Russlands Weg nach Asien führt über Davos

Das Weltwirtschaftsforum in Davos soll die Umorientierung von Russland vorantreiben.

Das Weltwirtschaftsforum in Davos soll die Umorientierung von Russland vorantreiben.

Reuters
Als Leiter der russischen Delegation beim Weltwirtschaftsforum in Davos tritt der Vize-Ministerpräsident und Bevollmächtigte des Präsidenten im Föderationskreis Ferner Osten Jurij Trutnjew auf. Ein deutliches Signal, dass Russland nach asiatischen Investoren Ausschau hält, meinen Experten.

Die russische Delegation beim Weltwirtschaftsforum im Schweizer Davos, das vom 20. bis 23. Januar stattfindet, wird von dem Vize-Ministerpräsidenten und Bevollmächtigten des Präsidenten im Föderationskreis Ferner Osten Jurij Trutnjew angeführt. Trutnjew war früher für die Durchführung des Wirtschaftsforums in Wladiwostok verantwortlich. Natalja Timakowa, die Pressesprecherin des russischen Ministerpräsidenten Dmitrij Medwedjew, bestätigte diese vom russischen Wirtschaftsblatt „Wedemosti“ veröffentlichte Information.

Russland orientiert sich weiter um

Für Experten zeigt dies, dass das Hauptthema der russischen Delegation in Davos die Umorientierung nach Osten sein wird – bereits 2014 war der Ausbau der Zusammenarbeit Russlands mit Ländern Asiens als Ziel verkündet worden. „Russland beabsichtigt, den Investoren aus Asien seine Bereitschaft zur gemeinsamen Entwicklung verschiedener Projekte zu demonstrieren, in erster Linie im Fernen Osten, da diese Region deren Wirtschaftsinteressen am ehesten entgegenkommt“, meint Georgij Waschtschenko, Leiter der Verwaltung von Operationen auf dem russischen Fondsmarkt bei der Kapitalanlagegesellschaft Freedom Finance.

Waschtschenko vermutet vor allem ein Interesse an Projekten in den Bereichen Energiewirtschaft, Erdgas- und Erdölförderung sowie Luftfahrtindustrie. Dafür spricht, dass Anfang 2015 Nornikel, einer der größten russischen Metallurgiekonzerne, seine Absicht bekundete, dem chinesischen Investor Highland Fund für 100 Millionen US-Dollar einen Anteil von 13,33 Prozent an der Lagerstätte Bystrinskoje, dem größten Kupfervorkommen Russlands, zu verkaufen.

Suche nach Investoren in Fern- und Nahost

Wie Sprecherin Natalja Timakowa gegenüber „Wedemosti“ erklärte, werde Russland sich in Davos für die asiatisch-pazifische Agenda und das Wirtschaftsforum im Fernen Osten stark machen – Aufgaben, die in den Verantwortungsbereich von Jurij Trutnjew fallen. Im Rahmen der Übersichtssitzung zu Russland sei auch geplant, die Makroökonomie sowie die niedrigen Erdölpreise, die neuen Handels- und Investitionsbündnisse in Asien sowie die Rolle Russlands im System der internationalen Sicherheit zu erörtern. Als Referenten sind unter anderem die Chefin der russischen Zentralbank Elwira Nabiullina und der als Befürworter liberaler Reformen in Russland geltende frühere Finanzminister Alexej Kudrin vorgesehen.

Anatolij Wakulenko, Analyst bei der Investmentholding Finam, meint jedoch, dass das russische Interesse nicht so sehr auf chinesische Investoren abziele. Denn China sei auch so bereits ausreichend mit den Aussichten von Projekten im Fernen Osten und deren Finanzierung vertraut. Wakulenko vermutet vielmehr, dass Angebote Investoren aus Europa und wohl auch aus dem Nahen Osten unterbreitet werden sollen.

Der Anfang vom Ende der Sanktionspolitik?

2015 wurde die russische Delegation vom ersten Vize-Ministerpräsidenten Igor Schuwalow angeführt, das Jahr zuvor von Vize-Ministerpräsident Arkadij Dworkowitsch. Eingeladen sind auch in diesem Jahr wieder der russische Präsident Wladimir Putin und Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew, doch in den vergangenen Jahren nahmen diese am Forum nicht teil. Die Regierung distanziere sich ostentativ vom Davoser Forum, erklärt Georgij Waschtschenko, da „es in letzter Zeit von den Teilnehmern der westlichen Länder unbegründet als Tribunal zur Kritik an der russischen Außen- und Innenpolitik genutzt wurde“.

Aber auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel verzichtet dieses Jahr auf die Teilnahme am Forum. In jedem Falle sei es, so Anatolij Wakulenko, wahrscheinlich, dass die Vertreter der Delegationen den Fokus auf die negativen Auswirkungen der Sanktionspolitik gegen Russland setzen werden. Sie werden zeigen, dass „die Politik der gegen Russland gerichteten Wirtschaftssanktionen haltlos ist und der europäischen Wirtschaft deutlichen Schaden zugefügt sowie Russland dazu gezwungen hat, seinen politischen Kurs zu ändern“, meint der Experte.

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