Russische Erdölproduzenten stimmen Fördergrenze zu

Evgeny Biyatov / RIA Novosti
Die russischen Erdölkonzerne haben sich mit der Regierung auf eine Beschränkung der Erdölförderung geeinigt. Zu ihrem Vorteil, wie Experten glauben: Die festgelegte Quote entspricht dem historischen Förderrekord im Januar, und es winken Steuervergünstigungen.

Bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin einigten sich die Chefs der größten russischen Erdölgesellschaften auf eine Obergrenze zur Erdölförderung. Die Grenze soll der Förderquote vom Januar 2016 entsprechen. Im Gegenzug rechnen die Unternehmen mit Steuersubventionen. Das Treffen fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Das Ergebnis verkündete Russlands Energieminister Alexander Nowak, der die Stimmung des Treffens als positiv bezeichnete. Die Steuersubventionierung der Ölkonzerne, so fügte er hinzu, müsse von der russischen Regierung allerdings noch im Detail beraten werden. 

Russland am Förderlimit interessiert

Das Treffen mit den Konzernchefs fand im Saal des russischen Sicherheitsrats im Kreml statt, wo die wichtigsten geschlossenen Treffen und Verhandlungen durchgeführt werden. Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur RBC hatten die Erdölproduzenten im Vorfeld befürchtet, dass sie zu einer Minderung entweder der Erdölförderung oder des Erdölexports genötigt würden, wozu sie nicht bereit waren.

Angesichts dessen, dass russische Erdölkonzerne im Laufe des vergangenen Jahres ein Rekordvolumen von 534 Millionen Tonnen Erdöl auf den Markt brachten – das heißt 1,4 Prozent mehr als im Jahr 2014 –, würde eine Kürzung der Erdölförderung eine Schrumpfung ihres Marktanteils und damit einen negativen Investitionsrückfluss bedeuten.

Die Einführung eine Förderobergrenze bedeutet aber bei Weitem nicht, dass die Erdölförderung zurückgeht. „Es handelt sich hierbei eher um eine verbale Intervention als um eine reale Maßnahme, die den Preis stimulieren soll“, meint Alexei Kalatschow, der als Analyst bei der Investitionsholding Finam tätig ist. Seinen Schätzungen zufolge war die Ölförderquote im Januar die höchste in der Geschichte der russischen Rohstoffindustrie. Daher wäre eine Obergrenze für russische Konzerne unter den gegebenen Umständen sogar vorteilhaft.

Der Erdölpreis drückt die Nachfrage

Ivan Kapitonow, Dozent an der Russischen Akademie für Volkswirtschaft, einer regierungsnahen Wirtschaftshochschule, stimmt Alexei Kalatschow zu. Die russischen Erdölkonzerne könnten nun ihre Investitionsprogramme, welche sich bei dem derzeitigen Steuerniveau nicht auszahlen, kürzen, erklärt er.

Dmitri Bedenkow, Chefanalyst der Kapitalanlagegesellschaft Invest, ist indes der Meinung, dass der Ölpreis heutzutage nicht nur durch die Erdölförderer, sondern auch durch die Nachfrage von Schlüsselkunden wie China bestimmt wird. Bedenkow hebt dabei hervor, dass die Erdölnachfrage der Entwicklungsländer weiterhin sinkt. „Nach wie vor übersteigt das Angebot die Nachfrage um 1,5 Millionen Barrel pro Tag. Bis Ende des Jahres wird das den Erdölpreis drücken“, stimmt ihm Georgi Waschtschenko, Operation Manager von Freedom Finance am russischen Börsenmarkt, zu. 

Der Weg zur Obergrenze

Russland, Saudi-Arabien, Katar und Venezuela einigten sich im Februar dieses Jahres darauf, die Erdölförderung auf das Niveau von Januar 2016 zu beschränken. Dabei wurde die Bedingung gestellt, dass andere Erdölfördererstaaten sich dieser Entscheidung anschließen müssen. So beabsichtigen unter anderem auch Ecuador, Algerien, Nigeria, Oman, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate eine Einschränkung der Erdölförderung; ein schriftliches Abkommen gibt es hierzu allerdings noch nicht. Der Iran, gegen den die internationalen Sanktionen erst vor Kurzem aufgehoben wurden, kündigte hingegen eine Steigerung der Erdölförderung an.

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