Weshalb Hilton und Radisson weiterhin auf Russland setzen

Wo werden die Fußballfans übernachten?

Wo werden die Fußballfans übernachten?

Mikhail Mokrushin / RIA Novosti
Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 werden zahlreiche Übernachtungsgäste in den Austragungsorten erwartet. Damit diese ruhig schlafen können, sollen 38 neue Hotels entstehen. Fertig sind bisher nur sechs. Internationale Hotelketten setzen dennoch auf Russland.

Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland werden Zehntausende Gäste erwartet. Damit es für sie ausreichende Übernachtungsmöglichkeiten gibt, sollten überall in den Spielorten neue Hotels entstehen wie schon zu den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi. Mit dem Bau der Hotels wurden, anders als zu Olympia, ausschließlich private Investoren betraut. Zu den zukünftigen Betreibern der Hotels zählen namhafte internationale Hotelketten.

Die Krise trifft auch die Hotelbranche

Die Bauarbeiten gehen derzeit jedoch eher schleppend voran: Nach Angaben von Rosturism sind von 38 geplanten Objekten erst sechs fertig. Die weiteren Objekte befinden sich teils bereits in der Phase der Inbetriebnahme, teils jedoch auch noch in der Planungs- und Bauphase. Zwölf weitere Bauprojekte werden derzeit „aktualisiert“. Das bedeutet, dass diese Hotels möglicherweise nicht gebaut werden, wie es aus Kreisen Rosturism heißt. Vielfach kommt es auch zu Verzögerungen. Dafür gibt es mehrere Gründe, vor allem macht sich jedoch die Wirtschaftskrise bemerkbar. Der Bauträger des in Rostow am Don geplanten Hyatt-Hotels beispielsweise musste die für Herbst 2015 geplante Eröffnung um ein Jahr verschieben. 

In den meisten russischen WM-Städten herrscht ein Mangel an Hotelbetten, auch in den meistbesuchten Städten Moskau und Sankt Petersburg. In Kasan hingegen wurden in den vergangenen Jahren anlässlich mehrerer Großereignisse wie der Universiade 2013 neue Hotels gebaut. Die Lage in Saransk und Wolgograd sei jedoch problematisch, sagt Wadim Prassow, Vizepräsident des russischen Hotelier- und Gastronomieverbands. 

Auch die bevorstehende Fußball-WM habe daran nichts ändern können, bemerkt Marina Smirnowa, Leiterin der Hotel- und Tourismusabteilung beim Immobiliendienstleister  Cushman & Wakefield: „Wir können nur von einzelnen Projekten sprechen, von denen zudem nicht alle in Zusammenhang mit den WM-Vorbereitungen stehen“, erklärt sie. Das Hilton-Hotel in Wolgograd sei etwa schon lange geplant gewesen, bevor von der Fußball-WM in Russland überhaupt die Rede gewesen sei. 

Russland bleibt attraktiv

Russische Immobilienexperten haben beobachtet, dass ausländische Investoren sich nur ungern an russischen Hotels beteiligen. Internationale Hotelketten haben dagegen weniger Bedenken. Sie bevorzugen allerdings die Übernahme von Objekten, die von russischen Baufirmen fertiggestellt wurden, um auf diese Weise keinen langfristigen Rückfluss der Bauinvestitionen abwarten zu müssen.

Stanislaw Iwaschkewitsch von der CBRE-Gruppe erklärt, dass die weltweit führenden Hotelketten trotz Sanktionen und Krise weiterhin an einer Expansion auf dem nach wie vor profitablen russischen Markt interessiert seien. Die Hotelbuchungen seien in den letzten vier Jahren unverändert, plus-minus fünf Prozent. Außerdem sei der russische Markt immer noch unterentwickelt, vor allem bestehe ein Mangel an hochwertigen Hotels. Zu den Betreibern der WM-Hotels gehören die fünf größten internationalen Ketten: Hilton, Radisson, Sheraton, Mercure und Hyatt.

„Weiße Elefanten“ nicht in Sicht

Über die Nutzung der Hotels nach der WM machen sich die Experten wenig Sorgen. Dieses Problem erachten sie als weniger groß als damals in Sotschi. Zur WM werden die Hotels mehr punktuell errichtet, ausgehend von den Besucherzahlen und der Hotelauslastung in den betroffenen Städten. Daher sind die Chancen, viele „weiße Elefanten“, wie leerstehende Hotels genannt werden, eher gering.

Die Bauplanung für die Hotelinfrastruktur zur Fußball-WM 2018 unterscheidet sich grundsätzlich von der in Sotschi allein aufgrund des Veranstaltungsformats, erklärt Wadim Prassow. Die Olympiade fand in einer Stadt statt, die für ein bis zwei Wochen zu einem Reiseziel für Sportfans wurde. Während der WM 2018 wird jedes neue Mannschaftsspiel in einer anderen Stadt stattfinden. Die meisten Fußballfans sind kaum anspruchsvoll. Daher werden zur Weltmeisterschaft hauptsächlich Hotels in der mittleren Preiskategorie gebaut. Andererseits können seriöse Hoteliers dadurch nicht einmal annähernd kalkulieren, mit wie viel Hotelbuchungen sie während der WM rechnen können.