Flugverbot zwischen Russland und Ukraine: Gewinn für ausländische Airlines

Ria Novosti/Maxim Blinov
Vom Flugverbot, das seit Sonntag zwischen Russland und der Ukraine besteht, profitieren Airlines in Weißrussland, Moldawien und Lettland, meinen Marktbeobachter. Für die Passagiere wird das Reisen in jedem Fall teurer und umständlicher.

Seit Sonntag ist der direkte Luftverkehr zwischen Russland und der Ukraine eingestellt. Reisende müssen nun einen Umweg einplanen. Nach Angaben des Online-Flugvergleichsportals Aviasales betrifft das etwa 100 000 Passagiere monatlich. Die Strecke Moskau-Kiew gehörte zu den meist gebuchten Verbindungen. Von der Einstellung der Flugverbindung werden nach Einschätzung von Experten ausländische Fluggesellschaften profitieren, allen voran die weißrussische Gesellschaft Belavia, die lettische Air Baltic und Moldawiens Air Moldova.

Zwischen 100 und 115 Millionen Euro haben die russischen und ukrainischen Fluglinien mit den Direktflügen ins jeweilige Nachbarland im Jahr umgesetzt, erklärte der russische Verkehrsminister Maxim Sokolow Anfang Oktober. Diese Summe werden nun die  ausländischen Anbieter unter sich aufteilen können.

Die Ticketpreise steigen

„Die Ticketpreise dieser drei Gesellschaften liegen um 20 bis 25 Prozent höher als die für die früheren Direktflüge“, sagt Roman Sacharow, Chefredakteur der Fachzeitschrift „Linija Poleta“ (zu Deutsch: „Die Flugstrecke“). Doch eine Bahnfahrkarte für die gleiche Strecke sei noch teurer, daher werde es dennoch eine Nachfrage nach den Flugtickets geben, ist Sacharow sicher. Als das Flugverbot bekannt wurde, hätten sich diese Fluggesellschaften umgehend bereit erklärt, die Strecken zwischen Russland und der Ukraine zu bedienen, mit einem Zwischenstopp in Minsk, Kischinau oder Riga. Probleme gibt es laut Sacharow noch bei den Destinationen Dnipropetrowsk und Lemberg: „Hier gibt es noch keine Alternative zum Direktflug.“  

Analysten des Internetportals Tutu.ru, einem Ticketanbieter, sehen den Profit vor allem auf Seiten Weißrusslands, Lettlands und Moldawiens. Der Anteil anderer internationaler Fluglinien an Flugtickets für Flüge in die Ukraine liege bei unter einem Prozent. Allerdings sei vor Kurzem ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen gewesen, nach dem Verkaufsdatum bis auf 14 Prozent, nach dem Abflugdatum auf bis zu 25 Prozent. Das beste Preis-Leistungsverhältnis bietet nach Einschätzung von Reiseveranstaltern derzeit Air Moldova. „Dort gibt es die günstigsten Preise und die komfortabelsten Anschlussflüge. Die Kosten für einen vierstündigen Hinflug belaufen sich auf rund 72 Euro“, sagt Konstantin Parfenenok, Kommunikationschef von Andgo.travel.  

Reisende nehmen Unannehmlichkeiten in Kauf

Die ukrainische Route wird auch von anderen großen Fluggesellschaften Europas bedient: Lufthansa bietet Flüge mit einem Zwischenstopp in Frankfurt am Main oder München an, Austrian Airlines macht einen Zwischenstopp in Wien. Diese Angebote sind jedoch kaum eine echte Alternative für die Passagiere. „Die Preise sind bei diesen Anbietern noch höher und die Flüge dauern länger“, erklärt Parfenenok: Ein Hin- und Rückflugticket koste bis zu 260 Euro und die Flugzeit verlängere sich um bis zu drei Stunden pro Strecke. Auch Amsterdam oder Baku wären mögliche Zwischenstopps, doch „diese Routen sind wohl auch sehr umständlich für die Passagiere“, meint Parfenenok.  

Alexander Sisinzew, Chef des Online-Ticketservices Biletix, geht davon aus, dass die Unannehmlichkeiten eines Zwischenstopps Russen und Ukrainer nicht vom Reisen abhalten werden: „Trotz der politischen Situation gehört Kiew zu den populärsten Auslandsrouten. Dabei geht es nicht vorwiegend um Touristen, sondern vor allem um Reisende, die Verwandte besuchen und Geschäftsleute“, so Sisinzew.   

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