Internationale Fluggesellschaften: „Russen reisen wieder mehr ins Ausland“

Nach mehreren schwierigen Jahren erholt sich das Russland-Geschäft wieder.

Nach mehreren schwierigen Jahren erholt sich das Russland-Geschäft wieder.

Dmitry Serebryakov/TASS
Air France-KLM und die Lufthansa Group berichten über ein zunehmendes Passagieraufkommen für Reiseziele im Ausland. Einer der Gründe dafür sei die Stabilisierung des Rubels im vergangenen Jahr, vermuten die Fluggesellschaften.

Internationale Fluggesellschaften schicken sich an, die wegen der Wirtschaftskrise und den Sanktionen verlorengegangenen Marktanteile in Russland zurückzugewinnen. Air France-KLM und die Lufthansa Group verzeichneten ein steigendes Passagieraufkommen und eine zunehmende Flugauslastung. 

„Air France-KLM registrierten 2016 eine Steigerung des Passagieraufkommens aus Russland, die mit einer zugenommenen Nachfrage und einigen Veränderungen im Laufe des Jahres einherging“, sagte Yoram Franzen, kaufmännischer Geschäftsführer der Air France-KLM-Vertretung in Russland und den GUS-Ländern. „Die Stabilisierung des Rubels im Jahr 2016 hat zu einer besseren, leicht gestiegenen Nachfrage beigetragen, obwohl dies natürlich hauptsächlich vom Reiseziel abhängt”, erklärte Franzen. 

Auch bei der Lufthansa Group geht es aufwärts: 2016 habe das Passagieraufkommen der Fluggesellschaft im Vergleich zum Vorjahr eine bessere Dynamik gezeigt, sagte Axel Hilgers, Regionalleiter der Lufthansa Group in Russland und den GUS-Ländern. Laut Hilgers verzeichnete man ein besseres Passagieraufkommen und eine steigende Flugauslastung für alle Reiseziele, die die Lufthansa Group anfliegt. „Das Wachstum ist eher mittelmäßig, aber es ist ein Schritt nach vorne”, sagte Hilgers, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Auch der nahöstliche Billigflieger Flydubai verzeichnete bessere Werte: Im Interview mit der Zeitung „Kommersant“ sagte ein Sprecher, dass die Fluggesellschaft 2016 eine Steigerung des Passagieraufkommens um drei Prozent registriert habe.

Nur wenige Reiseziele zeigen Wachstum

Es sei zu früh, um von einer allgemeinen Tendenz zu sprechen, warnen Marktexperten. „Man kann nicht sagen, dass internationale Fluggesellschaft insgesamt viel mehr nach oder aus Russland fliegen”, meint Julia Domratschjowa, PR-Managerin bei Aviasales, dem größten russischen Portal für die Flugticketsuche. Laut ihren Angaben blieb der Anteil der internationalen Fluggesellschaften bei Flügen aus dem Ausland nach Russland konstant. Einen Unterschied gegenüber dem Beginn des letzten Jahres könne man nicht verzeichnen.

Aviasales gibt jedoch zu, dass der Anteil der internationalen Fluggesellschaften bei Flügen in GUS-Länder zugenommen habe. Laut Angaben des Unternehmens stieg der Anteil bei Reisen nach Moldawien vom Beginn des Jahres bis zum Sommer 2016 von 40 auf 60 Prozent. Derzeit betrage er 50 Prozent. Eine ähnliche Dynamik habe man auch bei Flügen nach Kasachstan wahrnehmen können, obwohl die Veränderungen im Markt eher unerheblich seien: Von Anfang 2016 bis Februar 2017 habe sich der Anteil internationaler Fluggesellschaften von 38 auf 45 Prozent gesteigert. Die gleiche Tendenz könne man auch bei Flügen aus Russland nach Usbekistan feststellen: Dort sei der Anteil von 40 auf 60 Prozent gestiegen.  

Auch russische Fluggesellschaften konnten Steigerungen verzeichnen: Ihr Passagieraufkommen habe im Januar 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent zugenommen, erzählte der Leiter der Föderalen Agentur für Lufttransport Alexander Neradko während einer Pressekonferenz auf der Fachmesse „NAIS-2017“. Bei internationalen Flügen sei das Passagieraufkommen um 25 Prozent auf 2,5 Millionen Passagiere gewachsen. Bei Inlandsflügen sei ein Wachstum um mehr als 22 Prozent auf 4,3 Millionen Passagiere verzeichnet worden. Im vergangenen Monat hätten Aeroflot, Sibir und UTair, die zu den Top-20 der russischen Fluggesellschaften gehören, gar ein Wachstum von mehr als 40 Prozent verzeichnet. Insgesamt nahm das Passagieraufkommen russischer Fluggesellschaften im vergangenen Jahr kontinuierlich ab. Lediglich im Oktober 2016 kehrte der Markt auf den Wachstumspfad zurück, als das Passagieraufkommen um vier Prozent zunahm.

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