Wie ein europäisches Unternehmen der russischen Erdölindustrie hilft

Eine Studie von Trafigura Eurasia zeigt, Russlands Erdölbranche ist stark unterbewertet.

Eine Studie von Trafigura Eurasia zeigt, Russlands Erdölbranche ist stark unterbewertet.

Reuters
Die russische Erdölbranche ist um eine Milliarde US-Dollar unterbewertet – zu diesem Schluss kommt das Unternehmen Trafigura, das sich zum größten Verkäufer von russischem Erdöl entwickelt hat. Gerade dieses Unternehmen hilft der russischen Erdölindustrie, ungeachtet der Sanktionen ihre Position im Westen zu stärken.

Russlands Erdölbranche ist um etwa eine Milliarde US-Dollar unterbewertet. Zu diesem Schluss kommt John Kollek, Präsident des holländisch-schweizerischen Unternehmens Trafigura Eurasia, wie die russische Wirtschaftszeitung „RBC Daily“ schreibt. Eine Studie des Unternehmens ergab, dass der Rückgang des Marktwerts russischer Erdölunternehmen während des Erdölpreisabsturzes zwischen 2013 und 2016 siebenmal größer ausfiel als bei ihren ausländischen Wettbewerbern.

Die Ursache dieses dramatischen Wertverfalls sieht Kollek in den internationalen Sanktionen, die 2014 gegenüber Russland verhängt wurden. Ungeachtet dessen nimmt in Russland die Erdölförderung weiter zu: Im September erreichte sie mit 11,086 Millionen Barrel einen neuen Rekordwert. Dabei betrug der Free Cashflow der russischen Erdölunternehmen im vergangenen Jahr 65 Milliarden US-Dollar bei einem Preis von zehn US-Dollar pro Barrel über dem der ausländischen Konkurrenten. Trafigura hat sich seit der Einführung der Sanktionen zum größten Verkäufer russischen Erdöls im Westen entwickelt.

Größter Trader

2013 schloss Trafigura den ersten großen Vertrag auf dem russischen Erdölmarkt ab – ein Vorverkaufskontrakt über 1,5 Milliarden US-Dollar mit dem größten russischen Erdölunternehmen Rosneft – und wurde später mit einem Gesamtvolumen von einer Million Tonnen pro Monat nach China zum größten Einkäufer russischen Erdöls, berichtet die russische Wirtschaftszeitung „Wedemosti“.

Mehr noch: Trafigura überholte auf dem Weltmarkt Glencore und wurde nach Vitol der zweite unabhängige Erdöltrader der Welt. Im Juni dieses Jahres verkaufte das Unternehmen mehr als vier Millionen Barrel Erdöl und raffinierten Brennstoff pro Tag gegenüber 2,7 Millionen Barrel pro Tag im Vorjahr – vor allem dank der Zusammenarbeit mit Rosneft. Am Ende könnte das Unternehmen Marktführer beim Handel mit russischem Erdöl werden, noch vor der chinesischen Firma CNPC. Darüber hinaus gewann Trafigura im Juni einen Tender für den Abtransport von 200 000 bis 300 000 Tonnen Erdöl pro Monat bei Surgutneftegas, einem anderen großen Erdölunternehmen aus Russland.

Ungeachtet der Sanktionen arbeiten ausländische Unternehmen auch weiter mit der russischen Erdölindustrie zusammen, stellen Experten fest. „Die italienische Eni, die US-amerikanische ExxonMobil und die norwegische Statoil arbeiten in Russland mit Rosneft zusammen, mit dem größten privaten Erdgaserzeuger Novatek dagegen die französische Total und die chinesische CNPC. Keiner dieser Partner hat die Zusammenarbeit bislang beendet – die Sanktionen haben dies nicht verlangt“, sagt Georgij Wastschenko, Leiter der Verwaltung von Operationen auf dem russischen Fondsmarkt der Investmentgesellschaft Freedom Finance. Die asiatischen Akteure auf dem russischen Markt hätten, so ergänzt der Experte, gegenüber den Unternehmen aus dem Westen bislang das Nachsehen.