Putins Panama-Connection: Wer ist Sergej Roldugin?

Sergej Roldugin (links), Wladimir Putin (mitte) und Dmitrij Medwedew (rechts).

Sergej Roldugin (links), Wladimir Putin (mitte) und Dmitrij Medwedew (rechts).

EPA / Vostock-photo
Die Enthüllungen der Panama Papers über Briefkastenfirmen in Steueroasen haben weltweit für Aufsehen gesorgt. Mittendrin steckt Sergej Roldugin, ein bekannter russischer Cellist und enger Freund von Wladimir Putin – für Russlands Präsidenten eine brisante Verbindung.

Am Sonntag machte die „Süddeutsche Zeitung“ zusammen mit dem Internationalen Konsortium für investigative Journalisten (ICIJ) ein ungeheures Daten-Leak öffentlich, das seither Politiker und Geschäftsleute in der ganzen Welt in Erklärungsnot bringt: Eine anonyme Quelle hatte den Enthüllungsjournalisten vertrauliche Informationen aus der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca mit Sitz in Panama zugespielt, die ein weltweites Netzwerk von Briefkastenfirmen offenbarten. Tausende illegale Geschäfte sollen darüber abgewickelt worden sein.

Auch die Namen von 13 russischen Politikern und Geschäftsleuten tauchen in den sogenannten Panama Papers auf. Ihnen werden, zumindest indirekt, Verbindungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin nachgesagt. Dessen Sprecher Dmitri Peskow wiegelte bereits ab: „Über Putin gibt es nichts Konkretes und nichts Neues, es gibt keine Details.“ Peskow selbst wird in den Dokumenten übrigens genannt, Putin dagegen nicht. Dennoch sei offenkundig, so Peskow, „dass unser Präsident das eigentliche Ziel solcher Leaks“ sei, vor allem im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen, die 2018 in Russland anstehen.

Eine Schlüsselrolle in den undurchsichtigen Geschäften soll der bekannte russische Cellist Sergej Roldugin spielen. Bei dem Rechercheverbund ICIJ herrscht die Überzeugung, dass der Musiker schon länger ein Doppelleben führt. Einerseits soll er ein weltweit anerkannter Künstler, andererseits aber der „Hüter“ über Putins angeblich riesiges Privatvermögen sein. In seinen Händen liege die Verwaltung milliardenschwerer Trusts und Offshore-Konten – die Rede ist dabei nicht von Rubel, sondern US-Dollar.

„Ich bin kein Geschäftsmann“

Roldugin steht zu seiner langen und engen Freundschaft mit dem russischen Präsidenten. In der 2000 veröffentlichten Putin-Biografie „Aus erster Hand, Gespräche mit Wladimir Putin“ erzählt er von der ersten Begegnung im Jahr 1977. Seitdem seien sie „unzertrennlich“: „Er ist wie ein Bruder für mich. Früher, wenn ich nicht wusste, wo ich hingehen konnte, ging ich zu ihm. Ich habe bei ihm übernachtet und dort gegessen“, erinnert sich Roldugin. Sie zogen im damaligen Leningrad durch die Nacht, standen Raufereien zusammen durch. Roldugin und Putin gingen auch gemeinsam ins Theater – mit „der hübschen Ljuda“. Gemeint war Putins spätere Ehefrau Ljudmila Putina. Das erste Kind der Putins, Maria, hat Roldugin zum Paten.

Der Musiker machte seinen Abschluss am Konservatorium in Leningrad und ging auf Tourneen auch ins Ausland, etwa nach Japan. „Ich hatte mehr Geld als Wowa“, wie er Putin in seinen Erzählungen nennt. „Von meinen Reisen habe ich ihm Souvenirs und T-Shirts mitgebracht.“ Seine Rolle als Putin-Vertrauter wurde in Russland öffentlich nicht thematisiert. Die Medien berichteten über ihn in anderen Zusammenhängen.

Etwa über Roldugin als Solist und Dirigent im Mariinski-Theater, über den Musikmanager und Kunstmäzen. Gelegentlich wurde erwähnt, dass er einen Anteil an der Bank von Russland hält, die von Medien im In- und Ausland oft als „Privatbank für den engen Kreis des russischen Präsidenten“ bezeichnet wird. Nach Angaben der Bank wurde Roldugin im Jahr 2005 Aktionär und erwarb nach einer zusätzlichen Emission 3,96 Prozent der Aktien für 375 Millionen Rubel (damals etwa 13,3 Millionen US-Dollar).

Doch stets betonte er, an Geschäftlichem nicht interessiert zu sein: „Ich bin kein Geschäftsmann, ich besitze keine Millionen“, sagte er im Jahr 2014 in einem Interview mit der „New York Times“. Und dem Wirtschaftsblatt „RBC“ erklärte er, in das administrative Geschäft der Bank nicht involviert gewesen zu sein. Mit der Leitung des Sankt Petersburger Konservatoriums übernahm er dann aber doch geschäftliche Verantwortung. Schon bald galt er als nächster russischer Kulturminister, übernahm 2005 jedoch die künstlerische Leitung des Sankt Petersburger Hauses der Musik. Diesem wurde übrigens kurz darauf ein Palastgebäude aus dem 19. Jahrhundert übergeben – die Restaurierung finanzierte zum Teil die Bank von Russland, die Klaviere sponserte Roldugin zufolge der russische Energiekonzern Gazprom.

Hüter über Putins Vermögen?  

Ist Roldugin nun ein bescheidener Künstler oder doch der König eines Offshore-Imperiums? Das zumindest behaupten die Journalisten der Zeitung „Nowaja Gaseta“, die als russisches Medium an den Enthüllungen über Mossack Fonseca beteiligt waren. Angeblich gehören dem Cellisten vier Briefkastenfirmen, zwei davon soll er gemeinsam mit anderen Personen besitzen.

Über diese Unternehmen sollen täglich mehrere Millionen Rubel von geschäftsführenden Oligarchen – ebenfalls Freunde von Putin – geflossen sein. Das Geld sei für dubiose Transaktionen genutzt und in den Kauf strategisch wichtiger nationaler Aktiva etwa von Kamaz, Awtowas oder Video International investiert worden. Aber auch Urlaube, Villen oder gleich ein ganzer Jachtclub wurden damit angeblich finanziert. Außerdem sollen die Firmen Kredite zu Vorzugsbedingungen erhalten haben.

Den Journalisten zufolge parkt Roldugin in Panama ein Vermögen von rund zwei Milliarden US-Dollar. Was hat nun Russlands Präsident damit zu tun? Hat Roldugin tatsächlich das Vermögen Putins verwaltet? Die „Nowaja Gaseta“ schreibt, dass der russische Präsident in Roldugin jedenfalls einen Freund hätte, dem er blind vertrauen könne. Auf die Fragen der Journalisten zu seiner Panama-Connection antwortete Sergej Roldugin übrigens folgendermaßen: „Es ist sehr lange her, dass ich damit etwas zu tun hatte. Noch vor der Perestroika.“

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