Russlands Wirtschaft im Jahr 2016: Geschichten von Skandalen und Erfolgen

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Auch wenn die wirtschaftliche Jahresbilanz traditionell im Februar gezogen wird, wenn alle statistischen Werte vorliegen, bietet RBTH schon jetzt eine Übersicht der wichtigsten Ereignisse des vergangenen Jahres in der russischen Wirtschaft. Neben vielen positiven Entwicklungen gab es auch einen handfesten Skandal zu vermelden.

1. Russland stimmt Reduzierung der Ölförderung zu

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Erstmals seit vielen Jahren erklärten sich die russischen Behörden bereit, die Ölförderung auf 300 000 Barrel am Tag zu reduzieren. Diese Entscheidung war Voraussetzung für die Vereinbarung zwischen Opec-Staaten und den nicht zum Kartell gehörenden ölfördernden Ländern, die Anfang Dezember 2016 getroffen wurde. Ein dafür errichtetes Komitee soll sicherstellen, dass jedes Land seine Verpflichtungen erfüllt.

Russland entschied sich für diese Maßnahme, obwohl es im Land kein staatliches Monopol auf Ölförderung gibt. Fossile Brennstoffe werden von einigen Unternehmen gewonnen, von denen nur ein Teil vom Staat kontrolliert wird. Alle Akteure auf dem russischen Ölmarkt erklärten sich dennoch bereit, die Förderung zu reduzieren. Auf diese Weise wollen sie eine Preiserhöhung erreichen.

2. Moskau kehrt auf den internationalen Finanzmarkt zurück

/ Sergey Kuznetsov/RIA Novosti/ Sergey Kuznetsov/RIA Novosti

Im vergangenen Jahr platzierte das russische Finanzministerium Staatsanleihen in Höhe von drei Milliarden US-Dollar am Finanzmarkt. Die erste Tranche im Wert von 1,75 Milliarden US-Dollar wurde im Mai ausgegeben, die zweite in Höhe von 1,25 Milliarden US-Dollar im September. Der Staat verkaufte die Anleihen bewusst an ausländische und nicht an nationale Investoren. Es gab keine russischen Käufer.

Bei jeder der Ausgaben überschritt das Interesse der Anleger die Marke von sieben Milliarden US-Dollar. Zu den Käufern gehören Investoren aus Großbritannien, den USA und asiatischen Ländern. Das Finanzministerium glaubt deshalb, dass russische Anleihen trotz der Sanktionen auch weiterhin für ausländische Investoren interessant blieben.

Russland kehrte damit erstmals seit Herbst 2013 an die internationalen Kapitalmärkte zurück. Das Land sagte zudem zu, dass der Erlös nicht dafür verwendet werde, um Unternehmen und Personen zu helfen, die auf Sanktionslisten der EU und der USA stünden.

3. Erste Deflationsphase seit fünf Jahren

Ein Supermarkt in Sankt Petersburg / EPAEin Supermarkt in Sankt Petersburg / EPA

Erstmals seit fünf Jahren wurde in Russland eine, wenn auch kleine, Deflation notiert. Die Preise für Konsumgüter fielen in der ersten Augustwoche um 0,1 Prozent. Zuletzt war dies im September 2011 der Fall gewesen. Im Jahr 2015 hatte die Inflationsrate noch 12,9 Prozent betragen.

Der sinkende Inflationsdruck ist eine gute Nachricht für die russische Wirtschaft. Er könnte zu einer schnelleren Überwindung der hohen Inflation auf das von der Zentralbank für das Jahr 2017 definierte Ziel von vier Prozent führen. Diese Marke setzte sich die russische Zentralbank Ende 2014, als sie die Regulierung der nationalen Währung aufgab und der Rubel so die Hälfte seines Wertes im Vergleich zum US-Dollar und dem Euro verlor.

4. Russland steigt um elf Plätze im Doing-Business-Ranking

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Im Jahr 2016 konnten sich Russland im Weltbank-Ranking „Doing Business“ deutlich verbessern. Laut den im November veröffentlichten Ergebnissen kletterte Russland vom 51. auf den 40. Rang. Das Ranking bewertet die Qualität des nationalen Geschäftsumfeldes und die Anzahl der bürokratischen Hürden für die Wirtschaft.

Nach Angaben der Weltbank habe Russland die bürokratische Belastung für das Unternehmertum deutlich reduziert. Russland gehöre so zu den Top-5-Reformländern. Einfache Verfahren beim Anschluss von Stromnetzen, der Registrierung von Eigentum und der Vertragsausführung seien unter den wichtigsten Vorteilen Russlands.

Die russischen Behörden hatten sich für das Ranking „Doing Business“ als wichtigstem Indikator zur Bestimmung des Geschäftsumfeldes im Land entschieden.

5. Staat verkauft Rosneft-Anteile an ausländische Investoren

Igor Setschin. / TASSIgor Setschin. / TASS

Um das Haushaltsdefizit zu reduzieren, verkauften die russischen Behörden 19,5 Prozent der Anteile des größten staatlichen Ölunternehmens Rosneft. Käufer sind der Schweizer Rohstoffhandelskonzern Glencore und der Staatsfond von Katar, die Qatar Investment Authority. Der Preis des Aktienpaketes belief sich auf zehn Milliarden Euro.

Für Marktteilnehmer kam die Vereinbarung überraschend. Eigentlich galten chinesische und indische Investoren als potenzielle Käufer der Anteile, diese forderten jedoch ein Mitspracherecht im Management von Rosneft. Das Unternehmen war zudem nur unter der Bedingung mit dem Verkauf einverstanden, Anteile zurückkaufen zu können.

Nach dem Abschluss bleiben 50 Prozent plus drei Aktien in staatlichem Besitz. Der wichtigste europäische Partner, das britische Unternehmen BP, hält 19,5 Prozent, jeweils 9,75 Prozent besitzen nun die Qatar Investment Authority und Glencore. Die restlichen Aktien verbleiben im freien Handel.

6. Gericht lässt Minister für wirtschaftliche Entwicklung verhaften

Alexei Uljukajew / Kremlin.ruAlexei Uljukajew / Kremlin.ru

Im November 2016 wurde der Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Alexei Uljukajew, unter Hausarrest gestellt. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden habe er Schmiergelder in Höhe von zwei Millionen US-Dollar von Rosneft erpresst, um die Übernahme des Konkurrenten Baschneft nicht zu behindern. Der Minister bestreitet die Vorwürfe.

Uljukajew galt als einer der angesehensten Ökonomen des Landes. In der Vergangenheit arbeitete er eng mit Jegor Gaidar zusammen und war einer der Autoren der liberalen Wirtschaftsreformen der frühen 1990er-Jahre. Danach arbeitete er am Institut für Übergangswirtschaft, das von Gaidar gegründet wurde.

Nachdem Uljukajew unter Hausarrest gestellt wurde, ernannte der russische Ministerpräsident Maxim Oreschkin zum neuen Minister für wirtschaftliche Entwicklung. Dieser war zuvor stellvertretender Finanzminister. Er versprach, für Wirtschaftswachstum zu sorgen.