Immer mehr Russen informieren sich über Finanzprodukte

Peter Kovalev/TASS
Wie russische Banken berichten, informieren sich ihre Kunden immer besser über Finanzprodukte. Eine Folge der anhaltenden Wirtschaftskrise, glauben Experten: Viele Russen würden mit ihren Ersparnissen nun umsichtiger umgehen.

Immer mehr Russen lassen sich von Banken zu deren Angeboten an Konten und Bankkarten sowie Krediten beraten, wie die Zeitung „Iswestija“ berichtet. Demnach verzeichneten die großen Banken in Russland im vergangenen Jahr eine steigende Anzahl von Kundenanrufen und eine längere Dauer dieser Anrufe.

So sei die Anzahl der Anrufe bei der VTB24, eines der größten russischen Kreditinstitute, um 20 Prozent auf 22 Millionen gestiegen. Kleinere Banken beobachteten der „Iswestija“ zufolge einen ähnlichen Trend: Die Anzahl der Anrufe bei der Binbank sei um 150 Prozent auf 6,5 Millionen und bei der Rosselchosbank um 80 Prozent auf 2,6 Millionen gestiegen.  

Die anhaltende Finanzkrise veranlasse die Bürger zu einem vorsichtigeren Umgang mit ihren Ersparnissen, glauben von RBTH befragte Experten. „In turbulenten Zeiten ist es für Verbraucher typisch, zu sparen. In solchen Zeiten sind Sparprodukte und Konten sehr gefragt“, erklärte Anna Zwetkowa, Leiterin von Kreditprodukten bei der Citibank, in einem Gespräch mit RBTH.

Das gestiegene Wissen um Finanzprodukte sei zudem mit dem technologischen Fortschritt bei den Banken verbunden, fügte Stanislaw Nowikow, Geschäftsführer der Privatbank BCS, hinzu. „Die Banken von heute bieten neue Möglichkeiten, zum Beispiel kann ein Konto online eröffnet werden oder es kann per App bezahlt werden. Das weckt das Interesse für Bankdienstleistungen“, sagt Nowikow.

Die Verbesserung des Wissens der Bevölkerung und die Popularisierung von Bankprodukten seien ein Trend, der vor allem für Millionenstädte mit hohem Einkommen typisch ist, glaubt Julia Makarenko, Leiterin für Marktforschung bei der OTP Bank. „In kleineren Städten sind die Einkommen der Kunden und die Verfügbarkeit von verschiedenen Dienstleistungen relativ niedrig“, ergänzte sie.

So sei das durchschnittliche Einkommen in kleineren Städten mit weniger als 100 000 Einwohnern etwa 30 Prozent geringer als in den Millionenstädten. Deshalb gebe es in den kleineren Städten eine höhere Nachfrage nach Mikrokrediten sowie Betreuung an Bankschaltern.

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