Zockerparadies Sotschi: Kluge Investition oder Glücksspiel?

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Russlands Regierung will mit einer Glücksspielzone mehr Touristen in die Olympiastadt Sotschi locken. Auf diese Weise sollen sich die hohen Investitionen in die Infrastruktur der Stadt endlich rentieren.

Die russische Regierung macht den Weg frei für die Einrichtung einer Glücksspielzone in der Olympiastadt Sotschi. Der russische Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew unterzeichnete einen entsprechenden Erlass im vergangenen Monat. Noch in diesem Jahr soll in den Skigebieten Gorki-Gorod und Rosa-Chudor auf 165 000 Quadratmetern ein Spielerparadies entstehen.

Bereits im Jahr 2014 verabschiedete die Regierung ein Gesetz, das die Umwandlung der Olympiaspielstätten in Kasinobetriebe erlaubt. Glückspiel ist in Russland sei Juli 2009 ausschließlich in dafür ausgewiesenen Zonen erlaubt. Diese sind über das ganze Land verstreut: von der Westexklave Kaliningrad über die sibirische Altai-Region bis in den Fernen Osten des Landes. Auch in Südrussland am Asowschen Meer gibt es eine Zockeroase.

Hoffnung auf Gewinne

„Die Glücksspielindustrie als auch lokale Unternehmer haben sich seit Langem für eine Sonderspielzone in Sotschi starkgemacht“, sagt Tejmuras Baschakmadse vom Institut für Unternehmensführung der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und öffentlichen Dienst.

Die russische Regierung hofft, durch den Kasinobetrieb die enormen Kosten des Olympiakomplexes wieder hereinholen zu können. „Die dynamische Entwicklung der Sonderspielzone wird schon Ende dieses Jahres beginnen. Davon erhofft man sich einen Impuls für die örtliche Konjunktur“, erklärt Timur Nigmatullin von der Vermögensverwaltung Finam. Die unrentablen Olympia-Immobilien sollen dann Gewinne an private und staatliche Investoren abwerfen.

Der größte Kreditgeber für den Bau der olympischen Infrastruktur war die staatliche Förderbank VTB. Das Gesamtvolumen der Kredite betrug laut dem damaligen Bank-Präsidenten Wladimir Dmitrijew 240 bis 250 Milliarden Rubel – rund 3,5 Milliarden Euro. Dabei wurden den am Bau beteiligten Unternehmen die Zinsen bis Ende 2015 gestundet. Im Februar dieses Jahres wurde der VTB-Chef entlassen, weil er es laut Insidern nicht geschafft hatte, die faulen Kredite zu managen.

Zielgruppe chinesische Touristen

Frisches Geld sollen nun vor allem Touristen aus China bringen. Ab November wird die Fluglinie Tibet Airlines die Olympiastadt von Chengdu in China aus direkt anfliegen. Reiseveranstalter setzen vor allem auf All-Inclusive-Angebote. Die Möglichkeit, Jetons in chinesischer Währung bezahlen zu können, soll das Glücksspiel in Sotschi für die Touristen aus dem Reich der Mitte noch verlockender machen.

Dazu bedarf es einer Gesetzesänderung, die derzeit vom russischen Ministerkabinett erarbeitet wird. Demnach soll in den Sonderspielzonen ausländische Währung als Zahlungsmittel akzeptiert werden.

Im Süden Russlands gibt es bereits eine Glücksspielstadt: Asow-City am Asowschen Meer. 2010 wurde hier das Orakul-Kasino eröffnet. Der Betreiber, die Royal Time Group, plante ursprünglich, rund 135 Millionen Euro in die Erweiterung des Spielparadieses zu investieren. Die Regionalregierung beschloss jedoch, Asow-City mit dem Start der Sonderspielzone in Sotschi zu schließen. Die Verluste des Betreibers werden auf 8,5 Milliarden Rubel (115 Millionen Euro) geschätzt. Bislang sind diese Mittel nicht bewilligt worden. Erst im Mai hatte der russische Präsident die Lizenz für Asow-City bis 1. Januar 2017 verlängert.

Tejmuras Baschakmadse sieht schwere Zeiten kommen: „Die neue Sonderspielzone in Sotschi wird vor allem Asow-City die Besucher wegnehmen.“ Doch auch Sotschi hat Konkurrenz, wenngleich nach Meinung von Baschakmadse keine ernsthafte: Unweit von Sotschi liegt die georgische Glücksspielstadt Batumi. „Nach Batumi kommen neben Einheimischen und Russen vor allem Spieler aus der Türkei, Iran und Aserbaidschan“, sagt er.

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