Förderquote: Russland will mit der Opec verhandeln

Oil processing facility in Nefteyugansk, Russia.

Oil processing facility in Nefteyugansk, Russia.

Reuters
Russlands Energieminister signalisierte Bereitschaft, über eine Reduzierung der russischen Ölfördermenge nachzudenken. Allein diese Ankündigung ließ den Ölpreis steigen. Doch Russland muss aufpassen, bei einer Mengenreduzierung keine Marktanteile zu verlieren.

Russlands Energieminister Alexander Nowak erklärte vergangene Woche, Russland sei im Februar von der Opec zu einer Sondersitzung eingeladen worden, auf der eine Reduzierung der Ölfördermenge um fünf Prozent diskutiert werden solle. Russland habe die Einladung angenommen. Die Opec dementierte zwar, dass es entsprechende Pläne gebe. Doch alleine Nowaks Ankündigung führte dazu, dass die Ölpreise wieder anzogen. Der Preis für ein Barrel der Rohölsorte Brent stiegt auf 35,8 US-Dollar – Höchstwert seit Jahresbeginn.

Andrej Soloschkow, Analyst bei UFS IC, bemerkt jedoch, dass es weniger die Worte des russischen Energieministers gewesen seien, die den Ölpreis wieder haben steigen lassen. Vielmehr stecke die grundsätzliche Bereitschaft der erdölproduzierenden Länder, das derzeitige Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt wieder in die Waage zu bringen, dahinter.

Anton Krasko, Analyst bei MFX Broker, sieht eine Reduzierung der Fördermenge ebenfalls als unabdingbare Voraussetzung für einen Anstieg der Ölpreise. Schon eine Reduzierung der Fördermenge um 1,5 Millionen Barrel pro Tag in Russland könnte ausreichen, damit der Preis auf bis zu 40 US-Dollar steige, meint er. Als weiteren Grund für den leicht gestiegenen Ölpreis sehen Experten die Ankündigung der US-amerikanischen Zentralbank Fed, den Leitzins unverändert zu lassen.  

Die Volkswirtschaften der Opec-Staaten und anderer ölexportierender Länder litten massiv unter den aktuellen Ölpreisen, fügt Krasko hinzu. Das Haushaltsdefizit der Saudis erreichte 2015 die Summe von 98 Milliarden US-Dollar, das entspricht 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.  Für 2016 wird im Finanzministerium Saudi-Arabiens mit einem Defizit von 87 Milliarden US-Dollar gerechnet.

Die Konkurrenz schläft nicht

„Saudi-Arabien hatte damit gerechnet, dass Produzenten von teurem Erdöl die niedrigen Preise nicht verkraften und die Produktion daher wieder zurückfahren würden. Doch den Schieferöl-Produzenten ist es gelungen, die Kosten deutlich zu senken. Sie sind von 40 bis 45 auf 30 bis 32 US-Dollar pro Barrel gefallen“, berichtet Krasko. Auf dieser Seite werden Forderungen nach einer reduzierten Fördermenge daher wohl auf taube Ohren stoßen, vermutet der Experte. Doch innerhalb der Opec-Staaten bestehe daran durchaus ein Interesse.

Eine staatliche Regulierung der Fördermengen sei allerdings schwierig, auch in Russland, wo Erdöl vorwiegend von Privatunternehmen gefördert wird. „In Russland ist die Erdölbranche stark kommerzialisiert und steht nicht unter der direkten Kontrolle des Staates. Sie wird von Entscheidungen der Einzelunternehmen reguliert“, erklärte Russlands stellvertretender Ministerpräsident Arkadi Dworkowitsch am Freitag auf einer Pressekonferenz in Moskau. Die Marktakteure werden selbst bestimmen können, ob sie die Ölförderung reduzieren werden.

Würde Russland seine Förderquoten zurückfahren, bestünde die Gefahr, von anderen Lieferanten wie Saudi-Arabien oder dem Iran ersetzt zu werden, warnt Georgij Waschtschenko, Leiter der Verwaltung von Operationen auf dem russischen Fondsmarkt bei der Kapitalanlagegesellschaft Freedom Finance. Der Iran hat nach dem Wegfall der Sanktionen bereits eine Steigerung seiner Ölfördermenge auf eine Million Barrel pro Tag angekündigt.

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