Überraschungs-Deal: Schweizer Konzern kauft Rosneft-Anteile

Wladimir Putin und Igor Setschin.

Wladimir Putin und Igor Setschin.

Alexei Druzhinin/RIA Novosti
19,5 Prozent der Rosneft-Aktien wurden an den Schweizer Rohstoffhandelskonzern Glencore und Katars Staatsfond Qatar Investment Authority verkauft. Das größte Ölunternehmen des Landes bleibt aber unter staatlicher Kontrolle.

Die Entscheidung kam überraschend: 19,5 Prozent des größten staatlichen Ölunternehmens Rosneft sollen an den Schweizer Rohstoffhandelskonzern Glencore und den Staatsfond von Katar, Qatar Investment Authority, verkauft werden. Die Summe des Deals beläuft sich auf 10,5 Milliarden Euro. Das gab Russlands Präsident Wladimir Putin im Rahmen eines Treffens mit dem Vorsitzenden des Unternehmens Igor Setschin bekannt, wie der Pressedienst des Kremls mitteilte.

Eigentlich galten chinesische und indische Investoren als potenzielle Käufer der Anteile, diese forderten jedoch ein Mitspracherecht im Management von Rosneft. Der Ölkonzern war zudem nur mit der Option, eigene Aktien zurückkaufen zu können, einverstanden. Das lehnte aber der ehemalige Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Alexei Uljukajew, ab. Uljukajew war im November wegen des Verdachts auf der Erpressung von Rosneft festgenommen worden.

„Schon der Abschluss eines solchen Deals zeigt, dass sich ausländische Investoren für die russischen Öl- und Gasanteile interessieren. Das spricht auch für die allgemeine und strategische Investitionsattraktivität des russischen Aktienmarktes für die größten ausländischen Investoren“, kommentiert Dmitri Bedenkow, Leiter der analytischen Abteilung von Russ-Invest, den Verkauf.

„Rosneft hat das Unmögliche geschafft“

Nach dem Abschluss bleiben 50 Prozent plus drei Aktien in staatlichem Besitz. Der wichtigste europäische Partner, das britische Unternehmen BP, verfügt über 19,5 Prozent, jeweils 9,75 Prozent besitzen nun Qatar Investment Authority und Glencore. Die übrigen Aktien verbleiben an der Börse.

„Angesichts der aktuellen Lage hat das Management von Rosneft etwas beinahe Unmögliches geschafft, nämlich Investitionen aus dem Ausland anzuziehen. Das hat niemand für möglich gehalten, insbesondere nicht zu den gewünschten Bedingungen“, meint Alexei Kalatschow, Analyst und Experte von Finam.

Tatsächlich sei der geforderte Preis bezahlt worden, bemerkt Daniil Kirikow, Verwaltungspartner der Kirikov Group. Zwar seien die Aktien etwa rund 200 Millionen Euro unter dem Marktwert verkauft worden, fügt der Experte hinzu, doch man habe sich auf den zuvor fixierten Mindestpreis einigen können. Zudem erhalte Rosneft Portfolio-Aktionäre, die sich nicht in die Geschäftsführung des Unternehmens einmischen werden.

Die Wahl der Käufer sei optimal für die Führung des Unternehmens, betont auch Konstantin Buschujew, Leiter der analytischen Marktabteilung von Otkrytije Broker. Glencore habe bereits Erfahrung mit russischen Öllieferanten und sei am Förderzuwachs durch Rosneft interessiert. Zudem sei der Staatsfond von Katar ein traditioneller Portfolio-Investor, der keinen Anspruch auf die Verwaltung der gekauften Unternehmen hege. „Chinesische und indische Unternehmen hingegen fordern ein Mitspracherecht bei der Unternehmensführung. Für das Management von Rosneft sind solche Bedingungen natürlich weniger wünschenswert“, sagt Buschujew.

Entlastung für die Staatskasse

Dank diesem Deal verringert sich das Defizit des russischen Staatshaushalts auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Andernfalls wäre es größer ausgefallen. „Ausländische Investoren sind immer gut für russische Aktien. In diesem Fall geht es um Finanzen aus dem Westen, was vor dem Hintergrund der Sanktionen besonders bemerkenswert ist“, hebt Georgi Waschenko, Leiter der Operationsführung auf dem russischen Aktienmarkt bei Freedom Finance, hervor.

Noch vor einem Jahr habe der Kreml gehofft, mit dem Verkauf der Aktien 500 Milliarden Rubel (7,5 Milliarden Euro) zu erhalten, erinnert Daniil Kirikow. Nun sind es 200 Milliarden mehr und nicht nur das: Als zusätzlichen Bonus habe Glencore einen Fünfjahresvertrag über Öllieferung angeboten. Der Gesamtwert des Vertrags könne bis zu 20 Milliarden US-Dollar betragen, fügt Kirikow hinzu.

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