Moskau präsentiert sein Investitionspotenzial in Wien

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Im Rahmen der Investorenkonferenz „Forum Moskau“ in Wien präsentierte sich die Stadtregierung Moskau interessierten österreichischen Mittelstandsunternehmen. Moskau möchte mit Sonderwirtschaftszonen Anreize für Investoren schaffen. Ein Business-Ombudsmann bietet zudem schnelle Hilfe, wann immer die Mühlen der Bürokratie zu langsam mahlen.

Minister Cheremin betonte das Interesse der Stadt an Investitionen des österreichischen Mittelstandes. Foto: Hubert TurhnoferMinister Cheremin betonte das Interesse der Stadt an Investitionen des österreichischen Mittelstandes. Foto: Hubert Turhnofer

Anfang April sorgte der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer für Verwirrung, als er in Moskau erklärte, niemand freue sich über die Sanktionen, während er wieder zuhause in Wien beteuerte, dass er die Sanktionen nie in Frage gestellt habe. Eindeutig gegen die Sanktionen äußerte sich dagegen der Präsident der Österreichischen Wirtschaftskammer, Christoph Leitl, denn: „Sanktionen schädigen immer beide Seiten.“ Diesen Standpunkt bekräftigte Leitl beim „Forum Moskau“ am vergangenen Mittwoch in Wien. Auf der Investorenkonferenz präsentierte sich die Stadtregierung Moskau dem österreichischen Mittelstand.

Die Sanktionen sprach Sergei Tscheremin, Minister der Moskauer Stadtregierung für internationale Beziehungen und wirtschaftliche Zusammenarbeit, in Wien nicht direkt an. Umso mehr betonte er die wachsende Rechtssicherheit für Investoren in Moskau. Damit antwortet die Stadt auf eine Forderung, die westeuropäische Unternehmer immer wieder an russische Politiker herantragen. Tscheremin brachte zudem den Beweis, dass seine Erklärung mehr ist als ein Lippenbekenntnis: Die Stadt ernannte Mikhail Vyshegorodcev zum Business-Ombudsmann, der verspricht, Probleme zwischen Unternehmen und Behörden innerhalb von 15 Tagen zu lösen – in der Hälfte der Zeit, die in westlichen Industrieländern üblich ist.

Der renommierte Jurist ist für ausländische Unternehmen der erste Ansprechpartner, wenn sie Probleme mit Behörden haben. Vyshegorodcev sprach in Wien ganz offen über existierende Probleme: „Es gibt oft Absagen für Kaufinteressenten städtischer Grundstücke oder die Stadt verzögert Verträge ohne Begründung. Wir können in solchen Fällen schnelle Antworten bewirken. Der Ombudsmann ist in solchen Fällen sehr effizient, das beweist unsere bisherige Arbeit.“

Steuervorteile sollen Investoren anlocken

Das Interesse des österreichischen Mittelstandes an der Investorenkonferenz war groß. Foto: Hubert TurhnoferDas Interesse des österreichischen Mittelstandes an der Investorenkonferenz war groß. Foto: Hubert Turhnofer

Der Business-Ombudsmann spielt nicht nur Feuerwehr, wenn Probleme auflodern, sondern bringt seine Erfahrungen auch bei der Gesetzgebung ein: „Wir geben der Legislative Moskaus auch Empfehlungen bei Gesetzesprojekten, damit sich Projekte leichter und schneller realisieren lassen.“ Die Liste der Problemfälle, bei denen der Ombudsmann bereits helfen konnte, ist lang: Genehmigungen für ausländische Arbeitskräfte, Verlängerung von Mietverträgen oder Betriebsgenehmigungen, Mediation bei Prüfungsverfahren, Bereitstellung von Kreditgarantien und nicht zuletzt steuerrechtliche Fragen.

Mit Steuervorteilen und Infrastrukturmaßnahmen will Moskau noch mehr ausländische Investoren anlocken. Sergei Tscheremin verwies auf die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen und nannte als Beispiel Zelenograd, 40 Kilometer nordwestlich des Zentrums Moskaus. Unternehmen zahlen hier bis 2018 nur 13,5 Prozent Einkommenssteuer, danach steigt der Satz auf 20 Prozent. Die Sozialversicherungsbeiträge betragen bis 2017 nur 14 anstelle der sonst üblichen 34 Prozent. Das Umfeld technischer Universitäten macht den Standort zusätzlich interessant, insbesondere für Unternehmen aus den Bereichen Micro- und Nanoelektronik, Biotechnologie und anderen forschungsintensiven Hightechbranchen.

Österreichische Unternehmen hoffen auf eine gute Auftragslage

Vielleicht findet hier die österreichische Firma Skidata einen Partner. Der Spezialist für elektronische Zutritts- und Parksysteme unterhält seit 2009 eine Vertretung in Russland und plant nun mit einem Partner eine eigene Produktion in Moskau aufzubauen. Skidata beschäftigt weltweit 1 200 Mitarbeiter, bei der russischen Tochter OOO Skidata Ru sind derzeit 16 Menschen angestellt. Das Vertriebs- und Servicebüro stattete bislang Parkplätze und Parkhäuser aus. Vorzeigeprojekt ist das Zugangssystem für die „Park-and-Ride“-Anlage des WM-Stadions Spartak. Auch die Besucher des Formel-1-Projekts Moscow City Racing kommen an den Zutrittssystemen von Skidata nicht vorbei.

Alfred Gunacker, seit 2009 Verkaufsdirektor bei Skidata, sieht die Entwicklung der vergangenen Jahre positiv: „Die Kooperation mit Moskau hat sich verbessert. Früher war es schwierig für uns, weil eine lange Kette von Unternehmen involviert war, von deren Vorarbeiten wir abhängig waren. Jetzt arbeiten wir direkt mit der Stadt Moskau. Damit sind die Entscheidungswege kürzer geworden.“ Der international erfahrene Manager hofft, dass im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2018 weitere Aufträge zur Ausrüstung von WM-Stadien folgen.

Hubert Turhnofer ist Wirtschaftsjournalist bei a3ECO.

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