Forschungslabors als Goldesel der Universität

Vor 55 Jahren wurde die Russische Universität der Völkerfreundschaft (RUDN) gegründet – für die Ausbildung der Eliten der mit der Sowjetunion befreundeten Länder.

Vor 55 Jahren wurde die Russische Universität der Völkerfreundschaft (RUDN) gegründet – für die Ausbildung der Eliten der mit der Sowjetunion befreundeten Länder.

Pressebild
Die Russische Universität der Völkerfreundschaft war einst die Eliteschmiede für den wissenschaftlichen Nachwuchs sozialistischer Bruderländer. Den Untergang der UdSSR hat die Hochschule nicht nur unbeschadet überstanden, sie konnte auch weiter wachsen.

Vor 55 Jahren wurde die nach dem ersten Premierminister der Demokratischen Republik Kongo Patrice Lumumba benannte Universität der Völkerfreundschaft gegründet – für die Ausbildung der Eliten der mit der Sowjetunion befreundeten Länder. Auch nach dem Zerfall der UdSSR konnte die nun in Russische Universität der Völkerfreundschaft (RUDN) umbenannte Hochschule ihre gute Stellung behaupten und die internationalen Beziehungen aufrechterhalten. Unter den neuen marktwirtschaftlichen Bedingungen konnte sie ihr eigenes Profil herausbilden.

Seit 1993 ist Wladimir Filippow, der von 1999 bis 2004 auch russischer Bildungsminister war, Rektor der Universität. Im Gespräch mit RBTH hebt er die erfolgreiche Drittmittelwerbung der Hochschule hervor: „Unser jährliches Budget beträgt 6,5 Milliarden Rubel (rund 93 Millionen Euro). Vom Staat werden 2,35 Milliarden Rubel (33,5 Millionen Euro) überwiesen, 1,3 Milliarden (18,5 Millionen Euro) davon müssen wir als Steuer zurückzahlen. Somit finanziert uns der Staat mit rund einer Milliarde Rubel (15 Millionen Euro)“, schlüsselt er auf.

Seit der Sowjetzeit ist die Zahl der Studierenden um das Fünffache gestiegen. Damals gab es etwa 5 700 Studenten aus 109 Ländern, heute studieren 28 000 junge Menschen aus 152 Ländern an der Hochschule. Pro Jahr gibt es rund 5 700 Absolventen.

Ein Teil der Haushaltsmittel stammt aus dem Transfer angewandter Technologien. Jedoch gibt es an der Universität keine zentrale Einrichtung, die die Forscher bei der Akquirierung von privaten Fördermitteln unterstützt. An anderen russischen Hochschulen gibt es dagegen entsprechende Institutionen, so beispielsweise an der Lobatschewski-Universität in Nischnij Nowgorod oder an der Föderalen Universität Ural in Jekaterinburg.

An der RUDN übernehmen die Lehrstühle, Laboratorien und Forschungszentren diese Aufgabe selbst. In den vergangenen fünf Jahren wurden 45 wissenschaftliche Bildungszentren, 150 Laboratorien für Forschung und Bildung, zwei Zentren für gemeinsame Nutzung und ein wissenschaftliches Nanotechnologie-Bildungszentrum an der Hochschule gegründet. So können junge Wissenschaftler auf die Hochschulinfrastruktur zurückgreifen, um ihre Forschungsergebnisse praktisch anzuwenden.

Am erst 2011 eingerichteten Lehrstuhl für Pflanzengenetik und Pflanzenschutz werden die Studenten von Beginn ihres Studiums an in die Forschung mit einbezogen, wie der Institutsdirektor Sergej Kornazkij erklärt.

So bilden Wissenschaft, Forschung und Produktion eine Einheit. Neben der Erfüllung seines Lehr- und Forschungsauftrags unterhält der Lehrstuhl auch Verträge mit der Wirtschaft. Der wichtigste Partner ist der in Russland größte Produzent von Walderdbeeren – die Lenin-Sowchose in der Region Moskau. Für diesen Kunden werden an der Universität Mutterpflanzen herangezüchtet, die bei dem landwirtschaftlichen Produzenten später zur Massenvermehrung verwendet werden. „Dadurch erhalten sie eine Ernte von 15 bis 20 Tonnen Beeren je Hektar bei einer Gesamtsaatfläche von 100 Hektar“, sagt Kornazkij.

Platz zwei bei Patentanmeldungen

An der ingenieurwissenschaftlichen Fakultät ist ein Entwicklungsbüro entstanden. Hier entwerfen Studierende Baukonzepte und bieten dabei ausgefallene architektonische Lösungen an. Über 30 Prozent der Studierenden kommen aus dem Ausland.

Auf die Forschungsarbeit in den wissenschaftlichen Bildungszentren und den Zentren zur gemeinsamen Nutzung werden die Nachwuchswissenschaftler gründlich vorbereitet. Im Laboratorium für industrielle pharmazeutische Technologie, das für die Medikamentenherstellung lizenziert und mit deutscher Technik ausgerüstet ist, werden Innovationspräparate für den russischen Binnenmarkt hergestellt.  

Laborleiterin Julia Obidtschenko sagt, ihre Einrichtung kooperiere mit russischen Substanzherstellern und plane, in den kommenden ein bis zwei Jahren neue Pharmazeutika auf den Markt zu bringen. „Aktuell entwickeln wir zwei eigene Formen von Medikamenten. Zudem läuft im Auftrag eines russischen Produzenten die Entwicklung eines transdermalen Pflasters“, erklärt sie.

„Im Labor arbeiten keine Studienanfänger, weil ihre Erfahrung für die Arbeit an diesen Geräten unzureichend ist. Hier arbeiten Masterstudenten, Doktoranden und bereits promovierte Wissenschaftler. Sie haben eine genauere Vorstellung davon, was für die Entwicklung und die Markteinführung von Medikamenten erforderlich ist“, berichtet Obidtschenko.

Diesem Bildungsmodell ist es zu verdanken, dass die RUDN zahlreiche Erfolge in unterschiedlichen Bereichen verzeichnen kann. Laut Thomson Reuters lag die Universität in den Jahren 2002 bis 2012 auf Platz zwei bei der Zahl der Patentanmeldungen. Platz eins nimmt der russische Atomenergiekonzern Rosatom ein, auf Platz drei liegt das russische Industrieministerium. Zudem beteiligt sich die Hochschule an einer Ausarbeitung der Strategie für die russische Weltraumbranche.

Info:

Mehr als 90 Absolventen arbeiten in 200 Ländern der Welt.

130 Doppelabschlussprogramme. 250 Kooperationsvereinbarungen mit ausländischen Hochschulen.

Russlandweit führend bei der Anzahl ausländischer Studierender.

34 Prozent sind ausländische Studierende aus 152 Ländern.

12 Fremdsprachen, Übersetzerdiplome für Studierende aller Fachrichtungen.

 

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland