Wirtschaftsforum in Wladiwostok: Verschiebt Russland seinen Asienfokus?

Neue Projekte scheinen mit Japan wahrscheinlicher als mit China.

Neue Projekte scheinen mit Japan wahrscheinlicher als mit China.

Vitaliy Ankov / RIA Novosti
Auf dem Eastern Economic Forum in Wladiwostok treffen sich diese Woche die Staats- und Regierungschefs Russlands, Japans und Südkoreas. Auch China wird mit einer Delegation vertreten sein, die aber nicht so hochkarätig besetzt ist. Ist es schon vorbei mit der russisch-chinesischen Freundschaft?

In Wladiwostok beginnt am Freitag das Eastern Economic Forum. Der russische Präsident Wladimir Putin, seine südkoreanische Amtskollegin Park Geun-hye und der japanische Regierungschef Shinzo Abe werden erwartet. Auch die Volksrepublik China wird vertreten sein, aber lediglich durch den Vize-Vorsitzenden des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses, Chen Changzhi, wie die Wirtschaftszeitung „Kommersant“ berichtet. Nicht einmal die Chefs der benachbarten chinesischen Regionen Jilin und Heilongjiang nehmen am Forum teil.

„Die vielen Vereinbarungen mit China, die in den letzten Jahren diskutiert wurden, bringen nicht die erhofften Ergebnisse“, meint Michail Poddubski, Analyst der Investmentgesellschaft TeleTrade. Gleichzeitig erklärte die japanische Regierung im Vorfeld des Forums ihre Bereitschaft, „Russland wirtschaftlich zu unterstützen“, selbst wenn der Territorialstreit um die Kurilen ungelöst bleibe. Ist das ein Anzeichen dafür, dass Russland seine Asienpolitik diversifiziert?

Japan statt China?

Der Russisch-Japanische Wirtschaftsrat habe eine Reihe russischer Investmentprojekte vorbereitet, um diese mit den japanischen Partnern zu besprechen, kündigte der Präsident des Wirtschaftsrats Alexei Repik an. Über 200 Unternehmen aus Russland seien daran beteiligt. Rückenwind bekommt die Weiterentwicklung der B2B-Kooperation von allerhöchster Stelle – auch vom japanischen Premierminister. „Für die Lösung konkreter Fragen, die bei der Zusammenarbeit zwischen russischen und japanischen Unternehmen aufkommen, haben wir eine permanente Businessplattform“, sagt der Ratspräsident.

Einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit den Chinesen stehen indes gleich zwei Faktoren im Weg. „Die Abkühlung des Exports bereitet den Chinesen offenkundig Kopfschmerzen“, sagt Volkswirt Sergei Chestanow. Daher sei es kein Wunder, dass die chinesische Delegation nicht so hochkarätig besetzt ist. Zudem hätten sich die Chinesen als hartnäckige Verhandlungspartner erwiesen, so der Wirtschaftsexperte: „Bei den Verhandlungen mit Gazprom haben die Chinesen neun Jahre gebraucht, um zu einer Absichtserklärung über Gaslieferungen zu kommen“, erinnert Chestanow.

Georgi Waschtschenko, Fondmanager bei Freedom Finance, hebt einen weiteren Aspekt hervor: „China konzentriert sich momentan mehr auf das Handels- und Investitionsabkommen mit den USA. Außerdem bereitet sich das Land auf den G-20-Gipfel vor.“ Dieser wird direkt im Anschluss an das Wirtschaftsforum in Wladiwostok im chinesischen Hangzhou stattfinden.

Ein politisches Signal

Auf dem Wirtschaftsforum wurden im letzten Jahr 80 Investitionsvereinbarungen im Gesamtwert von 1,3 Billionen Rubel unterzeichnet – damals umgerechnet 18,5 Milliarden Euro. Darunter waren der Bau eines Gasverarbeitungswerks in der Oblast Amur mit einer Jahreskapazität von 49 Milliarden Kubikmetern sowie die Erweiterung der Ostsee-Gasleitung Nord Stream.

„Das Hauptziel des Forums besteht darin, das Interesse ausländischer Partner an russischen Projekten warmzuhalten“, erklärt Volkswirt Sergei Chestanow. Insgesamt würden 30 bis 35 Großprojekte vorgestellt, ergänzt Timur Nigmatullin vom Vermögensverwalter Finam. Rahmenvereinbarungen und Absichtserklärungen seien nicht auszuschließen, betont er.

„Auch politisch ist das Forum wichtig. Damit soll gezeigt werden, dass ausländische Investoren bereit sind, nach Russland zu kommen“, merkt Georgi Waschtschenko an. Asien stehe russischen Projekten offener gegenüber als der Westen, erklärt der Fondmanager. „Renommierte Unternehmen aus China und Südkorea werden in Wladiwostok ausländischen Investoren Wertpapiere zum Kauf anbieten“, ist der Experte überzeugt.

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