Umfrage: Russen glauben nicht an ehrliche Geschäftswelt

Artem Zhitenev/RIA Novosti
Den Russen mangelt es an Unternehmergeist, wie eine Umfrage des Allrussischen Meinungsforschungszentrums WZIOM zeigt. Dabei ist die Bereitschaft zur Unternehmensgründung grundsätzlich vorhanden, doch viele schrecken vor den strukturellen Bedingungen zurück.

Die Mehrheit der Russen ist einer Geschäftstätigkeit gegenüber zwar grundsätzlich positiv eingestellt, kann sich aber nicht vorstellen, selbst ein Unternehmen zu führen. Das geht aus einer aktuellen WZIOM-Umfrage hervor. Der Grund für den mangelnden Unternehmergeist basiert wohl auf der Überzeugung, dass es in Russland nicht möglich sei, eine Firma ehrlich und transparent führen zu können. Diese Überzeugung teilten 56 Prozent der Befragten.

Dabei sind der Umfrage zufolge Männer im Gegensatz zu Frauen eher bereit, Risiken einzugehen. Nur 14 Prozent der Befragten gab an, selbst Privatunternehmer zu sein. Von den übrigen Befragten seien 14 Prozent in der Vergangenheit unternehmerisch tätig gewesen. Insbesondere bürokratische Hürden und hohe Steuern stehen einer Selbstständigkeit offenbar im Weg: Für 46 Prozent der Befragten sind das die größten Probleme für Unternehmer.

So lässt sich die Tatsache erklären, dass die Mehrheit der Russen Steuerhinterziehung nicht verwerflich findet. 29 Prozent der Befragten zeigten Verständnis für Kleinunternehmer, die ihr Einkommen verbergen. Acht Prozent sagten, dass sie an ihrer Stelle dasselbe tun würden. 

Ältere Berichte vom Rückgang des Kleinunternehmertums in Russland seit dem Jahr 2010 scheinen die Ergebnisse der WZIOM-Umfrage zu bestätigen. Auch eine frühere Umfrage des Lewada-Zentrums stärkt dieses Bild: Demnach glauben etwa 70 Prozent der Russen nicht daran, dass es in Russland möglich sei, mehrere Millionen Rubel auf ehrliche Art und Weise zu verdienen.

 

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