Chef der russischen Expocenter: „Messen locken Investoren“

Bei der Organisation der 
Neftegaz 2016 war die Messe Düsseldorf als deutscher Partner beteiligt.

Bei der Organisation der 
Neftegaz 2016 war die Messe Düsseldorf als deutscher Partner beteiligt.

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Die russische Ausstellungsbranche ist auf internationale Zusammenarbeit angewiesen. Keine leichte Aufgabe in Zeiten von Sanktionen. Sergej Bednow, Chef der Messeplattform Expocenter, sprach mit RBTH über die Situation in der Branche und die Kooperation mit deutschen Partnern.

Wie wirken sich die Sanktionen und die aktuelle Wirtschaftslage auf Ihre Branche aus?

Einerseits sind Sanktionen für viele internationale Geschäftsleute ein massives Hindernis bei der Tätigkeit in Russland. Andererseits löst sich der Wunsch dieser Unternehmer, ihr Geschäft in Russland fortzuführen, nicht einfach auf. Die Firmen haben eine abwartende Haltung eingenommen: Sie beteiligen sich an Messen, um präsent zu bleiben und die Kunden nicht zu verlieren. Dafür schrumpft häufig ih
re Standfläche. Außerdem stellen zahlreiche Unternehmen auf eigene Faust aus, statt bei nationalen Ständen mitzuwirken.

Im vergangenen Jahr hat die Aktivität in Russland abgenommen. Experten schätzen, dass die Anzahl der internationalen Aussteller um 21 Prozent gesunken ist. Zugleich zeigt sich ein anderer Trend: Die Zahl der Gastländer steigt. Neue Akteure – aus Lateinamerika, Südostasien, Afrika und dem Nahen Osten – erschließen den Markt.

Wie passt sich die Branche dem neuen Umfeld an? Musste Expocenter seine Strategie ändern?

Expocenter ist Russlands zentrale Messeplattform im Herzen Moskaus. Rund 100 Messen und 700 Konferenzen veranstalten wir jährlich. Thematisch decken die Veranstaltungen alle Schlüsselindustrien ab: von Öl und Gas über Gesundheitsfürsorge bis hin zu Informations- und Kommunikationstechnologie. Unser Ziel ist die Ausweitung der Kooperation mit den Brics- und SOZ-Staaten. Zugleich haben wir die Weiterentwicklung der Beziehungen mit unseren westlichen Kunden und Partnern im Blick.

PressebildSergej Bednow, Chef der Messeplattform Expocenter. Pressebild.

Mit welchen deutschen Partnern arbeiten Sie zusammen?

Unsere langjährigen Partner sind die Messe Düsseldorf und die Messe Frankfurt. Wir arbeiten nicht nur bei Gastveranstaltungen auf der Plattform des Expocenters zusammen. Gemeinsam organisieren wir auch die in Russland und Osteuropa größte internationale Ausstellung der Öl- und Gasindustrie, die Neftegaz. Die Schau führen wir 
gemeinsam mit der Messe Düsseldorf durch, mit Unterstützung des russischen Energieministeriums und unter der Schirmherrschaft 
der russischen Industrie- und Handelskammer.

Die diesjährige Neftegaz im April hat das Interesse westlicher Firmen an der Kooperation mit Russland in dieser Branche bestätigt. Mehr als 600 Firmen – Hersteller und 
Lieferanten von Öl- und Gasausrüstung, Öl- und Gasförderer, verarbeitende Unternehmen, Service- und Explorationsfirmen – aus 26 Ländern haben daran teilgenommen. Deutschland war mit 49 
Firmen vertreten. Bei der Neftegaz 2017 erwarten wir eine ähnliche 
internationale Präsenz.

Gemeinsam mit den deutschen 
Kollegen haben wir mehrmals Ausstellungen russischer Firmen in Deutschland organisiert: auf der Ambiente in Frankfurt, der Laser World in München oder der Medica in Düsseldorf.

Im Juni findet der erste Weltausstellungstag statt. Worin besteht seine Bedeutung für die russische Messebranche?

Damit will die Branche deutlich machen, wie wichtig Messen und Ausstellungen für die internationale Wirtschaftskooperation und für die globale und nationale Wirtschaftsentwicklung sind. Messen können das Wirtschaftspotenzial und die Attraktivität einzelner Regionen demonstrieren. Sie fördern den Kontakt zu internationalen Partnern und locken Investoren an. 

Das alles werden wir am 8. Juni im Expocenter diskutieren. An dem Tag finden unter anderem das Internationale Forum der Messewirtschaft 5pExpo 2016 und die sechste Russlandkonferenz zum Mes
se- und Ausstellungsgeschäft statt. Dort kommen Vertreter von Messefirmen, Behörden, Industrie- und Handelskammern sowie Branchenverbänden zusammen.

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