Airlines nehmen wieder Kurs auf Russland

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Die Flugverbindungen aus dem Ausland nach Moskau fielen im vergangenen Jahr häufig dem Rotstift zum Opfer. Langsam wendet sich das Blatt und einige ausländische Fluggesellschaften kehren zurück. Denn nach der Transaero-Pleite sind Marktanteile zu vergeben.

Die US-amerikanische Fluggesellschaft Delta Airlines fliegt ab Mittwoch wieder nach Moskau. Das kündigte der russische Delta-Airlines-Vertreter Leonid Tarasow nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Tass an. Im Dezember 2015 hatte das Unternehmen die regulären Verbindungen nach Russland vorerst eingestellt.

Der seit zwei Jahren schwächelnde Rubel mache Russland-Reisen für ausländische Touristen attraktiv, erklärt Finam-Analyst Alexej Kalatschew die Entscheidung des Unternehmens. Derzeit stabilisiere sich die russische Wirtschaft – ein weiterer Pluspunkt.

Prognosen zum Passagieraufkommen gab Delta Airlines aber noch nicht bekannt. Wie groß die Nachfrage nach Verbindungen zwischen Russland und den USA sein wird, werde sich spätestens im Sommer zeigen, sagte Tarasow. Auf langfristige Pläne zu verzichten und stattdessen zunächst die Entwicklung des saisonalen Betriebs abzuwarten, sei die richtige Strategie, meint auch Kalatschew.

Neue Destinationen

Neben Delta Airlines plant auch Thai Airways ab Oktober wieder Flüge nach Russland anzubieten, wie die thailändische Tageszeitung „Nation“ berichtet. Die größte Fluggesellschaft Tschechiens, Czech Airlines, setzt ebenfalls verstärkt auf den russischen Markt und will ihre Präsenz dort erhöhen, schreibt der „Kommersant“.

Emil Martirosjan, Dozent an der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Öffentlichen Dienst, zeigt sich von der Rückkehr der ausländischen Airlines nicht überrascht. Das sei zu erwarten gewesen, sagt er. Denn trotz der schwierigen politischen Lage gebe es eine Nachfrage nach internationalen Flügen, die derzeit nicht bedient würde. Zudem nutzten internationale Fluggesellschaften Russland als Transitzone für Transkontinentalflüge. Unter den ausländischen Fluggesellschaften gelten die russischen Regionen weiterhin als wirtschaftlich vielversprechende Destinationen.

Czech Airlines etwa wird ab April die Verbindung Prag-Kasan (800 Kilometer östlich von Moskau) und Prag-Ufa (1 340 Kilometer östlich von Moskau) in den Flugplan aufnehmen. „Die sich langsam andeutende Stabilisierung der russischen Wirtschaft gibt den ausländischen Unternehmen eine mehr oder weniger sichere Grundlage, auf der sie aufbauen können“, sagt Alexej Kalatschew.

Chancen auf neue Marktanteile

Internationale Flugunternehmen zieht unter anderem die Konsolidierung auf dem Binnenmarkt an. Direktflüge aus Moskau nach New York werden momentan nur von der staatlichen russischen Fluggesellschaft Aeroflot bedient. Nach offiziellen Angaben der Gesellschaft sind die Einnahmen auf dieser Strecke um 25,1 Prozent auf umgerechnet rund 247 Millionen Euro gestiegen.

Emil Martirosjan glaubt, dass Aeroflot von der Pleite der ehemals zweitgrößten russischen Fluggesellschaft Transaero profitiert habe. Transaero musste den Ticketverkauf am 1. Oktober letzten Jahres einstellen und schließlich einen Insolvenzantrag stellen. 3,2 Millionen Euro Schulden soll der einstige Aeroflot-Konkurrent angehäuft haben. Die so entstandene Marktlücke werde in erster Linie wohl Aeroflot für sich nutzen können, meint Martirosjan. Doch bei internationalen Flügen hätten auch ausländische Gesellschaften die Chance, ihren Anteil am russischen Flugmarkt auszubauen.

Finam-Analyst Kalatschew dämpft aber allzu große Erwartungen: „Es ist kaum möglich, dass ausländische Flugunternehmen ihre ehemalige Stellung auf dem russischen Markt zurückgewinnen können. Denn die Kaufkraft der potenziellen Kunden wird nicht so schnell wachsen, wie man es sich wünschen würde.“ Einen Teil des Marktes werden die Ausländer aber sicherlich dennoch für sich beanspruchen können.

Während Delta Airlines wieder nach Russland fliegen will, haben andere Gesellschaften ihre Verbindungen teils erst kürzlich eingestellt oder reduziert. Seit Mitte Januar fliegt etwa Air Berlin Moskau wegen zu geringer Nachfrage nicht mehr an. Und auch Lufthansa und Finnair bieten deutlich weniger Flüge an. Ab dem 21. März wird auch der britische Billigflieger Easyjet die Strecke London-Moskau nicht mehr bedienen.

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