China enttäuscht die russische Geschäftswelt

Das Erdgasprojekt „Sachalin-2“, wo japanische Unternehmen aktiv investieren.

Das Erdgasprojekt „Sachalin-2“, wo japanische Unternehmen aktiv investieren.

Pressebild
China, das vor dem Hintergrund der Sanktionen für den wichtigsten Partner Russlands gehalten wurde, steht einer neuen Studie zufolge bei den Investitionen in Russland nur auf dem vierten Platz. Das meiste Geld fließt indes aus Japan, der Türkei und Indien.

Russland wandte sich Asien zu, kam aber nicht dort an, wo es dies erwartet hatte: Japan hat China bei den Direktinvestitionen in die russische Wirtschaft überholt. Davon zeugen die Daten des Zentrums für integrierte Studien der Eurasischen Entwicklungsbank (ZIS EABR). Diese war von Russland und Kasachstan im Januar 2006 gegründet worden. Inzwischen sind zu den Gründungsstaaten als Teilhaber Armenien, Belarus, Kirgistan und Tadschikistan hinzugestoßen. 

Faktisch alle Direktinvestitionen japanischer Unternehmen wurden in die Erschließung von Erdöl- und Erdgasvorkommen in Russland gesteckt. So konnten zum Beispiel die Erdgasprojekte „Sachalin-1“ und „Sachalin-2“ in Japan 10,1 Milliarden US-Dollar akquirieren. Im Vergleich betrugen die Kapitalanlagen der chinesischen Unternehmen in den Energiebereich Russlands dagegen gerade einmal 1,2 Milliarden US-Dollar. 

„Von China wurde eine große Zahl Vorvereinbarungen angekündigt, aber am Beispiel der Großprojekte in der Erdöl- und Erdgasbranche ist sehr gut zu erkennen, dass der Weg von den ersten Vereinbarungen bis hin zum realen Abkommen häufig sehr weit ist und von bürokratischen Hürden versperrt“, erklärt Pjotr Daschkjewitsch, Analyst bei der Investmentgesellschaft UFS IC. Ungeachtet der eindeutig pro-chinesischen Rhetorik in Russland gebe es gar nicht so viele reale Abkommen, stellt der Experte fest. Darüber hinaus entwickelten die chinesischen Unternehmen sich in einigen Branchen, wie zum Beispiel dem Maschinenbau, zur Konkurrenz der russischen Player. 

Infografik: Aljona Repkina

Insgesamt hat Japan 14,4 Milliarden US-Dollar in die russische Wirtschaft investiert. Auf den Plätzen zwei und drei folgen in der Rangliste der EABR die Türkei und Indien. Sie legten in der russischen Wirtschaft 5,7 respektive 3,5 Milliarden US-Dollar an. Während Indien sich ebenfalls auf Erdöl-Projekte konzentrierte, investierten die türkischen Unternehmen in die verschiedensten Branchen, unter anderem in die Bauwirtschaft und den Agrarsektor. China, das vor dem Hintergrund der Sanktionen für den wichtigsten Partner Russlands gehalten wurde, belegte in der EABR-Rangliste mit Investitionen in Höhe von 3,37 Milliarden US-Dollar lediglich den vierten Platz. 

Die Berechnungen der EABR weichen dabei signifikant von der offiziellen Statistik der russischen Zentralbank ab. So ist nach offiziellen Angaben das Volumen der japanischen Investitionen mit gerade einmal 1,2 Milliarden US-Dollar deutlich geringer. Bei der EABR erklärt man die Abweichung mit den unterschiedlichen Berechnungsverfahren. „Zu den asiatischen Investitionen gibt es viel weniger Angaben, zudem nutzen viele dieser Investoren – anders als die europäischen – wesentlich häufiger Offshore-Konten und andere Umschlagplätze für direkte ausländische Investitionen“, heißt es im Bericht. Deshalb wurde die Bewertung durch das EABR auf der Basis der Angaben zu Abkommen mit einem Volumen von mehr als zehn Millionen US-Dollar und der Jahresberichte der Unternehmen vorgenommen.

Anatolij Wakulenko, Analyst bei der Unternehmensgruppe Finam, verteidigt die Studie des Zentrums. „Der Unterschied kann mit der Verwendung verschiedener Untersuchungsmethoden zusammenhängen, aber es gibt keinerlei Grund, der EABR Inkompetenz oder Voreingenommenheit vorzuwerfen“, kommt er jeglicher Kritik zuvor.

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