Russland zieht den Stecker

Russland will keinen Strom mehr in die Ukraine liefern.

Russland will keinen Strom mehr in die Ukraine liefern.

Stanislav Krasilnikov / TASS
Nachdem Russland beschlossen hat, die Krim selbst mit Strom zu versorgen, hat es nun auch den Vertrag über Stromlieferungen in die Ukraine eingestellt. Die Option einer Notversorgung soll aber bestehen bleiben.

Russland hat entschieden, den Vertrag über Stromlieferungen in die Ukraine nicht zu verlängern. Zuvor hatte das Land bereits darauf verzichtet, Strom für die Krim aus der Ukraine zu beziehen. Ein weiteres Kapitel in den russisch-ukrainischen Beziehungen findet damit sein vorläufiges Ende.

„Russland führt keine Verhandlungen bezüglich von Stromlieferungen aus Russland in die Ukraine“, heißt es aus dem russischen Energieministerium. „Wir werden den Vertrag nicht verlängern, der ursprünglich an die Stromlieferungen der Ukraine zur Krim gebunden war.“

2014 bezog die Ukraine noch Strom aus Russland. Grundlage dafür bildete ein Vertrag zwischen dem russischen Energieunternehmen Inter RAO und dem ukrainischen Staatskonzern Ukrinterenergo, der bis Ende des vergangenen Jahres gültig war. Zur gleichen Zeit wurde auch ein Vertrag über Stromlieferungen aus der Ukraine zur Krim geschlossen. Diese Verträge waren offiziell nicht aneinander gekoppelt.

Eine Reihe von Anschlägen auf ukrainische Stromleitungen führte im Herbst jedoch zu einer Stromblockade auf der Krim. Nachdem eine Energiebrücke von der Halbinsel Kertsch aus zum russischen Festland gelegt wurde, verbesserte sich die Situation. Zwar setzte die Ukraine im Dezember die Lieferungen zur Krim teilweise fort. Dennoch wurde der Liefervertrag für die Halbinsel in diesem Jahr nicht verlängert. Kiew verlangte, dass die Krim im Vertrag als Teil der Ukraine bezeichnet wird, Moskau lehnte das ab.

In der Not hilft man sich doch

Die Krim-Bewohner zeigen sich nach einer Telefonumfrage zum Jahreswechsel versöhnlich. Mögliche Störungen in der Stromversorgung in den nächsten drei bis vier Monaten seien sie bereit zu ertragen, solange der zweite Teil der Energiebrücke durch die Straße von Kertsch gebaut werde. Der Bau soll planmäßig noch vor dem 1. Mai abgeschlossen sein. Nach der Umfrage entschied der Kreml zunächst, die Verlängerung des Liefervertrags mit der Ukraine nicht zu besprechen, wie ein Brancheninsider der Zeitung „Kommersant“ erzählte.

Doch gleichzeitig bleibt die parallele Energieversorgung weiter bestehen – ein entsprechender Vertrag sieht den Verkauf von Stromlieferungen an die Ukraine in Notfällen vor. Dabei handelt es sich allerdings in der Regel um keine besonders großen Mengen. Im vergangenen Jahr, als die Ukraine ihren Stromeinkauf aus Russland zu minimieren versuchte, machte sie nur bei größten Defiziten von dieser Option Gebrauch. Von Januar bis April 2015 floss der meiste Strom aus Russland – zu dieser Zeit kämpfte die Ukraine mit einer Kohlekrise und viele Energieanlagen mussten repariert werden.

Die aktuelle Heizperiode stellt für die Ukraine noch kein Problem dar, obwohl sie seit November so gut wie keinen russischen Strom mehr eingekauft hat. Sollte die Kälte jedoch länger anhalten oder Kohlelieferungen nicht regelmäßig erfolgen, drohen dem Land neue Stromausfälle. Der Ministerpräsident der Ukraine, Arsenij Jazenjuk, sieht dennoch keine Gefahr. Das Land sei mit Kohle gut versorgt und Stromausfälle seien nicht zu erwarten, sagte er am Sonntag.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Kommersant

Versorgungsblockade: Krim ohne Wasser und Strom

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