Konkurrenz für die F-35: Russland präsentiert neuen Checkmate-Kampfjet

Wissen und Technik
NIKOLAJ SCHEWTSCHENKO
Der neue russische Kampfjet soll Abnehmer in Afrika, dem Nahen Osten, Indien, Vietnam und Lateinamerika finden.

Das neue leichte einmotorige Kampfflugzeug der fünften Generation mit dem Namen „Checkmate" wurde am 20. Juli in Russland vorgestellt. Das staatliche russische Industrieunternehmen Rostec enthüllte einen Prototyp des Jets während des Luft- und Raumfahrtsalons MAKS X 2021, der vom 20. bis 25. Juli in der Nähe von Moskau stattfand. Das Projekt war bis dahin geheim gehalten worden.

„Checkmate" ist in erster Linie für den Export in die Märkte des Nahen Ostens, Lateinamerikas, des asiatisch-pazifischen Raums und Afrikas bestimmt.  

Der Konkurrent der F-35

„Checkmate" wurde vom Unternehmen Suchoi, das zur russischen United Aircraft Corporation (im Besitz von Rostec) gehört, entwickelt und basiert auf der Technologie, die für den Bau eines der modernsten russischen Kampfjets, der Suchoi Su-57, genutzt wurde.

„Der ‚Checkmate'-Jet wurde auf der Grundlage der neuesten wissenschaftlichen und technischen Erkenntnisse und unter umfassender Anwendung von Supercomputertechnologien entwickelt, die beim Bau des Su-57-Kampfjets der fünften Generation gewonnen wurden, erklärt der leitende Konstrukteur Michail Strelez. 

Im Gegensatz zur schwereren, zweistrahligen Su-57 ist „Checkmate" als leichter, einstrahliger Kampfjet eingestuft, vergleichbar mit der US-amerikanischen F-35 oder dem schwedischen Saab JAS 39 „Gripen".

Die Konstrukteure des neuen „Checkmate"-Jets nennen als Hauptvorteil gegenüber der US-amerikanischen F-35 die niedrigeren Betriebs- und Wartungskosten.

„Sie werden sechs- bis siebenmal niedriger sein als die der F-35 und vergleichbar mit denen des „Gripen' NG", sagten die Flugzeugkonstrukteure gegenüber der Nachrichtenagentur „RBK“.

Während die Kosten der F-35 pro Flugstunde bei etwa 28.000 Euro liegen, wird der russische Jet voraussichtlich nur 4.200 Euro pro Flugstunde kosten, was „Checkmate" zu einer attraktiven Alternative für Länder macht, die ihre Flotte mit den neuesten Kampfjets aufrüsten und dabei auch noch Geld sparen wollen. 

Der russische Jet soll auch viel billiger sein als die F-35, deren Kosten sich auf etwa 80 Millionen Dollar pro Jet belaufen. 

„Dies ist ein leichtes Kampfflugzeug der fünften Generation. Es gibt folgende ausländische Analoga: die F-35, ‚Gripen' und „Rafale'. Wir haben angestrebt, ein sehr günstiges und zugleich effizientes Flugzeug zu entwickeln. Ich hoffe, dass wir einen Preis von 25 bis 30 Millionen Dollar haben werden, während die anderen Länder einen Preis von 60 bis 90 Millionen Dollar verlangen", sagte Sergei Tschemesow, Vorstandsvorsitzender von Rostec, auf der Luftfahrtmesse MAKS-2021.

„In Anbetracht der sehr guten Flugeigenschaften und der ausreichend breiten Angriffs- und Aufklärungsfähigkeiten dieser Maschine sowie der geringen Radarsichtbarkeit hoffen wir, dass das Kampfflugzeug eine ernstzunehmende Konkurrenz für die führenden westlichen Hersteller von leichten einmotorigen Mehrzweckkampfflugzeugen der fünften Generation sein wird", sagte Dmitri Schugajew, Direktor des Föderalen Dienstes für militärisch-technische Zusammenarbeit.

Der exportorientierte „Checkmate"-Jet hat nach Angaben des stellvertretenden russischen Ministerpräsidenten, Juri Borissow, bereits einen Großkunden, der den ersten größeren Auftrag erteilt hat. Es handelt sich dabei um die Luftwaffe eines anderen Staates. 

Der Zeitplan für den Export des „Checkmate"-Jets wird sich über vier Jahre zu erstrecken, da die ersten Flugtests nach offiziellen Angaben in zwei Jahren, d.h. 2023, durchgeführt werden sollen. Im Anschluss starten dann die  Massenproduktion und der Export des neuen Kampfjets.

Die Bewaffnung des „Checkmate“

Nach seiner Fertigstellung wird der „Checkmate"-Jet sowohl für die Bekämpfung von Luft- als auch Bodenzielen eingesetzt werden. Die maximale Kampflast des Kampfjets soll 7.400 Kilogramm betragen. Die Flugreichweite ohne Außentanks beträgt 2.900 Kilometer. 

Der Kampfjet ist in der Lage, bis zu fünf Luft-Luft-Raketen zu tragen, um feindliche Jets der fünften Generation im Fern- und Nahkampf aufzuspüren und zu zerstören, heißt es in der Beschreibung des Jets auf der Website des Herstellerunternehmens. Zusätzlich kann der Jet mit Kanonen zur Zerstörung von Bodenzielen ausgerüstet werden. 

Insgesamt zeichnet sich das Flugzeug durch eine geringe Radarsichtbarkeit und ein verbessertes passives Weitbereichs-Erkennungssystem aus.

Das automatisierte Logistikunterstützungssystem – „Matrjoschka" genannt - wurde von Grund auf neu entwickelt, um Kosten zu senken und die Effizienz des Kundendienstes zu erhöhen, indem es die Technologie der prädiktiven Analytik nutzt, die es ermöglicht, alle notwendigen Wartungsmaßnahmen für jedes Flugzeug der Flotte im Voraus zu berechnen.

Einer der wichtigsten Wettbewerbsvorteile dieses besonderen Kampfjets ist die Möglichkeit der Berücksichtigung spezifischer Anforderungen der Kunden. Darüber hinaus arbeitet die United Aircraft Corporation an der Entwicklung einer unbemannten Version des Kampfjets, die auf dem aktuellen Prototyp basiert.

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