Reduzierte Ölförderung: Einigung der Opec-Länder dank Russland?

Opec-Einigung bringt Russland in gute Position.

Opec-Einigung bringt Russland in gute Position.

Reuters
Das Abkommen der Opec-Länder über eine reduzierte Ölförderung sei weitgehend von Russland inspiriert worden, glauben Experten. Im Laufe dieses Jahres hatten die russischen Behörden versucht, Saudi-Arabien und den Iran zu versöhnen. In jedem Fall aber profitiert die russische Erdölindustrie von der Einigung.

Die Opec-Entscheidung, die Ölförderung in den nächsten sechs Monaten zu drosseln, führte zu einer raschen Stabilisierung der russischen Währung. Gegenüber dem Dollar und dem Euro sei der Wert des Rubels um zehn Prozent gestiegen, berichtete die russische Geschäftszeitung „Kommersant“. 

Nach Angaben von „Reuters“ sei der Preis für russisches Öl der Marke Urals um neun Prozent auf 47,51 US-Dollar pro Barrel gestiegen. Es ist der höchste Wert seit dem 31. Oktober. Experten betonen, dass der Ölpreis und der Wert des Rubels nicht nur aufgrund der Opec-Entscheidung, sondern auch dank der Beteiligung Russlands steigen würden.

Welche Rolle spielte Russland bei der Einigung?

„Die Opec-Entscheidung kann man als historisch bezeichnen. Acht Jahre lang konnte sich die Organisation auf nichts einigen, zwei Jahre lang wurde ein Krieg um die Preise geführt", sagt Oleg Bogdanow, Analyst bei der Teletrade Group.  Russlands Rolle im Verhandlungsprozess sei schon immer groß gewesen. Möglich sei, dass die Gespräche zwischen Opec-Vertretern und dem russischen Energieminister Alexander Nowak Ende November 2016 für eine erfolgreiche Einigung in Wien verantwortlich waren, so Bogdanow.

Russland habe zudem zugestimmt, die Gewinnung bis auf 300 000 Barrel am Tag zu reduzieren. „Die Opec-Länder und Russland haben gezeigt, dass der Ölmarkt unter Kontrolle ist und man ihn je nach Lage der Weltwirtschaft anpassen kann", sagt Bogdanow.

„Im Laufe des Jahres haben Firmen das Produktionsvolumen erhöht, was einen weiteren Einbruch der Marktpreise aufgrund eines Überangebotes hervorrufen hätte können. Nach der Einigung kann man erwarten, dass das Rennen um Marktanteile aufhört und sich der Markt stabilisiert", sagt Andrei Kotschetkow, Analyst bei Otkrytije Broker.

Im Februar 2016 hatte Energieminister Alexander Nowak Saudi-Arabien, Katar und Venezuela vorgeschlagen, die Ölförderung auf dem Niveau von Januar einzufrieren, sollten sich andere Gewinnungsländer an der Initiative beteiligen. Saudi-Arabien war gegen das Abkommen, da sich der Iran weigerte, die Produktionsmenge ebenfalls einzufrieren. Nach der Aufhebung der Sanktionen versuchte das Land, Marktanteile zurückzugewinnen. So plante der Iran, die Förderung von 1,5 Millionen auf zwei Millionen Barrel täglich zu erhöhen. Im Interview mit der Agentur „Bloomberg“ im September 2016 sagte Präsident Wladimir Putin, dass man die Förderung auch ohne den Iran einfrieren werde können.

Staaten außerhalb der Opec könnten profitieren

Die jetzige Entscheidung der Opec, die Quote zu reduzieren, bietet für Russland sogar noch bessere Bedingungen, da man formell nicht dazu verpflichtet ist, die eigenen Fördermengen zu reduzieren. „Im Moment liegt Russland im grünen Bereich, da die Preise und das Exportpotenzial steigen", sagt Sergej Koslowski, Leiter der analytischen Abteilung bei Grand Capital.

Der Anstieg der Preise auf 53 bis 55 US-Dollar pro Barrel werde Ölproduzenten außerhalb der Opec dazu bringen, die Förderung zu erhöhen, glaubt Iwan Kapitonow, Hochschuldozent für Unternehmensführung an der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Staatsdienst beim Präsidenten Russlands (RANEPA). Die Hoffnungen, dass Unternehmen aufgrund der niedrigen Preise bankrottgingen, hätten sich nicht bestätigt. Bei wachsenden Ölpreisen würden zudem neue Förderstätten an den Markt herangeführt werden.

Als der Ölpreis im Oktober auf mehr als 45 US-Dollar stieg, habe man eine rasche Zunahme von Bohranlagen in den USA beobachten können. Das spreche indirekt für die Eröffnung neuer Bohrlöcher. So sei die Anzahl von Bohranlagen in den USA im Oktober 2016 von 509 im Vormonat auf 544 gestiegen. Im August waren es noch 464 gewesen, 247 Anlagen weniger als im Oktober des vergangenen Jahres. "Deshalb sind in den nächsten drei bis vier Monaten sowohl eine Verteuerung als auch eine erhöhte Förderung in den USA zu erwarten, die aufgrund des Preisanstiegs auf mehr als 52 US-Dollar pro Barrel noch weiter steigen wird", so Kapitonow. Das werde in Zukunft wiederum zu weiteren Preisrückgängen führen.