Gazprom steht zur russischen Währung

Nach der Einführung der Sanktionen gegen Russland wurde die Idee, die für den Export bestimmten fossilen Rohstoffe des Landes in der Nationalwährung zu verkaufen, aktiv diskutiert.

Nach der Einführung der Sanktionen gegen Russland wurde die Idee, die für den Export bestimmten fossilen Rohstoffe des Landes in der Nationalwährung zu verkaufen, aktiv diskutiert.

Ria Novosti/Maxim Bogodvid
Gazprom plant, einen Teil seiner Erdgaslieferverträge auf die russische Währung umzustellen. Das könnte vor allem Lieferungen nach China betreffen. Der schwache Rubel sei dabei ein Risikofaktor, sagen Wirtschaftsexperten.

Der russische Gasmonopolist Gazprom plant, Erdgaslieferverträge zum Teil auf die russische Währung Rubel umzustellen. Einen entsprechenden Vorschlag werde das Unternehmen auf der Aufsichtsratssitzung am kommenden Montag erörtern, berichtete die russische Wirtschafts- und Finanzzeitung „Kommersant“. Der Anteil jener Lieferungen, die in Rubel bezahlt werden, solle auf mindestens zehn Prozent steigen, heißt es. Bereits nach der Einführung der Sanktionen gegen Russland im vergangenen Jahr wurde die Idee, die für den Export bestimmten fossilen Rohstoffe des Landes in der Nationalwährung zu verkaufen, aktiv diskutiert. Doch der massive Absturz des Rubelkurses machte einen Strich durch diese Rechnung. Im zweiten Halbjahr 2014 büßte der Rubel gegenüber Euro und US-Dollar rund die Hälfte seines Wertes ein. 

Gazprom zeigt politische Loyalität

Iwan Kapitanow, Dozent am Lehrstuhl für staatliche Wirtschaftsregulierung des Instituts für öffentlichen Dienst und Verwaltung an der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und öffentlichen Dienst, sagt, dass die Pläne Gazproms bei den ausländischen Partnern des russischen Gasriesen bislang auf wenig Gegenliebe gestoßen seien. Dennoch: „Bei der Abkehr von den bisherigen Verrechnungsprinzipien stellt der Vorschlag der chinesischen Partner zur Zahlung eines Teils der Lieferungen in Yuan allerdings einen gewissen Fortschritt dar“, so Kapitanow. Bereits im Frühjahr 2014 kündigten Vertreter von Gazprom an, Lieferungen nach China über die neue Pipeline Sila Sibiria (zu Deutsch: „Kraft Sibiriens“) in Rubel oder Yuan zu verrechnen. Das Tochterunternehmen Gazpromneft verkauft seit 2014 bereits Erdöl für Rubel. Umfang und Abnehmer sind allerdings nicht bekannt.  

Laut Sergej Iljans, Analyst bei der Investmentgesellschaft Premier, sei die Gazprom-Initiative mehr als kleiner Schritt in Richtung Zukunft zu werten. Sie solle die politische Loyalität des Unternehmens im Vorfeld der im Oktober stattfindenden Sitzung der Kommission für den Brennstoff- und Energiekomplex beweisen. Bei der Sitzung dieser Präsidentenkommission könnte das Erdölunternehmen Rosneft versuchen, Gazproms Monopol für den Export russischen Erdgases ins Ausland zu kippen. Ilja Buturlin, Geschäftsführer von Hedge.pro, hat eher den Eindruck, Gazprom wolle sich im Falle einer weiteren Eskalation im Konflikt mit dem Westen gegen eine Blockade der US-Dollar-Verrechnung absichern.

Instabiler Rubel

Als größtes Hindernis für die Verrechnung in Rubel bezeichnen Marktbeobachter indes die in letzter Zeit sehr hohe Volatilität der russischen Währung. „Ein vollwertiger Handel in Rubel ist aufgrund dieser Volatilität vorerst schwer zu realisieren. In jedem Falle müssen die Verträge an eine stabilere Währung gekoppelt werden, um das Kursschwankungsrisiko im Falle einer noch größeren Rubelentwertung zu minimieren“, empfiehlt Buturlin. Darüber hinaus werde seinen Worten nach der Umfang der Rubel-Geschäfte kaum mehr als zehn bis 30 Prozent des Gesamthandelsvolumens der Erdgasbranche ausmachen und sich wahrscheinlich auf zukünftige Verträge, unter anderem mit China, beschränken. „Die Idee wird vielleicht wieder aktuell werden, wenn die Sanktionen verschärft werden sollten, aber vorerst gibt es für eine konkrete Umsetzung der Pläne weder die notwendigen Instrumente, noch die entsprechende Motivation bei den Kunden. Für den Handel auf Rubelbasis müsste ein Finanzvermittler zwischengeschaltet werden, dessen Dienste irgendjemand vergüten müsste“, erläutert Iljans.

Laut Sergej Iljans sei die Idee nicht unumstritten, die Stützung des Rubelkurses provoziere geradezu repressive Maßnahmen. Die Rubelverrechnung sei faktisch eine Entsprechung des obligatorischen, vollständigen Verkaufs der Valutaeinnahmen, und die Instabilität des Rubels lasse die Maßnahme für den Regulierer reizvoller werden. Kapitanow hingegen gibt sich zurückhaltender: „Falls diese Initiative umgesetzt werden sollte, wird man die Verrechnung in Rubel für lediglich einen Teilbetrag vereinbaren können. Das wäre für beide Seiten bequem.“

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