strategie: Der Gasmonopolist hielt erstmals in der Firmengeschichte eine Gasversteigerung ab. An den vier Auktionstagen wurde ungefähr ein Drittel des über den Winter nach Europa zu liefernden Gases verkauft worden. Das Bieterverfahren soll die Exportstrategie des Unternehmens optimieren.

Zwischen dem 7. und 10. September veranstaltete Gazprom die erste Gasversteigerung ihrer Geschichte. Gazprom Export zufolge wurde von dem Gesamtvolumen von 3,2 Milliarden Kubikmetern, das in der Winterperiode von Oktober 2015 bis März 2016 nach Europa geliefert werden soll, insgesamt 1,23 Milliarden Kubikmeter versteigert. Im Rahmen der Versteigerung konnten insgesamt 40 Verträge abgeschlossen werden. Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur „RBC“ gehörten zu den Abnehmern unter anderem E.ON, Engie, Eni, Total, RWE, BP, Novatek, Goldman Sachs sowie die Händler Gunvor, Glencore und Vitol.

Laut einer Pressemeldung Gazproms belief sich der Durchschnittspreis bei der Versteigerung auf 203,30 Euro pro 1 000 Kubikmeter und übertraf somit den offiziell von Gazprom Export festgelegten Preis für die Wintermonate von Oktober 2015 bis März 2016 festgelegt. Auch der Durchschnittspreis an europäischen Knotenpunkten wurde überboten. Käufer erwarben in der Regel jeweils einige Lose mit vergleichsweise geringem Volumen. Erfolgreich war Gazprom gleich doppelt: Zum einen ließ die Auktion zusätzliche Erträge in die Kassen Gaskonzerns fließen, zum anderen konnte verhindert werden, dass die Versteigerung geringere Abnahmemengen aus geltenden Langzeitverträgen nach sich zieht.

Gazprom bewertete das Ergebnis der Versteigerung positiv und plant, für die Wintersaison 2016/2017 bis zu zehn Prozent des für Exporte bestimmten Erdgases zu versteigern. Dies verkündete der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft Alexander Medwedew nach Abschluss des Bieterverfahrens. Zehn Prozent des Exportvolumens beliefen sich auf rund zwölf Milliarden Kubikmeter Gas und machten zurzeit ungefähr drei Prozent des europäischen Gasmarktes aus.

Teil einer neuen Strategie

Dennoch betrachten einige Analysten das Vorhaben Gazproms, die angekündigten Gasmengen in Europa im nächsten Herbst zu versteigern, eher skeptisch. Nach Schätzungen Andrej Polischtschuks, Analyst für die Erdöl- und Erdgasbranche der Raiffeisen-Gesellschaft, wird das von Gazprom zu versteigernde Volumen auf der Nachfrage nach russischem Erdgas basieren. Eine Versteigerung von zehn Prozent sei erst in zehn bis 15 Jahren realistisch zu erwarten.

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„Gazprom gibt sich mit den sehr günstigen Preisen auf dem Spotmarkt nicht zufrieden. Die Gesellschaft sieht sich nach neuen Abnehmern und Händlern um“, erklärt Polischtschuk die neue Taktik des Gaskonzerns. Außerdem gehörten derartige Versteigerungen zur Gazprom-Strategie. Der wachsende Marktanteil von Flüssigerdgas (LNG) werde dabei berücksichtigt. Im Hinblick auf das dritte EU-Energiepaket, das neue Einschränkungen für Verkäufer vorsieht, wolle Gazprom die Gaslieferungen nach Europa aufstocken.

Die EU-Staaten sehnen sich schon lange nach größerer Unabhängigkeit von russischem Erdgas. Insbesondere LNG gilt als Ersatzquelle. In Zukunft setzen die Europäer daher auf iranische Gasquellen. Angesichts der niedrigen Preise für russisches Gas gelten russische Gasimporte allerdings weiterhin als attraktiv. Zudem fehlt es einigen europäischen Staaten an den technischen Möglichkeiten, LNG zu importieren. Im August dieses Jahres wurde bekannt, dass LNG-Importe nach Europa im dritten Jahr in Folge zurückgingen. Grund sei, dass Käufer größere Gasmengen aus Russland importierten, berichtet „Bloomberg“ mit Hinweis auf Angaben von Genscape. Gazprom bestätigt diesen Trend: Laut jüngster Wirtschaftsergebnisse des Konzerns seien die europäischen LNG-Importe im August um 3,4 Prozent zurückgegangen, während russische Gaslieferungen um 20 Prozent zugenommen hätten.

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