Erfolg für Gazprom: Europäische Konzerne finanzieren Nord Stream 2

Der russische Gaskonzern kann die Pipeline endlich bauen.

Der russische Gaskonzern kann die Pipeline endlich bauen.

ZUMA Press/Global Look Press
Der Bau von Nord Stream 2 ist gesichert – der russischer Energieriese Gazprom hat einen Weg gefunden, Streitigkeiten mit einigen Ländern der Europäischen Union zu umgehen. Auch zwei deutsche Konzerne finanzieren die Pipeline mit.

Gazprom hat einen Weg gefunden, um eine ausländische Finanzierung für den Bau des Projekts „Nord Stream 2“ zu finden, ohne die Anforderungen der polnischen Wettbewerbsbehörde (UOKiK) berücksichtigen zu müssen. 50 Prozent der Kosten für die Pipeline Nord Stream 2 tragen nun die Energiekonzerne Engie aus Frankreich, OMV aus Österreich, Royal Dutch Shell aus Großbritannien und den Niederlanden sowie Uniper und Wintershall aus Deutschland. Der russische Gasriese bestätigte die Unterzeichnung eines entsprechenden Abkommens am Montag.

„Das ist ein Durchbruch. Die Bestätigung der ausländischen Beteiligung an diesem Projekt ist eine wichtige finanzielle Grundlage für das Projekt, das voraussichtlich Ende 2019 abgeschlossen sein wird“, sagte Gazprom-Chef Alexei Miller sichtlich erfreut der Nachrichtenagentur Reuters.

Im Sommer vergangenen Jahres hatte sich die polnische Wettbewerbsbehörde gegen den Bau der Pipeline ausgesprochen und Verhandlungen verweigert. Sie begründete ihre Entscheidung damit, dass Gazprom auf dem europäischen Markt zusätzlich gestärkt werde. Polen wurde daraufhin von der Ukraine und später von Dänemark unterstützt. Letzteres sah seine nationale Sicherheit bedroht. Aus diesem Grund verzichteten die EU-Partner auf die Anteile dieser Länder. Andernfalls hätten sie die Genehmigung ihrer nationalen Behörden benötigt, was den Bau hätte verzögern können.

Finanzierung statt Kapitalbeteiligung

Ursprünglich war geplant, dass die europäischen Partner Aktionäre der Nord Stream 2 AG werden. Sie hätten jeweils zehn Prozent der Anteile kaufen sollen, während Gazprom 50 Prozent an den Aktien gehalten hätte. Nach dem neuen Vertrag bleibt Gazprom der einzige Aktionär der Nord Stream 2 AG. Jedes Unternehmen ist gemäß Vertrag verpflichtet, bis zu 950 Millionen Euro im Rahmen einer langfristigen Finanzierung zu stellen. Die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf 4,75 Milliarden Euro – die Hälfte der geschätzten Kosten der Pipeline.

Statt über eine Kapitalbeteiligung wird der Bau der Gasleitung nun also finanziert. „Nachdem Polen das Projekt ablehnte, musste eine andere Möglichkeit für die Umsetzung gefunden werden. Am logischsten war es, die Mittel bereitzustellen, ohne den Bau zu verzögern. Die anderen Angelegenheiten wie Einschränkungen sowie Einstiegsmöglichkeiten können auch zu einem späteren Zeitpunkt besprochen werden“, erklärt Igor Juschkow, Direktor der Stiftung für nationale Energiesicherheit, im Gespräch mit RBTH.

„Wir helfen nun, das Projekt zu finanzieren, weil wir immer noch an seine Bedeutung für Deutschland und Europa glauben. Wir sind nicht als Projektpartner involviert, kooperieren aber finanziell mit Nord Stream 2“, sagte Georg Oppermann, Pressesprecher von Uniper.

Vorteile für europäische Unternehmen

Das Projekt soll laut der gemeinsamen Pressemitteilung „dazu beitragen, mittel- und langfristige Sicherheit der Energieversorgung, insbesondere vor dem Hintergrund der erwarteten rückläufigen europäischen Produktion, zu gewährleisten“.

„Das europäische Gas, einschließlich in Großbritannien und der Nordsee, wird bei steigender Nachfrage nicht ausreichen und mit der Zeit schwinden“, erklärte Georg Oppermann. Die Beteiligung an Nord Stream 2 sei ein Versuch der europäischen Konzerne, die Beschaffung von Gas zu diversifizieren. Das werde zu einer sicheren Gasversorgung beitragen.

Die Versorgungssicherheit sei aber nicht der einzige Vorteil für die europäischen Partner von Gazprom, fügt Igor Juschkow hinzu. „Gazprom wird das Darlehen inklusive Zinsen zurückzahlen. Zudem wird es für sie sicher vertraglich vereinbarte Ermäßigungen geben“, erläutert der Experte. Für Deutschland sei Nord Stream 2 vor allem deshalb interessant, da das Land zum größten Gas-Netzknoten der EU werde, ergänzt Juschkow.

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