Metall, Blut und Erotik: Russland diversifiziert seine Exporte

Zwei Models posieren auf einem Lada Niva Lynx auf der internationalen Automobilmesse in Sankt Petersburg.

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Reuters
Leder, Sexspielzeug und Blut – nein, unanständig wird es nicht, dennoch interessant: In Russland ist der Export von Nicht-Rohstoffen im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Auf der Verkaufsliste stehen nun auch Metalle, Holz, Agrarprodukte und … Sie wissen schon.

Russland hat seine Exportstatistik für 2015 vorgelegt. Neben Rohstoffen stehen nun auch Metalle, Holz, Leder, Pelze, Dünger, Lebensmittel und Agrarrohstoffe auf der Verkaufsliste.  Insgesamt ist der Export von Nicht-Rohstoffen gestiegen. Aber auch eher ungewöhnliche Ware verlässt die Russische Föderation. Wer hätte gedacht, dass mehrere Millionen US-Dollar durch den Verkauf von tierischem und menschlichem Blut eingenommen werden? Abnehmer für diesen ganz besonderen Stoff sind vor allem die Niederlande und Italien. In den Erklärungen des Föderalen Zolldienstes der Russischen Föderation heißt es, das Blut sei für diagnostische und pharmazeutische Zwecke bestimmt.

Ein weiterer eher unerwarteter Exportschlager sind Schuhe made in Russia. Dafür gibt es Interessenten in Griechenland und Ungarn. Auch russisches Sexspielzeug findet Abnehmer – in den USA, Großbritannien und im Iran. Traditionelle Devotionalien sind ebenfalls gefragt, wie Julija Dschanibekowa, Leiterin der Pressestelle des B2B-Online-Portals Allbiz, berichtet: „Aus Italien kam in diesem Jahr ein Auftrag über die Lieferung von Ikonen und Kerzen.“ Allbiz vermittelt Kontakte zwischen Händlern und Kunden. Regelmäßige und langfristige Lieferverträge würden dort besonders häufig abgeschlossen, sagt Dschanibekowa.

Ein echter Verkaufsschlager sind im Übrigen russische Holzhäuser. 70 Prozent der Anfragen kommen aus dem Ausland. Die Nachfrage ist besonders im Libanon, in Österreich und Deutschland groß. „Deutsche kaufen auch Produkte fürs Auto oder alles, was der aktiven Selbstverteidigung dient“, fügt Dschanibekowa hinzu. Bei Lebensmitteln treffen Gewürze und Zusatzstoffe russischer Herkunft den Geschmack der ausländischen Käufer. Die Zollstatistik bestätigt das: 2015 kauften deutsche Kunden Zimt, Anis und Sternanis.  

Alexej Degtjarjow, Generaldirektor von B2B-Center, meint, das Wechselkursverhältnis des Rubels zu US-Dollar und Euro mache die russischen Produkte konkurrenzfähiger. Günstige Preise ermöglichten die Erschließung neuer Märkte zum Beispiel in den afrikanischen Ländern. „Sie sind vertraut mit unserer Technik und mit der Qualität zufrieden. Nun stimmt auch der Preis.“ Im vergangenen Jahr hätten Kunden aus Kenia und Uganda über das Portal Transporttechnik gekauft: Flachwagen, Tankbehälter für unterschiedliche Brennstoffe und außerdem Metallprodukte wie etwa verzinktes Stahlblech, zählt Degtjarjow auf.

87 Milliarden US-Dollar Einnahmen durch Nicht-Rohstoffe

Insgesamt betrugen die Einnahmen aus dem Export von Nicht-Rohstoffen im vergangenen Jahr rund 87 Milliarden US-Dollar. Den größten Profit brachte der Verkauf von Metallen und Metallprodukten, etwa 33 Milliarden US-Dollar. Chemieprodukte wie Dünger, Kautschuk und Kunststoffe brachten rund 25 Milliarden US-Dollar ein. Diese Warenkategorien sind in den EU-Ländern sehr populär.

Kraftfahrzeuge und Betriebsanlagen schlagen mit etwa 25 Milliarden US-Dollar zu Buche. Die Nachfrage danach stieg in fernen Ländern. In den GUS-Ländern, der traditionellen Käufergruppe, fiel sie allerdings. Der Export von Lebensmitteln und Agrarrohstoffen bescherte Einnahmen von rund 16 Milliarden US-Dollar. Europäische Länder kaufen bevorzugt russisches Pflanzenöl, Gemüse (gefroren, frisch oder konserviert), Mehl, Nüsse und Bohnen. Asiatische Länder importieren vor allem Weizen, Getreide, Mais, Fisch und Mollusken (frisch, gefroren und konserviert).

Immerhin vier Millionen US-Dollar Einnahmen brachte der Verkauf von russischem Malzbier. Das wird besonders gerne in China und Deutschland getrunken. 

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